Silvester-Übergriffe

Gewalt gegen Frauen: Warum sie auch Teil deutscher Gesellschaft ist

Elke Ferner07. Januar 2016
Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (ASF) verurteilt die Übergriffe gegen Frauen, die in der Silvesternacht stattgefunden haben, aufs Schärfste. Doch wer die Vorfälle von Köln dazu nutze, gegen Ausländer und Flüchtlinge zu hetzen, mache das Grundproblem kleiner als es ist, sagt Elke Ferner.

Die sexuellen Übergriffe gegen Frauen, die in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten stattgefunden haben, sind abscheulich und nicht hinnehmbar. Die Täter müssen ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden, ohne Ansehen der Herkunft oder der Religionszugehörigkeit. Sexuelle Gewalt ist kein Kavaliersdelikt sondern eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung.

Wer die Vorfälle von Köln dazu nutzt, gegen Ausländer und Flüchtlinge zu hetzen, macht das Grundproblem kleiner als es ist. Gewalt gegen Frauen findet täglich und überall statt: Ob zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit und im Internet. Ob als anzügliche Witze, sexistische Sprüche, übergriffiges Auftreten, häusliche Gewalt oder Vergewaltigung.

Gewalt gegen Frauen wird nicht "importiert"

Studien belegen, dass 35 Prozent aller in Deutschland lebenden Frauen körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren haben. 60 Prozent der Frauen berichten von sexuellen Belästigungen wie obszönen Berührungen. Die meisten Fälle von Gewalt an Frauen finden dabei im persönlichen Umfeld, etwa durch den eigenen Partner, Familienangehörige oder Kollegen, statt.

Gewalt gegen Frauen

Was wir brauchen, ist eine Kultur des Respekts gegenüber Frauen! Hier meine Videobotschaft zu den schrecklichen Taten in #Köln

Posted by Elke Ferner on Donnerstag, 7. Januar 2016

Gewalt gegen Frauen kennt keine Kategorien: Sie findet in allen sozialen Milieus mit unterschiedlichsten Bildungsniveaus und kulturellen Hintergründen statt. Es ist eben kein Phänomen, das Menschen anderer Herkunft oder Religion nach Deutschland „importieren“. Es ist leider auch Teil der deutschen Gesellschaft.

An den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht ist besonders erschreckend, in welch großer Dimension hier gegen Frauen vorgegangen wurde. Es zeigt in tragischer Weise, worauf Frauenverbände schon seit Langem aufmerksam machen: Sexuelle Gewalt gegen Frauen muss ernst genommen werden.

Täter müssen Verhalten ändern

Frauen sind die Opfer – nicht sie müssen ihr Verhalten ändern sondern die Täter. Wir brauchen ein entschiedenes Auftreten der gesamten Gesellschaft gegen Gewalt an Frauen. Das fängt in der Schule und im Kindergarten an. Wir müssen Mädchen darin stärken, ihre Ansichten zu vertreten und ihre Freiheiten einzufordern. Jungen müssen wir von klein auf beibringen, Frauen und Mädchen zu respektieren. Rollenstereotype müssen durch eine geschlechtersensible Erziehung und Bildung aufgebrochen werden.

Wir brauchen Respekt vor Frauen in der Wirtschaft und in der Politik. Äußerungen wie die der CSU, dass mehr Frauen in Führungspositionen eine Belastung für die Wirtschaft seien, bereitet den Nährboden für Sexismus und Gewalt gegen Frauen.

Reform des Strafrechts gefordert

Die bestehenden Schutzlücken im Strafrecht müssen endlich geschlossen werden. Wir brauchen eine umfassende Reform des Sexualstrafrechts, die den Willen der Opfer in den Mittelpunkt stellt. Damit ein Nein auch in Deutschland endlich Nein bedeutet! Auch die Medien müssen ihren Beitrag zu einem respektvollen Umgang mit Frauen leisten und endlich aufhören, Frauen nur auf ihr Äußeres und ihre Sexualität reduzieren. Die Medien müssen ihren Einfluss nutzen, um alte Geschlechterstereotype zu überwinden.

Und jede und jeder einzelne von uns – Frauen wie Männer – müssen jeglicher Gewalt gegen Frauen entschieden entgegentreten. Wir dürfen sexistische Sprüche und übergriffiges Verhalten nicht einfach tolerieren. Wir brauchen endlich eine Kultur des Respekts gegenüber Frauen.

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Kommentare

Köln

Wenn Sie die Vorfälle von Köln in der Silvesternacht mit zweideutigen Witzen (alla Brüderle) etc. vergleichen, haben Sie wieder mal kräftig in die Scheiße gegriffen, und dann wundern Sie sich, dass Sie in den Umfragen von der Startbahn nicht abheben.

Maßstab

Frau Ferner, ich stimme Ihnen in jedem Satz zu, aber Kritik müssen Sie schon aushalten. Ihnen sind nämlich alle Maßstäbe verlorengegangen. Wenn man Ereignisse wie in Köln, die man bis jetzt nur in Ägypten oder Indien vermutete, die für Deutschland nach Aussage von Heiko Maas einen Zivilisationsbruch bedeuten, mit sexuell belästigenden Äußerungen im Büro vergleichen, dann fragt man sich, ob Sie auch bei anderen Themen noch bei Sinnen sind.

elke ferner

Tja, liebe Genossin ferner, du hast auch die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Wir wollen keine sprechblasen mehr hören sondern taten sehen. Wann werden endlich der kriminellen Ausländer medienwirksam des Landes verwiesen? Der schutz der anständigen hier lebenden Menschen ist Sache des Staates, er hat das gewaltmonopol. Wenn der Staat uns nicht mehr schützen will, dann so er es sagen. Meine frage, wenn ich zur gefahrenabwehr Pfefferspray einsetze, werde ich wegen Körperverletzung angeklagt oder ist es Notwehr? Die asf wäre gut beraten allen Frauen zu empfehlen sich mit technischen Schutzausrüstungen auszustatten. Bitte keine Sprechblasen mehr!!!

