Die Berliner Modewoche vom 19. Januar 2010 bis zum 23. Januar 2010 war von einer politischen Diskussion über den richtigen Umgang mit Denkmälern überschattet. Der Umstand, daß der Bebelplatz zwischen der Staatsoper Unter den Linden und dem Gebäude der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (“Kommode”) als Teil des Forum Fridericianum das Zelt beherbergte, in dem die meisten Modenschauen der Veranstaltungsreihe “Mercedes-Benz FASHIONWEEK BERLIN autumn/winter 2010” gezeigt wurden, rief eine Bürgerinitiative auf den Plan, die sich aus grundsätzlichen Erwägungen gegen eine “Kommerzialisierung” des Ortes wandte.
Dabei ging es weniger um das historisch bedeutsame städtebauliche Ensemble, sondern mehr um das unter einer Glasplatte in der Mitte des Platzes befindliche und aus leeren Bücherregalen bestehende Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung am 10. Mai 1933. In der Modewoche war das Denkmal derart in das Veranstaltungszelt einbezogen, daß es in einen besonderen Raum integriert und durch einen separaten Eingang für Besuchergruppen frei zugänglich war. Für das besinnliche Verweilen standen - anders als sonst - Stühle und Wärme bereit. Die schwarzen Wände des Zeltes ließen das erleuchtete Denkmal um so wirkungsvoller erscheinen.
Die Bürgerinitiative meinte nun, diese Behandlung des Denkmales sei seiner Bedeutung nicht angemessen. Auf der Tafel eines Demonstranten war zu lesen: “Bücherverbrennung 1933 Modeparty 2010”. Von den nach ihren Eindrücken befragten, vorwiegend ausländischen Besuchergruppen war indes eine Kritik, daß die Wirkung des Denkmales beeinträchtigt sein könne, nicht zu vernehmen. Vielmehr waren die Besucher vom Geschehen rund um die Modenschauen gleichermaßen beeindruckt.
Der Druck unmittelbar auf den Berliner Senat und mittelbar auf die IMG GmbH als Veranstalterin nahm zu, weil sich das Abgeordnetenhaus mit einer Petition gegen die Nutzung des Bebelplatzes, die von mehr als 500 Künstlern und Historikern ausging, zu beschäftigen hatte. Dennoch verlief die Diskussion sehr oberflächlich. Wenn das Modegeschehen als “Kommerz”, “Halligalli” oder “Party” bezeichnet wurde, machte dies einmal mehr deutlich, welchen Stellenwert die Mode beziehungsweise Bekleidung hierzulande überhaupt einnimmt.
Bildergalerie: Berliner Modewoche 2010
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