Unter dem Slogan „Ich bin die Maus!“ lädt die Burg Giebichenstein in diesen Tagen nach Halle ein, in die als Kunstmuseum genutzte Moritzburg. Hier soll anlässlich ihres 80. Geburtstags an die Grafikerin Isolde Schmitt-Menzel erinnert werden. Im Mittelpunkt der interaktiven Ausstellung steht jedoch nicht der persönliche Lebensweg oder die erfolgreiche Karriere der Künstlerin, sondern vielmehr ihre bekannteste Schöpfung: die Maus.
„Die Sendung mit der Maus“ als Dauerbrenner
Wohl keine andere Zeichentrickfigur erfreut sich seit Jahrzehnten einer vergleichbar anhaltenden Beliebtheit bei dem deutschen Fernsehpublikum wie das braune, etwas füllige Tierchen, das allsonntäglich Kinder während der „Sendung mit der Maus“ erheitert. Durch ihre Findigkeit und das lautstarke Klappern ihrer Augenlider haben die pantomimischen Kurzfilme mit der Maus längst einen generationsübergreifenden Kultstatus erreicht. Auf den Wissenshorizont von Grundschulkinder abgestimmt, beträgt das Durchschnittsalter der Zuschauer der Maus stolze 39 Jahre.
Die Frau hinter der Maus: Isolde Schmitt-Menzel
An die Ausstellung in Halle durften also schon vorab gewisse Ansprüche gestellt werden. Immerhin ist die Maus nicht irgendeine Figur. Und die Frau dahinter? Isolde Schmitt-Menzel studierte vom April 1948 bis zum August 1950 an der renommierten Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle. Hier soll sie bei einem Besuch im Bergzoo auch erstmals eine Maus gezeichnet haben. Der Grundstein für eine ungeahnte Erfolgsgeschichte war gelegt.
Nach ersten Arbeiten für den Hessischen Rundfunk entwickelte sie mit dem WDR, für den sie ab 1968 zeichnete, aus einer Buchillustration die Idee zu kurzen Zeichentrickfilmen, woraus sich das Konzept der „Sendung mit der Maus“ formte, die 1971 zum ersten Mal gesendet wurde.
Die Ausstellung – enttäuschte Gesichter
Und was von all dem ist in Halle zu sehen? Im Entre des Museums liegen in einer Vitrine ein Dutzend Bleistiftskizzen herum, die veranschaulichen, wie die Maus von einer spitzen zu der charakteristisch runden Nase kam. Ein auf Video festgehaltenes Interview mit der Grafikerin gibt erklärende Informationen. Wer nun eine der Damen vom Empfang nach dem Rest der Ausstellung fragt, bekommt eine lapidare Antwort: „Sie warn vorne am Eingang? Das war’s dann schon. Aber Sie können gerne in unsre Dauerausstellung, Gemälde der Klassischen Moderne.“ Dann fügt sie, etwas verlegen, hinzu: „Im Museumscafé is’ noch ne Spielecke zur Maus, wenn Sie woll’n.“
Das also hat es auf sich mit den Grafiken, Fotos und Filmen, mit der Magnetwand, den Animationen, den Ansteckbuttons zum Selbstgestalten und der Kuschel- und Leseecke, die von der Burg Giebichenstein online angepriesen worden waren. „Die haben da ein bisschen zu viel gemacht, die von der Burg“, erklärt die Dame vom Empfang, „zu viel Werbung.“ Sie muss dieser Tage oft Kinder und Erwachsene mit dieser Erklärung vertrösten. Und ja, sie sieht dabei in viele enttäuschte Gesichter. Bis zum 31. August noch.
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