Ulrich Magnus Hammer: Fanal Finanzkrise als Fanal

von Joris Steg
Über die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise wurden schon viele Bücher geschrieben, darin Ursachen, Folgen und Lösungsvorschläge genannt. Ulrich Magnus Hammer, ehemaliges Mitglied der Band „Ton-Steine-Scherben“ handelt sie in seinem Roman „Fanal“ allerdings ganz anders ab. Die Finanzkrise ist hier der Auftakt für eine fiktive Entwicklung, die womöglich in einer Katastrophe endet…

Die Krise hat nach Amerika auch Europa erreicht. Milliarden wurden in hochriskanten Finanzgeschäften verbrannt – mit dramatischen Auswirkungen auf das Wirtschaftssystem. Im März 2008 passiert das Unfassbare: Die Nationalbank – das deutsche Symbol für die Finanzwirtschaft – wird erpresst. In einem ominösen Erpresserschreiben fordert die „Gesellschaft zur Rettung der Menschenwürde“ die Wahnsinnssumme von 1 Billion Euro zur Beseitigung des weltweiten Hungers. Die Anklage lautet: „Die Finanzwirtschaft der führenden Industrienationen hat sich schuldig gemacht, mehr als 100 Milliarden Euro wissentlich vernichtet zu haben. Die Verflechtung von Banken,  Börsen, Fonds, Spekulanten und Politik tarnt die Schuldigen.“

Ermittlungen der Eingeweihten

Das BKA wird mit dem Fall betraut. Es heuert seinen ehemaligen Profiler und heutigen Bühnenmagier Markus Romer an. Er soll den Erpresser, der mit einem Anschlag auf die in Frankfurt stehende Nationalbank droht, identifizieren. Der bekannte Illusionist, meint das Expertenteam, könne mit seinen hellseherischen Fähigkeiten diesen Fall, der keineswegs öffentlich werden soll, lösen helfen. Innenminister Möller ist ebenfalls daran interessiert, die Erpressung so schnell wie möglich aufzuklären und stellt ein eigenes Beraterteam zusammen. Die wenigen Eingeweihten beginnen mit den Ermittlungen: Wer steckt hinter der mysteriösen „Gesellschaft zu Rettung der Menschenwürde“? Ist es ein Einzeltäter oder eine Gruppe? Ist es vielleicht ein fallengelassener Investmentbanker, der sich rächen will? Ist es eine linksextremistische Terrorgruppierung wie die RAF? Ist es ein Fall von Wirtschaftskriminalität, in der Konkurrenten der Nationalbank diese schwächen und dann übernehmen wollen? Doch sie tappen im Dunkeln, denn der Erpresser scheint alles perfekt geplant zu haben und immer einen Schritt voraus zu sein. Selbst Romer kann den ihn vorerst nicht identifizieren. Alles scheint unaufhaltsam auf eine Katastrophe hinauszulaufen…

Erpressung in neun Akten

Ulrich Magnus Hammer betrachtet die Finanzkrise in seinem Roman als Fanal. Fanal –italienisch: fanale – bedeutet Leuchte, Fackel oder Leuchtfeuer. Zugleich wird darunter auch ein bedeutsames, symbolträchtiges Ereignis verstanden, das eine folgenschwere Veränderung mit sich bringt. Genau so ein Ereignis ist die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise für Hammer. Dabei zieht er Parallelen zur realen Welt, so wird zum Beispiel aus Lehmann Brothers die Firma Gouldsteen Brothers. In neun Akten beschreibt der Autor den Fortgang von Finanzkrise und Erpressung: informativ und kenntnisreich!

Channel: Wirtschaft  Rezensionen  
AutorIn: Joris Steg  

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