Südafrika Fußball gegen AIDS

von Jerome Cholet - 28.04.2010
Südafrika verzeichnet die höchste HIV-Rate und die höchste Anzahl von AIDS-Toten weltweit. Nur etwa ein Zehntel der Infizierten wurden bislang mit lebensrettenden Medikamenten versorgt. AIDS war ein Tabu - zur Fußball-Weltmeisterschaft soll es nun gebrochen werden.

Wenige Wochen vor Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika ging Präsident Jacob Zuma mit gutem Beispiel voran und ließ sich medienwirksam auf eine Infektion mit dem HI-Virus testen. „Wir müssen das Schweigen und die Scham um die Krankheit überwinden. Deshalb fordere ich alle Südafrikaner auf, sich testen zu lassen,“ sagte er von seinem Amtssitz aus, „jeder sollte seinen Status kennen. Die Krankheit ist kein Verbrechen.“

Duschen gegen Aids?
Der polygam lebende Präsident selber wurde negativ getestet. Noch vor vier Jahren hatte er vor Gericht aussagen müssen, mit einer Frau ungeschützten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben, obwohl er von ihrer HIV-Infektion wusste. Seine damaligen Äußerung, er habe zur Prävention der Übertragung des Virus nach dem Akt geduscht, erregte großes öffentliches Ärgernis.

Seit einem Jahr ist Zuma nun Präsident des Landes und hat eine wichtige Wende in der AIDS-Politik initiiert. Mehr als fünf Millionen Südafrikaner tragen das HI-Virus in sich, täglich ereignen sich schätzungsweise 1.000 Neuinfektionen. Und auch die Zahl der AIDS-Toten ist besorgniserregend, forderte die Epidemie im Jahr 1997 noch etwa 300.000 Leben so waren es 2004 schon über eine halbe Million.

Die neue Regierungskampagne will die Aufbruchstimmung zur Fußball-Weltmeisterschaft nutzen, um auf das Problem aufmerksam zu machen und vor allem auf die Verwendung von Kondomen hinzuweisen. Sie sucht mit Hilfe von Fußballprofis das um die Krankheit in Südafrika weit verbreitete Stigma zu durchbrechen und plant, Millionen von Kondomen in Stadien, Hotels und Bars zu verteilen. „Die Weltmeisterschaft ist eine gute Gelegenheit,“ sagt UN-Kommunikationschef Kiyo Akasaka, „die Welt wird auf Afrika und die Südafrikaner schauen und ihren Botschaften folgen.“

Beckham und Kondome
Die Regierung Großbritanniens hat Südafrika zur Weltmeisterschaft 1,5 Millionen Dollar für den Erwerb von Kondomen zur Verfügung gestellt. Fußball-Star David Beckham besuchte vor laufender Kamera eine HIV-positive schwangere Frau in einem Krankenhaus in Kapstadt und rief zur Prävention auf. Vor allen Fußball-Stadien sollen mobile Beratungszentren aufgebaut werden, damit sich jeder testen lassen kann. Insgesamt sollen bis 2011 mehr als 15 Millionen Menschen, ein Drittel der Gesamtbevölkerung, ihren Status kennen.

„In allen Krankenhäusern und Kliniken wird die Möglichkeit eines HIV-Testes und der Beratung bestehen,“ so Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi, „darüber hinaus setzen wir auf mobile Kliniken, die in Dörfer und abgelegene Teile des Landes ziehen.“

Zudem sollen alle HIV-Infizierten bis 2011 mit anti-retroviralen Medikamenten versorgt werden. Bislang erhielt nur jeder zehnte Infizierte die lebensrettenden Medikamente. Und auch die Übertragung während der Schwangerschaft soll effizienter bekämpft werden, etwa 240.000 Kinder tragen das Virus, das fortan kein Todesurteil mehr bedeuten soll.

Präsident Zuma versprach, dass die Tests vertraulich seien, mahnte aber eine neue Ära des Umgangs mit der Krankheit an. „Beginnen wir endlich ein neues Zeitalter, in dem Offenheit und Verantwortung herrschen und wir alle gegen die Ausbreitung von HIV vorgehen und die Auswirkungen endlich in den Griff bekommen,“ sagte er.

Football for Hope
Die größte Gewerkschaft des Landes begrüßte die neue Kampagne. „Zuma zieht endlich einen Schlussstrich unter Verleugnung, Distanziertheit und Verharmlosung,“ so NUMSA-Sprecher Castro Ngobese.“ Auch der Direktor des UN-AIDS-Programmes begrüßte die neue Offenheit. „Die frühe Erkennung einer HIV-Infektion kann den Menschen helfen, bessere Weichenstellungen für ihr Leben zu treffen. Zudem kann sich das Gesundheitssystem auf den Umgang mit der Epidemie einstellen,“ sagte Michel Sidibé, „in ganz Südafrika wird ein Dialog über die Krankheit beginnen, zwischen Paaren, Kindern und Eltern, Älteren und Jüngeren.“

Zur Weltmeisterschaft werden etwa 450.000 Gäste aus dem Ausland erwartet. Experten gehen von einem Anstieg der Prostitution aus. „Wo die Nachfrage steigt, steigt auch das Angebot,“ sagt Eric Harper von der Sex Worker Education and Advocacy Taskforce in Kapstadt, „das Großereignis birgt das Potenzial für ein großes Disaster, für Klienten als auch Prostituierte.“

Damit es nicht dazu kommt, steigerte die südafrikanische Regierung die Mittel für Nicht-Regierungsorganisation in diesem Jahr besonders. Harpers Taskforce setzt sich für die gesundheitliche Betreuung der etwa 3.000 Prostituierten in Kapstadt ein, versorgt sie mit Kondomen und klärt sie über ihre Rechte auf.  Etwa die Hälfte trägt das HI-Virus in sich. „Wir rufen alle auf, Sexangebote ohne Kondom abzulehnen und werden eine Hotline einrichten, um Kinderprostitutition und Menschenrechtsverletzungen zu melden“, sagt Harper. Seine Bemühungen, Prostitution für die Zeit der Weltmeisterschaft zu legalisieren, blieben ohne Erfolg. Das Kabinett Zuma erklärte, die Gesetzgebung nicht rechtzeitig ändern zu können, prüft jedoch ein langfristiges Verfahren.

Der Fußball-Weltverband FIFA hat unterdessen die ersten so genannten „Football for Hope“-Zentren in südafrikanischen Armenvierteln eingerichtet, in denen auch über HIV/ AIDS informiert wird. Zwar wäre die Wende in der Regierungspolitik wohl auch ohne das Sportereignis gekommen, so allerdings lassen sich zahlreiche Synergien und Partner finden, um dem Problem in Südafrika endlich zu begegnen.
 

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Ich finde es sehr positiv

Bild von René

Ich finde es sehr positiv das die Fußball WM, wenn die gesamte Welt darauf schaut, zum Anlass genommen wird um eines der oder gar das größte Probelm auf dem Schwarzen Kontinent publik zu machen.
Zum ersten wird sich der Sache mit einer größeren Aufmerksamkeit gewidmet..., was leztendlich auch den betroffenen zugute kommt und zum zweiten besteht auch die Möglichkeit auch weitreichendere Projekte zu starten die auch noch weit bis nach der Weltmeisterschaft noch ihre wirkung haben werden.

Des weiteren alles im allem ein sehr gut geschriebener Artikel der einen tiefen Einblick bietet über eine Thematik die bei uns leider zu selten Beachtung findet und auch nicht so public ist.

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