Hip Hop, Dancehall, Gothic, Emo, Streetdance, Rudeboys oder Fanzines, schon mal davon gehört? In Deutschland gibt es bunte und spannende Jugendkulturen. Innovativ und interessant, nicht nur für junge Menschen, ist das „Culture on the Road“-Projekt des Archivs der Jugendkulturen mit seiner Idee bei der Lebenswelt der Jugendlichen anzusetzen: Musik, Mode, Freizeit.
„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein.“
Beschrieb schon die Band Tocotronic. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts, die meist selbst aus der Szene stammen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, an Schulen, Ausbildungsstätten und in Jugendhäusern die kulturelle Vielfalt von Jugendbewegungen zu vermitteln. Mit dabei haben sie immer verschiedenste Tools, um mit den Jugendlichen kreativ arbeiten zu können: Skateboards, Sprühdosen, DJ-Pults, Mikrophone, auch für Slam Poetry und vieles mehr.
Verblüffend und interessant sind dabei die Einblicke, Hintergründe und Ausdrucksformen der Szenen von Jugendlichen. „Culture on the Road“ thematisiert darüber hinaus auch die Schattenseiten bestimmter Jugendkulturen, beispielsweise rechtsradikaler Hooligan- oder Skinheadszenen. Die Wurzeln und Geschichte dieser subkulturellen Bewegungen stehen dabei im Mittelpunkt, um über Rechtsextremismus, Rassismus und Intoleranz gegenüber anderer Lebensweisen aufzuklären. Ein Beispiel: Die Skinszene hat sich aus der englischen Arbeiterklasse entwickelt und weite Teile der Bewegung verstehen sich bis heute als unpolitisch oder links und anti-rassistisch.
Die politische Bildungsarbeit von „Culture on the Road“ orientiert sich an den Prämissen der Toleranz, der Gewaltfreiheit und der Gleichberechtigung und möchte zeigen: Es gibt mehr! Die Projekttage kommen gerade auch im ländlichen Raum sehr gut an. Bieten kreative Workshops doch die Möglichkeit, auch mal einen Blick über den Tellerrand hinaus zu wagen.
Junge Migrantinnen und Migranten in Jugendkulturen
Doch die Welt der Jugendkulturen in Deutschland ist nicht alleinig weiß und männlich. In den Medien zirkulieren derzeit Geschichten muslimischer Jugendgangs, die kriminell oder gewalttätig seien. Auch die Debatten um Kopftuchträgerinnen, Zwangsheirat und Ehrenmorde bildet nicht das komplette Bild jugendlicher Lebensstile von migrantischen Jugendlichen ab. Ein Modellprojekt, gefördert im Rahmen des Bundesprogramms „Vielfalt tut gut.“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese zu erkunden und für Ausstehende nachvollziehbar zu machen. Damit soll auch über Probleme und Lebensrealitäten aufgeklärt werden, die für Jugendliche aus migrantischen Milieus alltäglich sind. Beispielhaft ist das Ausstellungsprojekt „Hinter den Kulissen“, indem junge migrantische Frauen ihr Leben in Berlin reflektierten.
Es bleibt zu hoffen, dass solche Initiativen, die Jugendliche Ernst nehmen, ihre Milieus akzeptieren und anderen Jugendlichen zugänglich machen, auch weiterhin im Rahmen von Bundes- oder Landesförderungen in ihrer Arbeit unterstützt werden.
Fotos: mit freundlicher Genehmigung des Archivs der Jugendkulturen
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