Interview mit Manuela Schwesig "Frauen müssen mitmischen!"

von Vera Rosigkeit - 10.03.2010

Manuela Schwesig ist Ministerin für Soziales und Gesundheit in Mecklenburg Vorpommern und stellvertretende Vorsitzende der SPD.

„Frauen in Führungspositionen sollten sich auch besonders für die Belange von Frauen stark machen“, fordert die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig. Im Interview mit vorwärts.de spricht sie über die Bedeutung des Internationalen Frauentages und die Ansichten von älteren konservativen Herren.

vorwärts.de: Welche Bedeutung hat für Sie der 8. März?

Manuela Schwesig: Frauen haben viel erreicht und Rechte erkämpft, die wir auch nutzen müssen. Darauf müssen wir hinweisen. Denn trotz gleicher Rechte ist noch lange keine Gleichstellung erreicht. Zum Beispiel ist der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nicht verwirklicht. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern liegt in Deutschland bei 23 Prozent. Wir brauchen mehr weibliche Führungskräfte und mehr Mitspracherecht in der Wirtschaft. Deshalb setze ich mich für eine  Frauenquote von mindestens 40 Prozent in den Aufsichtsräten ein.

 

Werden Sie sich als stellvertretende SPD-Vorsitzende auch für Frauen stark machen?

Ja, klar. Frauen müssen in der Politik mitmischen. Mein Anspruch ist es, dass Frauen, wenn sie Führungspositionen erreicht haben, diese auch nutzen, um sich für Frauen stark zu machen. Das vermisse ich oft bei Frauen, die es geschafft haben, ganz besonders bei unserer Bundeskanzlerin. Und auch bei der jetzigen Sozialministerin und der Frauenministerin. Das sind alles Frauen in Führungspositionen, aber ich erlebe nicht, dass sie sich für die Belange von Frauen einsetzen. Ich möchte konkrete Initiativen unterstützen. Die Frage nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, nach guter Kinderbetreuung ist da nur ein Punkt von vielen. Denn Frauen wollen ja nicht allein über ihr Familienleben und ihre Kinder wahrgenommen werden, sondern auch über ihre anderen Potenziale. Deshalb ist die Lohngleichheit so wichtig und die Frauenquote in der Privatwirtschaft.

 

Wird es eine SPD-Zukunftswerkstatt für Frauen geben?

Nein, wir wollen keine Extrazukunftswerkstatt zum Thema Frauen machen. Wir haben den Anspruch, dass jede Zukunftswerkstatt mindestens ein frauenpolitisches Thema aufrufen muss. Damit machen wir klar, dass es sich um ein Querschnittthemenfeld handelt, egal ob es um Arbeit, Umwelt oder Familie geht. Frauenpolitik muss überall stattfinden.

 

Sie sind in der ehemaligen DDR aufgewachsen. Was ist im Westen anders?

Ich bin damit aufgewachsen, dass beide Eltern arbeiten gehen. Zu DDR-Zeiten war das üblich - auch wenn es offiziell dabei weniger um die Frage der Gleichstellung ging als darum, dass Frauen ihre Arbeitskraft dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen sollten.

Für mich und meinen Mann ist es selbstverständlich, dass wir beide arbeiten und gemeinsam unseren Sohn erziehen und uns die Arbeit im Haushalt teilen. Doch ich erlebe heute auch, dass es nicht für alle selbstverständlich ist, dass Frauen Familie und Beruf miteinander vereinbaren wollen. Frauen werden eher in Schubladen gepackt, egal für welches Lebensmodell sie sich entscheiden. Eine Frau, die keine Kinder haben will und sich beruflich engagiert, ist die „Karrierefrau“.

Eine Frau, die zu Hause bleibt, ist „nur“ Hausfrau. Und eine Frau, die beides versucht, ist die „Rabenmutter“. Die alleinerziehenden Frauen werden oft bemitleidet, dabei wird nicht akzeptiert, dass dies ja vielleicht auch ein Lebensmodell sein könnte, für das sich Frauen entscheiden, weil sie sagen, ich bin „taff“ genug, mein Leben alleine zu gestalten. Ich bin erschrocken, dass über Frauen geurteilt wird, und diese Urteile meistens auch noch von älteren konservativen Herren kommen.

Da geht mir die Hutschnur hoch. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Toleranz gibt, auch mehr Toleranz von Frauen untereinander. Die Union ist in der familienpolitischen Debatte zum Teil erschreckend rückständig und pflegt ein überkommenes Familienbild. Ganz deutlich wird das für mich in der Debatte um das Betreuungsgeld.

