Sparpaket Höhere Steuern für die Reichen

von Susanne Dohrn - 14.06.2010

Prof. Dr. Lorenz JARASS ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der RheinMain University Wiesbaden. Er berät u.a. die Europäische Kommission, das Europäische Parlament sowie den Deutschen Bundestag. Zahlreiche Vorträge bei nationalen und internationalen Fachkonferenzen.

Mehr Infos: www.jarass.com

Wer eine Lohnerhöhung bekommt, muss von jeden zusätzlich verdienten Euro zwei Drittel Steuern und Abgaben zahlen. Wer dagegen Vermögen besitzt, den schont der Staat. „Das ist krass ungerecht und hemmt Wachstum und Beschäftigung“, sagt Lorenz Jarass.

vorwärts.de: Herr Prof. Jarass, Sie und fordern eine Erbschaftssteuer von 15 Prozent. Wer soll die bezahlen?
Lorenz Jarass: Alle sollen das zahlen, auch Ehefrauen, Neffen, Nichten, Kinder – auch bei Wohnsitz im Ausland - und zwar z.B. 15 Prozent auf den jeweiligen Marktwert aller Vermögen inkl. Betriebsvermögen und Immobilien. Das würde 15 bis 20 Milliarden Steuereinnahmen im Jahr einbringen. Derzeit erfolgt die Besteuerung nach dem sehr viel niedrigeren Einheitswert mit hohen Freibeträgen. Betriebsvermögen und Ausländer mit Vermögen im Inland sind weitgehend steuerbefreit, und deshalb betragen die Einnahmen aus der Erbschaftssteuer bei geschätzten über 100 Milliarden Erbschaften pro Jahr gerade mal knapp 5 Milliarden Euro.

Ist das nicht ungerecht: Die Kleinen zahlen ebensoviel Steuern wie die Großen?
Erstens sind 15 Prozent von 5 Millionen Euro mehr als von 50 000 Euro. Außerdem: Wer in kleinen Verhältnissen lebt und 50 000 Euro erbt, sollte sich nicht mit den großen Erben vergleichen sondern mit denjenigen, die gar nichts erben.

Was ist, wenn die Witwe die Erbschaftssteuer nicht aufbringen kann und aus der Wohnung oder dem ausziehen muss? Ist das nicht hart und ungerecht?
Sie müsste nicht ausziehen, weil sie die Erbschaftssteuer als Hypothek auf das Haus legen kann. Um diese Hypothek würde sich dann das Erbe, z.B. der Kinder, reduzieren.

Was halten Sie von einer Erhöhung der Grundsteuern?

Grundsteuern sind die gerechtesten Steuern, die es gibt, soweit – im Gegensatz zu heute – die Grundsteuern auf den Marktwert der Immobilie erhoben würde. Wer in einem großen Haus mit großem Grundstück wohnt, ist grundsätzlich wohlhabender und würde dann zwingend mehr bezahlen als jemand, der in einer kleinen Wohnung in schlechter Gegend lebt. Grundsteuern sind in Deutschland im europäischen Vergleich sehr niedrig. Sie kommen den Kommunen zugute, die dringend eine eigene, konjunkturunabhängige Einkommensbasis brauchen.

Die Grundsteuer trifft die Armen relativ stärker als die Reichen, sagt Stefan Bach vom DIW. Sie sind trotzdem dafür?
Heute bezahlen die Armen, die in kleinen Wohnungen in schlechter Gegend wohnen, tatsächlich prozentual mehr Grundsteuer als die Reichen in Villenlagen. Das muss dringend geändert werden, wie auch das Bundesverfassungsgericht schon bei der Erbschaftsteuer gefordert hat.

Sie fordern außerdem eine allgemeine Vermögensbesteuerung. Was genau heißt das und was heißt für Sie Vermögen?

Auf jedes Vermögen: z.B. auf Aktien, Ersparnisse, Lebensversicherungen etc. sollte z.B. ein Prozent Vermögenssteuer erhoben werden. Die Vermögenssteuer sollte nicht nur auf das Privatvermögen erhoben werden, sondern auch auf alle in Deutschland gelegenen Vermögen inklusive Betriebsvermögen, unabhängig vom Wohnsitz des Eigentümers, damit sich Steuerpflichtige nicht durch Wohnsitzwechsel der Vermögensteuer entledigen können. Zur Vermeidung einer Doppelbesteuerung sollte die bezahlte Vermögenssteuer sollte auf die Kapitalertragssteuer angerechnet werden. Zudem sollte die auf Immobilien bezahlte Grundsteuer dabei angemessen berücksichtigt werden.

