Der damalige Bundeskanzler Willy Brandt richtete seine Forderung „Mehr Demokratie wagen“ vor 40 Jahren nicht an die politische Elite des Landes, sondern an jeden einzelnen Bürger. Und in dem Gebäude, das in Berlin nach ihm benannt ist, wurde an 13. Mai 2009 bewiesen: Es ist nicht nur möglich, es ist nötig, dass jeder Bürger Demokratie wagt.
Engagierte Bürger
„Freiwillig – im Dienste der Gesellschaft“: Unter diesem Motto kamen Menschen aus ganz Deutschland zusammen. Was sie alle teilen: Sie wagen Demokratie: Denn sie engagieren sich für die Gesellschaft. Ob im Sportverein, in der Kinderbetreuung, in der Kirche oder im Altenheim – sie packen mit an, um die Gesellschaft mitzugestalten, um Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. Das ist es, was Demokratie ausmacht.
Kulturelle Arbeit
An Infoständen konnten sich die Kongress-Teilnehmer austauschen und neue Kontakte knüpfen. An einem standen zwei junge Frauen. Vor ihnen lagen grün-blaue Broschüren über das „Freiwillig Kulturelle Jahr (FSJ) Kultur“. In diesem Projekt arbeiten junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren für ein Jahr in kulturellen Einrichtungen wie Theatern, Museen oder Gedenkstätten. Sie bringen sich in „ihre“ Einrichtung ein und gewinnen dabei Einblick in die kulturelle Arbeit. Viele Jugendliche nutzen das Angebot, um nach der Schule erst einmal Abstand vom theoretischen Lernen oder eine Orientierung für die Berufswahl zu bekommen. Das FSK entstand in Anlehnung an das Freiwillige Soziale Jahr, dass vor 40 Jahren in Deutschland ins Leben gerufen wurde.
Über die Grenzen hinaus
Genauso lange gibt es die AWO, die ihre Arbeit für Entwicklungshilfe ein paar Stände weiter vorstellte. „AWO international“ ist eine Gruppe der AWO, die unter anderem Freiwilligendienste in der Dritten Welt organisiert. Die Teilnehmer reisen für ein Jahr nach Mittelamerika und unterstützen dort vor allem Projekte zur Förderung des interkulturellen Austausches. „AWO international“ arbeitet dabei mit „Weltwärts“ zusammen. Das ist der Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Das Programm unterstützt junge Menschen, die Entwicklungshilfe leisten wollen finanziell und begleitet die Helfer vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt. Allerdings sendet „Weltwärts“ die Teilnehmer nicht selbst in eigene Projekte, sondern kooperiert mit deutschen Organisationen vor Ort, so eben auch mit „AWO international“.
Gestern wie heute
All die Projekte, die sich vorstellten, sind essentiell für unsere Gesellschaft. Kein Wunder also, dass auch der Kanzlerkandidat der SPD Frank-Walter Steinmeier die Tagung besuchte. Außerdem, so Steinmeier würden die Projekte ihn an sein eigenes Leben erinnern. Er berichtete von freiwilligen Fußballtrainern, die ihn als Kind trainiert und zu Kicken gebracht haben, und von freiwilligen Bücherfreunden, in deren Leihbücherei er die ersten Karl-May-Romane lesen konnte. Er erinnerte sich an die evangelische Jugendarbeit, die ihn als jungen Menschen über die Verhältnisse in der Dritten Welt aufgeklärt hat. „Mein Leben wäre anders verlaufen, ohne all die Freiwilligen“, resümierte er rückblickend. Frank-Walter Steinmeier erklärte, wie wichtig ihm all das Engagement ist. Trotzdem müsse immer klar bleiben: Diese Arbeit muss neben der Politik und neben den staatlichen Handlungen, nicht anstelle ihrer stattfinden. All die engagierten Bürger auf der Tagung zu sehen, freue ihn: „Das ist mehr, als ein gutes Zeichen, das ist ein Hoffnungszeichen.“
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