„Das Wertvollste war, diese Gegensätze zu erleben“, erzählt Tore Süßenguth, der ein Jahr in Bangladesh für soziale Projekte gearbeitet hat. Das Bedürfnis „gegen Ungerechtigkeit anzugehen“ treibt den 26-Jährigen seit dem an. Vieles wird er gefragt an diesem Donnerstag, doch bei all seinen Auskünften zu Projekten im Ausland, Finanzierungsmöglichkeiten und Sprachkenntnissen scheint ihm eines besonders am Herzen zu liegen: Jugendliche dafür zu begeistern, ihren Horizont zu erweitern.
Was haben DGB, Greenpeace und Amnesty gemeinsam?
Tore ist einer von vielen Ansprechpartnern bei der Veranstaltung unter dem Motto „Egal ist nicht! Gesellschaftspolitisches Engagement geht uns alle an – auch Dich!“, zu der Schüler und Vertreter verschiedener gesellschaftspolitischer Organisationen kamen. Eingeladen hatten das Förderprogramm für Jugend und Schule („Demokratisch Handeln“) und die Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin.
Was genau macht eigentlich Greenpeace? Für wen setzt sich Amnesty International ein? Und was unternimmt die DGB-Jugend in Berlin? Im „Worldcafé“ konnten sich die Teilnehmer über verschiedene Möglichkeiten des gesellschaftspolitischen Engagements, von Jugendverbänden der Parteien bis hin zu Sportvereinen, informieren. Ihr Interesse allein schien schon die These von der politikverdrossenen Jugend zu widerlegen. Aber erst in der folgenden „Fishbowl“-Diskussion zeigte sich, welche genauen Vorstellungen die Schüler von freiwilligem Engagement haben.
Asma ist 15 und hat zusammen mit Freundinnen erfolgreich für einen Jugendraum gekämpft: „Es war uns Mädchen sehr wichtig, einen Ort zu haben, wo wir hingehen können.“ Der gemeinsame Einsatz für Dinge, die nicht nur den einzelnen etwas angehen, ist für die Jugendlichen wichtig, auch wenn oft nicht klar ist wie. Eine Schülerin erzählt, dass sie sich meistens von den Medien „erschlagen“ fühlt und nicht weiß, für wen und was sie nun eintreten soll. Oft wollten Jugendliche einfach nur etwas gegen Rechtsextremismus oder für den Umweltschutz tun – aber nicht gleich einer Partei eintreten.
Wolfgang Gründinger, Buchautor und Journalist, stimmt den Schülern zu: „Man braucht keine Organisation, um sich zu engagieren, aber die Politik lebt vor allem auch dank der Parteien.“ Sven Frye, Bundesvorsitzender der Falken, fügt hinzu, dass gesellschaftliches Engagement nicht immer nur der „Schließung einer konkreten Lücke“, etwa einem Missstand in der Schule, diene, sondern einen langfristigen Rückhalt biete.
Engagement ja – aber immer wieder anders
Laut Shell-Jugendstudie 2010 sind 39 Prozent der Jugendlichen in ihrer Freizeit häufig sozial oder gesellschaftlich aktiv. Trotzdem fragen viele: „Was bringt mir das eigentlich?“ „Das macht glücklich“, entgegnet Frye, doch ob sein Idealismus die Jugendlichen überzeugt, bleibt dahingestellt. Spontane und kreative Aktionen wie Flashmobs werden künftig vielleicht eher zum Ausdruck des Protests als Großdemonstrationen. „Spontan und kreativ“ sind so auch die Antworten der Jugendlichen auf die großen Fragen nach dem gesellschaftlichen Ganzen. Aber warum sind uns diese Begriffe bloß so bekannt?
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