Studie Frauen schaden Schülern nicht

von Redaktion - 06.03.2010
„Die Frauen sind schuld“, so lautet eine gängige These, die das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Jungen in der Schule erklären soll: Durch den hohen Frauenanteil im Lehrerberuf fehle es nämlich den Jungen für ihren schulischen Erfolg an männlichen Vorbildern, eine Ansicht, die auch Bundesfamilienministerin Kristina Schröder vertritt.

WZB-Forscher Marcel Helbig hat mit Andreas Landmann und Martin Neugebauer von der Universität Mannheim überprüft, ob die vermeintliche Feminisierung der Schule negative Folgen für den Bildungsweg von Jungen hat.

In zwei in Kürze erscheinenden Studien belegen die Wissenschaftler, dass das nicht der Fall ist. Mädchen haben in der Schule die Nase vorn. Das ist so offensichtlich, dass inzwischen die Rede von einer „Krise der Jungen“ ist. In fast allen Mitgliedstaaten der EU und der OECD beginnen beispielsweise mehr junge Frauen als junge Männer ein Hochschulstudium, weil Mädchen in der Schule erfolgreicher sind. Und auch hierzulande sind Mädchen das starke Geschlecht im Schulsystem.

Männliche Lehrer verbessern die Leistung von Jungen nicht

2007 machten zum Beispiel 29,4 Prozent aller Mädchen Abitur an  allgemeinbildenden Schulen, bei den Jungen war es nur 20,6 Prozent. Die  Politik ist inzwischen alarmiert von der Krise der Jungen, und so heißt es im Koalitionsvertrag, es solle eine „eigenständige Jungen- und  Männerpolitik“ entwickelt werden. Tatsächlich scheint auf den ersten Blick ein Zusammenhang zwischen dem Anteil weiblicher Lehrkräfte und dem unterschiedlichen Bildungserfolg von Jungen und Mädchen zu  bestehen. So ist sowohl im Bundesländer-Vergleich als auch im Vergleich  der OECD-Staaten das gleiche Phänomen zu beobachten: Je mehr Frauen in  einem (Bundes-)Land unterrichten, desto erfolgreicher sind Schülerinnen im Vergleich zu Schülern.

Helbig stellte mit Landmann und Neugebauer nun  jedoch unter anderem fest, dass weder Mädchen noch Jungen bei ihren Kompetenzen oder Noten von einem Lehrer des jeweils gleichen Geschlechts entscheidend profitieren. Die Leseleistung von Jungen und Mädchen leidet  sogar, wenn sie vier Jahre lang von einem Mann in Deutsch unterrichtet  wurden. Zwar wurde in den Studien die  Bedeutung des Geschlechts der Lehrkräfte für das kognitive Lernen und die  Notenvergabe beleuchtet, während psychologische Dimensionen – etwa für das  Rollenverhalten der Jungen – nicht einbezogen wurden. Dennoch wird klar,  dass ein pauschaler Ruf nach mehr Männern im Lehrerberuf unbeabsichtigte  Folgen haben kann – die Mädchen wie Jungen in ihrer Kompetenz-Entwicklung  sogar schaden können.

Es zeigt sich aber auch: Die Konzentration auf die vermeintlich negativen Auswirkungen von weiblichen Lehrkräften für die  Bildungschancen von Jungen könnte den Blick auf die eigentliche Botschaft verstellen – dass nämlich Mädchen heute ihre schulischen Potenziale durch  mehr – nicht nur formelle – Gleichberechtigung besser entfalten können.  

 

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Channel: Inland  
Tags: Schule  Jungen  Frauen  Bildung  

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