Interview zur Kopfpauschale "Es werden die belastet, die weniger verdienen."

Ein einheitlicher Kassenbeitrag für alle Versicherten, so stellt sich Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die Kopfpauschale, neuerdings Gesundheitsprämie genannt, vor. Wer wenig Geld hat, soll über einen Sozialausgleich unterstützt werden. Das würde 20 bis 35 Milliarden Euro kosten. Jährlich. Warum die Prämie ungerecht ist, erklärt die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher.

vorwärts.de: Frau Mascher, Gesundheitsminister Philipp Rösler nennt die Gesundheitsprämie "wesentlich gerechter" als das jetzige System. Teilen Sie diese Auffassung?

Mascher: Über diese Auffassung kann ich mich nur wundern. Die Kopfpauschale sieht vor, dass der Anteil der Arbeitgeber eingefroren wird. Das ist völlig unakzeptabel, denn es bedeutet, dass alle Kostensteigerungen auf die Versicherten abgewälzt werden. Das kann ich nicht für gerecht halten.

Vor allem, wenn man sieht, dass viele Gesundheitsbeeinträchtigungen auch aus der Erwerbstätigkeit resultieren. Ohne dass ich jetzt alle Arbeitgeber über einen Kamm scheren will,  sehe ich aber doch die Gefahr, dass einige weniger in Prävention am Arbeitsplatz investieren werden, wenn sie selbst nicht mehr so stark an den Kosten beteiligt werden, die durch Krankheit entstehen.

Sie kritisieren außerdem, dass beim Kopfpauschalensystem der Oberarzt den gleichen Beitrag zahlen muss wie der Krankenpfleger und die Putzfrau.

Faktisch werden so diejenigen höher belastet, die weniger verdienen.

Die Rede ist von rund 150 Euro monatlich.

Ich gehe aber davon aus, dass diese Summe keinesfalls ausreichen wird, um das heutige Leistungsspektrum abzudecken.

Philipp Rösler plant einen Sozialausgleich aus Steuereinnahmen für Niedrigverdiener.

Das ist wohl der Versuch, dem ganzen die soziale Schleife umzubinden. Es gibt ernstzunehmende Berechnungen, die von einem zweistelligen Milliardenbetrag ausgehen, der jährlich aufzubringen wäre. Wo soll dieses Geld denn herkommen?

Heißt das, Sie fürchten, dass es nicht zu dem Sozialausgleich kommen wird?

Ich fürchte, dass er unzureichend ausfallen wird. Und dass er bei jeder Haushaltsdebatte erneut auf dem Prüfstand stehen wird. Damit würde es von der krisenhaften Entwicklung des Haushalts abhängen, ob Niedrigverdiener und Rentner in Zukunft noch ihre Gesundheitsprämie zahlen können.

Spüren Sie schon eine Verunsicherung der Versicherten?

Natürlich beunruhigt die Debatte die Menschen. Wohlhabende können sich eine gute medizinische Versorgung im Zweifel dazu kaufen. Für alle anderen sind solche Konzepte bedrohlich.

 

 

 

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