Die teils sehr aufgeregten Debatten um Moscheebauten in Berlin und Köln, aber auch die Reaktionen auf das Schweizer Minarettverbot sprechen nicht gerade dafür, dass der „westliche“ Blick auf islamisch geprägte Milieus vom Willen zur Objektivität geprägt ist. Im Gegenteil: Oft werden Muslime mit islamischen Fundamentalisten gleichgesetzt, muss einizig die Religion herhalten, wenn es darum geht, konservative Tendenzen unter Migranten, etwa in der türkischen Community in der Bundesrepublik, zu erklären. Das ließ sich kürzlich auch in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ verfolgen. Ayman Mayzek, der Generalsekretär des Zentralverbandes der Muslime in Deutschland brachte darin den verzerrten Blick auf den Punkt: „Es werden Dinge islamisiert, die mit dem Islam nichts zu tun haben.“
Diskriminierende Berichterstattung
Genau nach dieser Methode verfahren die Islamhasser, deren Sichtweise seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 zunehmend Konsens werden, so der Hamburger Literaturwissenschaftler und Journalist Kay Sokolowsky. In wohlgelittenen Nachrichtenmagazinen wie dem „Spiegel“ und unter prominenten Publizisten wie Ralph Giordano und Henryk M. Broder macht der Medienkritiker eine regelrechte Islamhetze aus, die durch einseitige, wenn nicht diskriminierende Berichterstattung beziehungsweise demonstrativ abwertende Äußerungen Stimmung gegen Muslime machen. Und diese, so der Autor, könnte rasch in brutalen Hass umschlagen. Die durch die Wirtschaftskrise verschärften Verteilungskämpfe und eine verfehlte Migrationspolitik würden ihr Übriges tun.
Furcht vor Unterwanderung einer Mehrheitsgesellschaft
Ein wachsender Islamhass sei zudem Rechtsradikalen höchst willkommen, um ihren Rassismus mit neuem Make-up zu versehen und so den politischen „Mainstream“ braun zu färben. Beweise für seine These sieht der Experte für Verschwörungstheorien in Gemeinsamkeiten zwischen Islamfeindschaft und Antisemitismus. Dazu zählt etwa die Furcht vor der Unterwanderung einer Mehrheitsgesellschaft durch eine Minderheit.
Aufhalten lässt sich diese gefährliche Tendenz, die auf Nichtwissen und Angst vor dem Fremden beruht durch eine Politik, die der Entwicklung einer pluralen Gesellschaft und damit der Chancengleichheit aller sozialen Milieus verpflichtet ist. Diesen Weg beschreibt die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün in einem von mehreren „Experten-Interviews“. Ihren Worten zufolge hängen Erscheinungen wie Zwangsehe, prügelnde Ehemänner oder politischer Extremismus, die das „Feindbild Moslem“ ausmachen, weniger mit der Religion, sondern mit dem proletarischen Charakter mancher arabischer oder türkischer Milieus zusammen, in denen die Menschen sich selbst überlassen sind.
Gerade diese Gespräche machen Sokolowskys um Wissenschaftlichkeit bemühte, aber letztendlich sehr subjektive Streitschrift zu einem wichtigen Lesebuch zum Thema Toleranz und Migration. Seine von Redundanzen durchzogenen, teils unerträglich ätzenden Tiraden gegen Islamkritiker schießen allerdings übers Ziel hinaus. Sokolowsky sollte es wissen: Die Sprache des Hasses kann ansteckend sein.




Islam"kritik"
Allein im Begriff Islamkritik steckt doch schon die Abwertung.
Schon in dem Wort "Islamkritik" steckt der Generalverdacht.
Wenn ich das Wort "Judentum-Kritik oder sogar Juden-Kritik lese, denke ich sofort an Antisemitismus im zweiten Fall sogar eher schon an Nazis.
Diese sogenannte Islamkritik ist in den allermeisten Fällen nichts anderes als verdeckte Abwertungs- und Hasspropaganda.
Man kritiksiert nicht etwa die fundamentalistischen Spielarten des Islam, sondern ihn pauschal einseitig. (Im Unterschied zur generellen Religionskritik sämtlicher Religionen gleichwertig und nicht etwa päpstliche - oder protestantisch-fundamentalistische - oder Kahane-Hetze gegen eine ganz bestimmte Religion).
Sie selbst verraten sich schon durch ihre Sprachregelung.
Die zeigt wie treitschkehaft die Diskussion in diesem unserem Lande verkommen ist.
interview mit autor
auf stattweb findet sich ein aktuelles interview mit kay sokolowksy: http://www.stattweb.de/baseportal/ArchivDetail&db=Archiv&Id=1252
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