Aber das heißt wieder Steuererhöhungen!
Deshalb muss gleichzeitig die Belastung der Arbeitnehmer mit Steuern und Abgaben erheblich reduziert werden. Wer heute 1500 Euro verdient, muss auf jeden mehr verdienten Euro 2/3 Steuern und Abgaben zahlen. Wer dagegen Vermögen besitzt, kann einen großen Teil seiner Erträge steuerfrei stellen. Das ist krass ungerecht und hemmt Wachstum und Beschäftigung. Wer Vermögen hat, und derzeit schon angemessen Steuern bezahlt, sollte nicht nennenswert stärker belastet werden, wer aber derzeit keine Steuern bezahlt trotz erheblicher Vermögenswerte, sollte zukünftig deutlich stärker zur Finanzierung staatlicher Aufgaben herangezogen werden.
 

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Die Vorschläge sind das

Bild von Umaga

Die Vorschläge sind das einzigst Richtige, wer mehr hat, der kann auch mehr zum Erhalt des Staates, salopp ausgedrückt, hergeben. Das hat einfach mal nichts mit Neid zu tun, sondern mit Gerechtigkeit.

So wie beschrieben sieht gerecht verteilte Steuerlast aus und nicht wie jetzt, wo man an den Ärmsten der Armen kürzen will.

@ Wolfgang B. Vielleicht

Bild von Markus

@ Wolfgang B.

Vielleicht kann auch ein Blick ins "Infoportal" weiterhelfen:

http://www.jjahnke.net/rundbr72.html#2040

Vorschläge unausgewogen

Bild von Wolfgang B.

Die Vorschläge von Prof. Jarass sind unausgewogen. Sie berücksichtigen nicht, das durch eine Vereinfachung des Steuerrechts bereits Milliarden zu heben wären. Weiter ist ein dramatischer Punkt, dass die Finanzämter mittlerweile über ein Jahr brauchen, um die Steuererklärungen zu bearbeiten. Alleine daraus entstehen dem Steuerzahler Millionenverluste. Wer die Fristen zur Abgabe der Steuererklärung nutzt, wird jetzt erst für das Jahr 2008 veranlagt. Das ist viel zu lange. Bei mir selber sind seitens des Finanzamtes noch Steuererklärungen aus dem Jahr 2006 nicht endgültig abgeschlossen, weil Personal zum prüfen des Sachverhaltes fehlt ... Damit ist z. B. offen, ob ich noch eine Nachzahlung von ca. 15.000 € leisten muss, oder nicht.
Das allgemeine schimpfen auf die Reichen schürt einen unangemessenen Neid, der nicht mehr erträglich ist.
In den letzten 30 Jahren haben immer alle bewundernd geschaut, wenn es wieder einem Superreichen gelungen ist, mit Informationen und der geschickten Ausnutzung viel Geld zu machen. Keiner hat hingeschaut, was mit diesem Geld passiert. Der normale Mittelständler, der in der Region reinvestiert wird dafür aber schäl angeguckt. Wenn er nach alter Tradition einen rheinischen Kapitalismus pflegt, der ihn und die anderen am leben hält, möchte mann ihm heute am liebsten die Lebensschnur durchschneiden. Er hält sich an das Grundgesetz, in dem nun mal steht, das Eigentum verpflichtet. Nicht nur zu Mehrung des eigenen Vermögens, sondern auch zur sozialen Verantwortung. Und diese soziale Verantwortung muss von den Millionen-Erben eingefordert werden, das bringt auf Dauer erheblich mehr Geld und Arbeitsplätze, als eine einmalige Freikauf-Abgabe von 15 oder 30 %. Geld in den Händen des Staates bedeutet noch lange nicht, das es auch gut ausgegeben wird. Das sehen wir doch an der derzeitigen Bundesregierung. Systemstützende Banken-Milliarden werden lockergemacht, systemstützende Bildungsausgaben werden aber kritisch hinterfragt und letztlich zurückgestellt.
Kurz gesagt: Millionen-Erben müssen im Land bleiben und hier mit ihrem Vermögen arbeiten. Das sichert uns Arbeitsplätze und weiteren Wohlstand. Das Totschlagen der Kuh hat noch keinem geholfen ... denn dann gibt sie keine Milch mehr.

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