Das Spendensiegel vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) finden Sie unter www.dzi.de
Manfred Zöllmer ist stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im deutschen Bundestag. Im letzten Jahr besuchte er mit einer Delegation des Deutschen Bundestages Haiti.
vorwärts.de: Wo liegen nach dem Erdbeben in Haiti derzeit die größten Probleme?
Manfred Zöllmer: Die gesellschaftliche und politische Lage in Haiti war bereits vor dem verheerenden Erdbeben extrem fragil. Nur durch die Präsenz der UN-Truppen konnte ein gewisses Maß an Sicherheit und Ordnung garantiert werden. Auch die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln konnte nur durch Hilfe von außen gesichert werden.
Die bereits vorhandenen Probleme haben sich durch das Beben vervielfacht. Jetzt kommt es zuerst darauf an, medizinische Soforthilfe zu leisten und die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zu sichern. Da die ohnehin marode Infrastruktur des Landes völlig zerstört ist, müssen die Voraussetzungen für die Nothilfe aus der Luft geschaffen werden und die Häfen wieder funktionsfähig gemacht werden.
Die Spendenbereitschaft der Bürger ist sehr groß. Wie kann man jetzt am besten helfen?
Es ist großartig zu sehen, wie stark sich die Bundesbürger für dieses geschundene Land engagieren. Hilfe braucht Geld; deshalb bitte ich Sie, spenden Sie auch weiterhin. Natürlich muss jetzt auch die Bundesregierung handeln. Sie muss die Mittel für die Haiti-Soforthilfe deutlich erhöhen und mehr für die Entwicklungszusammenarbeit tun. Herr Niebel tut bisher nicht dass, was notwendig wäre.
Worauf sollte man achten, wenn man spenden möchte? Können Sie Empfehlungen geben?
Nicht alle Spendenaufrufe sind seriös. Informieren Sie sich bitte, bevor sie spenden.
Es macht Sinn an die großen Hilfsbündnisse wie „Aktion Deutschland Hilft“ oder „Bündnis Entwicklung Hilft“ zu spenden. Dort haben sich mehrere Organisationen zusammengeschlossen. Sie sind am ehesten in der Lage mit den Problemen vor Ort fertig zu werden und eine Hilfsinfrastruktur aufzubauen. Eine gute Orientierung bietet auch das Spendensiegel vom Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI).
Wie kann das Land nach der Katastrophe politisch wieder stabil werden?
Nach der humanitären Hilfe ist die Gewährleistung von Sicherheit die wichtigste Herausforderung für Haiti. Die Polizei und das Justizwesen haben bereits vor dem Erdbeben nur völlig unzureichend funktioniert. Die internationale Gemeinschaft hat mit der UN Friedenstruppe unter brasilianischer Führung beim Aufbau funktionierender Strukturen auf diesem Gebiet gute Arbeit geleistet. Es ist deshalb richtig und notwendig die Zahl der UN-Soldaten aufzustocken. Auch die USA leisten einen hervorragenden Beitrag. Der Wiederaufbau des Polizeiapparates, eine funktionierende Justiz, eine Reform des Wahlsystems verbunden mit Wiederaufbau und wirtschaftlicher Entwicklung sind die Schlüsselelemente für eine Stabilisierungsstrategie in Haiti.
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