Zu Ehren von Elise Bartels Hildesheim wird frauenORT

von Rotraut Hammer-Sohns - 05.08.2010
Sie war eine geniale Gründerin, nicht nur von Hildesheimer Volksblatt und AWO. Elise Bartels zeichnete sich durch einen großen politischen Gestaltungswillen aus. Hildesheim ehrt die bedeutende Sozialdemokratin im August mit einem frauenORT.

Elise Bartels’ Lebensgeschichte zeigt eindrucksvoll die Entwicklung von der rechtlosen Arbeitertochter zur selbstbewussten Frauen- und Sozialpolitikerin. Sie hat eine steile Karriere gemacht. Noch eindrucksvoller und vorbildlicher ist ihr Umgang mit Benachteiligung. Die Stadt Hildesheim ehrt Elise Bartels daher am 11. August mit einer Feierstunde im großen Sitzungssaal des Hildesheimer Rathauses. Am selben Tag wird eine von der Arbeiterwohlfahrt gestiftete Erinnerungstafel an ihrem ehemaligen Wohnhaus enthüllt.

Weitere Attraktion, wie die Ausstellung „Elise Bartels, die Zeitungsgründerin“ im Stadtarchiv, eine Dauerausstellung im Stadtmuseum von Objekten und Bildern aus ihrem Nachlass und ein Kinderfest in der „Elise-Bartels-Kindertagesstätte“ werden im Herbst folgen. Ein Thementag führt in die Stadt zur Zeit der  Elise Bartels und auch das heutige Hildesheim mit einem Empfang bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt „Hildesheim – Stadt der Frauen!“

Hildesheim wird damit der achte „frauenORT“ in Niedersachsen. Mit der Initiative will der Landesfrauenrat Leben und Wirken historischer Frauenpersönlichkeiten einer breiten Öffentlichkeit bekannt machen und dazu beitragen, dass Frauengeschichte und Frauenkultur einen festen Platz im Spektrum kulturtouristischer Angebote erhält. Elise Bartels ist die einzige demokratische Hildesheimer Abgeordnete im höchsten deutschen Parlament bis weit nach 1945. Frauen können durch politische Arbeit ihr Schicksal in die Hand nehmen und selbst gestalten, dazu ruft sie auf.

Von der Fabrikarbeiterin zur Vorsitzenden der Arbeiterjugend

Am 13. Mai 1880 wird Elise als Tochter eines Hildesheimer Sozialdemokraten geboren. Die Familie zieht in den ersten zehn Jahren ihres Lebens nahezu zehn Mal um. Es war die Zeit der Gesetze gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie. Elises Vater war Vertrauensmann, d.h. einer der Genossen, die damals (bis zur Neuorganisation nach 1904) das organisatorische Rückgrat der SPD darstellten. Sie waren Ansprechpartner und sammelten die Mitgliedsbeiträge ein. Sie waren buchstäblich die Partei. Um Verhaftungen zu entgehen, zog die Familie z.B. fortwährend um, damit die Obrigkeit nie wusste, wo sie zu finden war.


Channel: Sozialdemokratie  
Bundesland: Niedersachsen  
AutorIn: Rotraut Hammer-Sohns  

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