Filmtipp

„Imperium“: Undercover in der braunen Zelle

Nils Michaelis06. Januar 2017
Filmszene aus „Imperium“
Nate Foster (Daniel Radcliffe) soll einen Anschlag vereiteln.
Daniel Radcliffe spioniert als FBI-Agent Neonazis aus: Der Thriller „Imperium“ beleuchtet den Terror von rechts in den USA.

Beim Thema Terrorismus haben die Sicherheitsbehörden und weite Teile der Öffentlichkeit in der Regel radikale Islamisten im Visier. Nicht nur, aber gerade in den USA. Dabei agieren dort Neonazi-Netzwerke im Verborgenen, die zu allem fähig sind. Was das bedeutet, hat der verheerende Bombenanschlag auf das Murrah Federal Building im Jahr 1995 in Oklahoma City gezeigt. 168 Menschen fielen der Attacke einer Gruppe um den militanten Rassisten Timothy McVeigh zum Opfer. Es war das schwerste Attentat in den USA vor dem 11. September.

Die Schreckenstat und die geistige Welt jenes Golfkriegsveteranen, der 2001 hingerichtet wurde, spielt eine wichtige Rolle für den Plot in „Imperium“. Das FBI hat mitbekommen, dass radioaktives Cäsium gestohlen wurde. Die Ermittler gehen davon aus, dass eine Gruppe von Terroristen, mutmaßlich islamistischer Richtung, damit eine schmutzige Bombe bauen und einen Anschlag in den USA verüben will. Einzig die Agentin Angela Zamparo (Toni Collette) vermutet ein braune Zelle dahinter. Um das zu beweisen und ein Blutbad zu verhindern, schleust sie den jungen Kollegen Nate Foster (Daniel Radcliffe) in die Szene ein. Lange hat der unscheinbare Typ darauf gewartet, sich zu beweisen, etwas zu bewegen. Kahlgeschoren und in Bomberjacke lässt sich Foster mit rassistischen Verschwörungstheoretikern und Untergrundkämpfern ein.

Wandlungsfähig: Daniel Radcliffe

Wer bei Radcliffe vor allem dessen Rolle als Zauberschüler in den „Harry Potter“-Blockbustern im Kopf hat, staunt über seine Wandlungsfähigkeit. Die beweist sich vor allem darin, die Camouflage des schüchternen FBI-Agenten glaubwürdig zu interpretieren. Zwar wirkt sein klischeehaftes Outfit wie aus einem Modekatalog für Skinheads in den 1980er-Jahren, doch umso subtiler agiert er insgesamt. Denn die, die er aushorchen soll, entsprechen ebenfalls nicht den gängigen Vorurteilen. Zwar befinden sich unter ihnen auch brüllende Brutalos, doch weitaus mehr Gewicht hat etwa ein Familienvater wie aus dem Bilderbuch. Statt Dosenbier liebt der ideologische Leitwolf vegetarische Bratlinge und Brahms. Besonders im Auge hat Foster einen Radiomoderator. Der hetzt in seinen Sendungen regelmäßig gegen Juden und andere „Zerstörer Amerikas“. Gerade hier zeigt sich: Am Beginn steht das Wort. Doch so manche Spur führt Foster auch in die Irre.

Mit präzisen Beobachtungen macht der Film von Regisseur und Drehbuchautor Daniel Ragussis vor allem eines deutlich: Rechter Hass hat in den USA eine breite Basis quer durch alle Schichten, und das nicht erst seit dem Populismus-Hype rund um die jüngste Präsidentschaftswahl. Und auch der oft beschworene Riss durch die Gesellschaft hat eine lange Vorgeschichte. Während Foster Details zum geplanten Bombenanschlag sammelt, taucht er immer tiefer ein in ein Meer von Vorurteilen und rassistischer Mythologie. Die Gefahr, in der er dabei schwebt, ist stets spürbar.

Konventionelle Erzählung

Geschickt verknüpft „Imperium“ Elemente aus Dokumentation und Thriller. Manchmal wünscht man sich allerdings, Ragussis hätte öfter und konsequenter an der Spannungsschraube gedreht. Letztendlich wird die Geschichte, die eigentlich viel Raum für Extreme bietet, recht konventionell erzählt. So liegt die Stärke von „Imperium“ vor allem darin, Reales durch gründlich recherchierte Fiktion zu vermitteln. Etwa die Rolle, die geistige Brandstifter spielen, wenn aus Verblendeten und Frustrierten, die sich ihrer Pseudo-Opferrolle hingeben, Gewalttäter werden. Nicht nur an diesem Punkt weist der Film über die USA hinaus: Wem fallen dabei nicht auch Pegida und AfD ein? Zumal die vor der Kamera mehrfach erwähnten rassistischen „Turner-Tagebücher“ auch im NSU zirkuliert sein sollen.

Die Geschichte fußt auf den Erinnerungen des früheren FBI-Agenten Michael German, der selbst jahrelang verdeckt im Nazi-Sumpf ermittelte und gemeinsam mit Ragussis am Drehbuch schrieb. Radcliffe verbindet mit dem Film vor allem eine Hoffnung, wie er in einem Interview gesagt hat: „Möge er zur Diskussion anregen und das Bewusstsein der Zuschauer für das real existierende Problem der White-Supremacy-Bewegung schärfen. Es ist wichtig, uns daran zu erinnern, dass es eine große Bewegung ist, die eine wirkliche Gefahr darstellt.“

Info:

„Imperium“ (USA 2016), ein Film von Daniel Ragussis, mit Daniel Radcliffe, Toni Collette, Sam Trammel u.a., 104 Minuten, Sprachen: Deutsch/Englisch

Jetzt auf DVD und Blu-Ray erschienen

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Kommentare

wieder mal DIE USA

Wir bekommen die EIGENEN Probleme hier in Deutschland NICHT in den Griff und schielen wiedermal in und nach der USA.

Die Genossen sollten sich lieber mal bemühen SELBER geradaus zu sehen . . . falls sie das sich nicht schon abgewöhnt haben. Es sei denn sie dümpeln weiter auf Sektenniveau vor sich hin.