Manuela Schwesig auf Sommertour Frischer Wind im heißen Deutschland

von Birgit Güll - 16.07.2010
Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass Frank-Walter Steinmeier Manuela Schwesig in sein Team holte. Inzwischen ist die Ministerin für Gesundheit und Soziales von Mecklenburg-Vorpommern stellvertretende SPD-Vorsitzende. Der frische Wind, den die Frau in die Partei brachte, ist auch auf ihrer Sommertour zu spüren.

Manuela Schwesig sitzt im Innenhof des „Familienzentrums“ in Radebeul. Ein paar Bäume spenden ein wenig Schatten an diesem heißen Hochsommertag. Die Mitarbeiter der Initiative stellen kalte Getränke bereit, und bieten Pelmeni an. Die Köchin der Woche – eine freiwillige Helferin, wie die meisten hier – würde sich so freuen, wenn die Gäste probieren würden, versichern sie. Da fällt es schwer abzulehnen. Also lässt Manuela Schwesig es sich schmecken, und hört zu: Welche Hilfsangebote das Haus bietet – von Stillgruppen über Schuldnerberatung bis zum Seniorenzentrum.

Als „Hilfe zur Selbsthilfe“, beschreiben die Mitarbeiter ihre Arbeit. „Wie erreichen Sie die Leute?“, fragt die Ministerin. Denn genau das sei die große Schwierigkeit: Menschen zu erreichen, die sich eingeigelt haben. Das Familienzentrum hat deshalb ein Café eröffnet. Wer hereinspaziert, ist willkommen. Speisen und Getränke sind billig, die Beratung ist nah, wird aber nicht aufgedrängt. Der 36-Jährigen gefällt die Idee. Menschen können einfach kommen, ohne gleich über ihre Probleme sprechen zu müssen. 

Ein gesundes Mittagessen – für jedes Kind

Bald drängt Manuela Schwesig darauf, ins Haus zu gehen, zu den Seminarräumen. Es ist Hochsommer und Mittagszeit, da ist nicht viel los im „Familienzentrum“. Trotzdem will die Ministerin alles sehen, eine Mitarbeiterin führt sie durch das Haus. Bevor Schwesig geht, öffnet sie noch die Küchentür, um sich für das Essen zu bedanken. Wo sie schon da ist, fragt sie die Köchin noch nach dem Rezept – soviel Zeit muss sein, auch wenn der nächste Termin ansteht.

Schließlich ist Essen wichtig. In Mecklenburg-Vorpommern bekommt jetzt jedes Kind ein gesundes Mittagessen in der Kita, egal wie es im Portemonnaie der Eltern aussieht. Darauf ist Manuela Schwesig stolz, eine „Herzensangelegenheit“ sei ihr das. Es ist Teil des Kita-Gesetzes, das die Ministerin auf den Weg gebracht hat. Sieben Millionen Euro kostet die tägliche Kita-Mahlzeit das Land. Das Betreuungsgeld, das die schwarz-gelbe Regierung einführen will, würde den Bund zwei Milliarden kosten. „Mit fatalen Folgen für die frühkindliche Erziehung“, sagt Manuela Schwesig. Die Mutter eines dreijährigen Sohnes ist überzeugt davon, dass Kinder vom Kontakt zu Gleichaltrigen profitieren. Auf der Sommerreise ist ihr Kind nicht dabei. Schwesig schützt ihr Privatleben vor allzu neugierigen Blicken. Außerdem wäre die Reise wohl zu anstrengend.

Migranten erreichen

Aus Radebeul geht es nach Leipzig. Im Souterrain, in dem die „Buchkinder“ ihre Werkstatt haben, ist es bei 37 Grad Außentemperatur angenehm kühl. Schwesig sitzt an einem großen Arbeitstisch in einem hellen Raum voll Papier, Farben, Druckvorrichtungen und Zeichnungen. Vor der Ministerin sind viele bunte Bücher ausgebreitet. Kinder haben sie geschrieben und illustriert. Sie kommen einmal pro Woche in das Backsteingebäude um daran zu arbeiten. Heute ist keines von ihnen da, es sind Schulferien. Doch in einem großen Regal stehen ihre Boxen. Eine für jedes Kind. Darin werden die Entwürfe aufbewahrt. „Kann ich in eine reinschauen?“, fragt Schwesig, als sie das hört. Die Mitarbeiter des Vereins freuen sich über das Interesse, holen gleich zwei und Schwesig steht auf, um sehen zu können, was sich in den Holzboxen verbirgt. 


Channel: Inland  Sozialdemokratie  

Mit Kachingle und Flattr können Sie den Online-Journalismus auf vorwaerts.de unterstützen (wie das funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel).

Das Aktuellste aus der Sozialdemokratie - der vorwaerts-Newsletter

Advertising