Gewalt gegen Frauen

Ich stimme den Ausführungen von Elke Ferner zu.

Schlimm finde ich diesen ungeheuerlichen Aufschrei der Medien, als habe es früher nie Übergriffe an Silvester oder z.B. beim Oktoberfest in München gegeben, ob von Deutschen, Asiaten, Amerikanern oder Arabern. Aber man hat wieder ein Thema, das geeignet ist, um Stimmung zu machen.

Heute sah ich im Fenster eines Schreibwarenladens einen Ausschnitt aus einer Bild mit dem Text "Vier Asylanten wegen Vergewaltigung festgenommen." Da muss man fragen: Gibt es unter den anderen Nationalitäten keine Vergewaltiger? Werden nur Asylanten festgenommen, wenn sie Frauen vergewaltigen? Was war mit den restlichen Männern, die in Köln und anderswo Frauen belästigt und ausgeraubt haben? Warum überhaupt einen solchen Zeitungsausschnitt im Fenster?

Sinnlose Wiederholung

Sinnlose Wiederholung abgedroschener Phrasen. Man könnte glatt aggressiv werden. Wozu soll es gut sein, wenn das Gewaltverhältnis umgedreht wird, Unterdrückung, nun als repressive Entsublimierung, im Kern aber weiter existiert. Im Kern der trauten Familienidylle sowieso, muss man wohl hinzufügen. Die traute Familienidylle, mit ihrer abgeschottete Privatheit als Markenkern, dürfte ein nicht geringer Teil des Problems sein. Und ausgerechnet unterbezahlte Erzieherinnen sollen jetzt die Jungs so hintrimmen, dass sie die besseren Mädchen werden, welch eine Farce. (Die vom IS lachen sich tot und freuen sich über jeden Neuzugang.) Nein,nein,nein so geht es nicht. Ein Staat, in dessen Wertekanon das „Jede/r gegen Jede/n“ ganz oben auf der Agenda steht, darf sich nicht wundern, wenn die von ihm entfesselte smarte Gewalt in rohe Gewalt umschlägt.

Zum Programm 2007, Seite 41, unten, letzter Satz

„Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“(???)
Sie sind gerade auf gutem Wege die männliche Wählerschaft zu überwinden. Mal sehen, wer mit so Beiträgen, wie dem Ihren, die SPD noch lange in der menschlichen Gesellschaft will.

Elke Ferner zu den Verbrechen in der Sylvesternacht

Du hast sicher - und leider - Recht mit Deinen Ausführungen zu Gewallt gegen Frauen auch in der deutschen Gesellschaft, hier besteht noch viel Handlungsbedarf und die tägliche Durchsetzung von Frauenrechten.
Aber: Es ist verantwortungslos und wird den organsierten Gewalttaten von Köln, Hamburg und anderswo in der Sylvesternacht nicht gerecht, jetzt über bestehende Mißstände in der deutschen Gesellschaft zu reden. Hier geht es um gezielte Gewalt von Männern aus patriarchalischen Gesellschaften (übrigens nicht nur islamischen) aus überwiegend Nordafrika und dem Nahen Osten, die ihr Gastrecht in abscheulichster Weise mißbrauchen und damit Rechtsradikalen Vorschub leisten! Sie schaden damit auch allen anderen Flüchtlingen, die bei uns Hilfe suchen.
Erst verschweigen, dementieren und dann das Problem wie Du relativieren, hilft in der Sache nicht weiter. Solche Verhaltensweisen kennen wir bisher nur von autoritären Regimen. Damit schaffen wir nebenbei eine Grundlage der Demokratie, offene Informationen zur Bildung einer eigenen Meinung, ab. Nur eine offene Diskussion und schnelle, aber dann konsequente Lösungen helfen!
Dein Beitrag dazu ging leider am Thema vorbei!

Der blinde Fleck der ASF

Was in dieser unschönen, unheilen AFD-Welt konsequent ausgeblendet wird, ist die ganz normale sexuelle Belästigung von Männern durch Frauen. "Es gibt sie einfach nicht und basta!"
Und es gibt sie doch. Ich kann Wetten darauf annehmen, dass ich mit Sex-Offerten angebaggert werde, wenn ich auf der Straße vor meiner Haustür 500 Meter nach Westen gehe. Manche Frauen laufen mir hinterher. Manche versuchen, mir den Weg zu versperren. Manche versuchen, mich festzuhalten. "Du ficken? Du blasen?" Aber mann beschwert sich gefälligst nicht. Denn erstens werden Männer nicht belästigt, basta, und zweitens "wollen sie es ja". Sorry - ich will es nicht. Ich will zur Bushaltestelle und muss dorthin durch einen Korridor von Prostituierten manövrieren, die sexuelle Belästigung von Männern zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben. Männeralltag in Deutschland.