Gedenkstele für Otto Wels eingeweiht Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht

von Joris Steg - 16.09.2009
An seinem 70. Todestag wurde eine Gedenkstele zu Ehren des ehemaligen SPD-Vorsitzenden Otto Wels der Öffentlichkeit übergeben. Bei der Einweihung der Gedenktafel in der Nähe seines langjährigen Wohnortes in Berlin-Friedrichshagen würdigten am Mittwoch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder und Kajo Wasserhövel, der SPD-Bundestagskandidat für Treptow-Köpenick, die Verdienste des Sozialdemokraten.

Otto Wels ging in die Geschichte ein, als er am 23. März 1933 in der letzten freien Rede im Reichstag gegen das Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten Stellung bezog. Der damalige SPD-Vorsitzende sagte in seiner historischen Rede: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht. Wir deutschen Sozialdemokraten bekennen uns in dieser geschichtlichen Stunde feierlich zu den Grundsätzen der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Sozialismus“. Dieses Zitat, mit dem Wels die Ablehnung der SPD gegen die nationalsozialistische Diktatur begründete, ist in die Gedenkstele eingraviert.

Klaus Ulbricht, der Kreisvorsitzende der SPD Treptow-Köpenick, verwies darauf, dass die Gedenktafel ganz in der Nähe des früheren Wohnortes von Otto Wels in Berlin aufgestellt sei. Die Stele, die vor der Christophoruskirche in Friedrichshagen steht, soll „kein Ort des stillen Gedenkens, sondern für die Menschen zugänglich“ sein. Die Gedenkstele „möge immer wieder daran erinnern, dass Demokratie kein Geschenk ist, sondern dass wir täglich für sie kämpfen müssen“.

Großer Augenblick der Sozialdemokratie

Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder würdigte die Rede Otto Wels´ als einen „großen Augenblick der Sozialdemokratie und der deutschen Geschichte“. Der frühere SPD-Vorsitzende rief in seiner Rede dazu auf, Intoleranz, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entschieden zu bekämpfen. Diese Auseinandersetzung beträfe den Staat und die gesamte Gesellschaft. Weiterhin sagte Schröder, dass Menschen- und Minderheitenrechte, Meinungs-, Glaubens und Religionsfreiheit stets aufs Neue verteidigt werden müssten. Eine „Kultur des Wegschauens“ dürfe es nicht geben, die Gesellschaft müsse Zivilcourage zeigen, denn „wir wollen alle friedlich, respektvoll und menschlich zusammenleben können“.

Starker Demokrat

Kajo Wasserhövel bewunderte bei Otto Wels besonders „den Mut, zur Demokratie zu stehen und seine Zivilcourage“. Er betonte, dass Demokratien auch immer starke Demokraten bräuchten. Zu diesen zähle Otto Wels zweifellos. Wasserhövel verwies darauf, dass die Demokratie mühsam erstritten worden sei. Sie sei keine Selbstverständlichkeit und müsse verteidigt werden. Die Gedenkstele solle an den mutigen Mann erinnern und zeigen, dass „Nazis eine Minderheit sind“ und ihre menschenverachtende Ideologie in dieser Gesellschaft keinen Platz habe.

Zeichen gegen Rechtsextremismus und für Zivilcourage

Ebenfalls in die Gedenkstele eingraviert ist ein Zitat von Willy Brandt, der am 15. September 1973 eine Rede zu Ehren des 100. Geburtstags von Otto Wels hielt. Dort hieß es: „Wir wollen uns in einer weniger Opfer fordernden Zeit um so mehr bemühen, den Grundwerten der Freiheit, der Gerechtigkeit und der Solidarität gerecht zu werden“.

Für diese Grundwerte stand Otto Wels im Namen der Sozialdemokratie ein, auch als Freiheit und Leben durch die Nationalsozialisten bedroht waren. Mit der Gedenkstele soll an den Widerstand von Wels erinnert und ein Zeichen gegen Rechtsextremismus und für Zivilcourage gesetzt werden.

 

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Channel: Geschichte  
Bundesland: Berlin  
AutorIn: Joris Steg  

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