 

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Frauen sind mehr wert

Bild von Reinhold Nawratil

Nicht nur am 8.März, am Valentinstag oder Muttertag sollten uns Frauen als lobenswertes Wesen einfallen. Ohne Frauen würde es uns Männer nicht geben.
Es ist nur wenigen vergönnt, Frauen als Vorgesetzte zu erleben. Schauen wir aber intensiver in die Geschichte, so stellen wir fest, daß sie einen großen Einfluß auf den Fortgang unseres Seins genommen haben. Aber die männlichen Schreiber haben sie vielfach als Verbrecherin dargestellt. Die wahren Erlebnisse kommen nur langsam zu tage. Männer werden oft als Opfer dargestellt. Daß die Männer aber die Täter waren, wird verschwiegen.
Nicht nur als Mutter, Erzieherin und Ernährerin stehen die Frauen uns Männer sehr nahe, sie sind auch unsere Geliebte und Gespielinnen. Aber nutzen wir sie nicht aus? Ist das Wort von der "besseren Hälfte" nicht ein hohles Wort? Männer geht in Euch! Frauen gehören nicht 'nur' in die unteren Lohngruppen! Auch gehören sie nicht 'nur' in 'dienende' Berufe. Manch ein Erfinder würde ohne seine Frau ganz 'blöd' dastehen. Also Männer steht endlich zu Euren Schwächen und behindert nicht immer die Frauen!

Wenn Frauen in

Bild von Christian Alexander Tietgen

Wenn Frauen in Führungspositionen sich denn überhaupt mit anderen Frauen identifizieren können...

Über die Dummheit deutscher Unternehmen

Bild von Anonymous

Zum Beispiel ist der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ nicht verwirklicht. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern liegt in Deutschland bei 23 Prozent.

Die alte Mär von der Unterdrückung ...
Wie kann es bitte sein das Unternehmer lieber für 3,50 Euro weniger Stundenlohn nach Tambukdistan gehen um mit dortigen Fachkräften zu arbeiten als Frauen in Deutschland einzustellen, die 23% weniger verdienen. Kann mal bitte einer diesen BWL Heinies rechnen beibringen? AAAABER das Problem ist ja noch viel schlimmer, da hier ja auch noch viele Frauen im öffentlichen Dienst und in der Politik sind, die alle gleich bezahlt werden aber anscheinend mit in diese Statistik einfliessen, muss die Lohnschere ja noch grösser sein, mind. 35 bis 40% so schätze ich ...

Aber was dann eine Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten bringt, wenn diese auch wieder (über) 23 Prozent weniger verdienen (denn gleicher Lohn für gleiche Arbeit) wird wohl nur Frau Schwesig verstehen ...

Die alleinerziehenden Frauen werden oft bemitleidet, dabei wird nicht akzeptiert, dass dies ja vielleicht auch ein Lebensmodell sein könnte, für das sich Frauen entscheiden, weil sie sagen, ich bin „taff“ genug, mein Leben alleine zu gestalten. Ich bin erschrocken, dass über Frauen geurteilt wird, und diese Urteile meistens auch noch von älteren konservativen Herren kommen.

Genau die armen Frauen die dann alle an der Armutsgrenze leben??? Und weil dies Lebensmodell ein Modell für Frauen ist die sich Taff genug fühlen ... kann man natürlich nicht das gemeinsamme Sorgerecht für Kinder von nicht Verheirateten einführen, aber sonst gleich und berechtigt.

Und natürlich darf Frau auch noch Unterhalt beziehen, hat volle steuerliche Vorteile bei annähernd gleichen Kosten wie der Vater der ja automatisch 23% Prozent mehr verdient etc. pp., voll und gleich und berechtigt ...

An dem Tag an dem Sie von wirklicher Gleichberechtigung reden, bin ich bereit ein Jahr lang auf 23% meines Gehaltes zu verzichten.

MfG

Prima Artikel! Sehr gut!

Bild von Cornelia

Prima Artikel! Sehr gut!

Prima Artikel! Sehr gut!

Bild von Erich Riegner

Freut mich, dass Dir der Artikel so efällt, Cornelia. Mir auch. Ob jemand ein guter oder ein schlechter Politiker ist, das lässt sich nicht von seinem Geschlecht ableiten.

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