Immer wieder meldeten Verhandlungsteilnehmer bedenken an und versuchten für die eigenen Staaten günstigere Ergebnisse durchzusetzen. So kam es, wie es in den letzten beiden Verhandlungstagen bereits von vielen Teilenehmern befürchtet wurde. Die übermüdeten Konferenzteilenehmer konnten sich lediglich auf den Minimalkonsens einigen, dass die Klimaerwärmung die Zwei-Grad-Marke nicht überschreiten darf.
Zähe Verhandlungen
Im Lauf des kommenden Jahres muss nun über ein verbindlicheres Dokument abgestimmt werden, das das 2012 endende Kyoto-Protokoll ablösen wird. Erhofft wurde von europäischer Seite eine Erklärung, die sowohl die CO2-Reduzierung verbindlich regelt als auch Zahlungen der Industrie- an Entwicklungsländer für Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel. Mindestens 80 Prozent ihrer Klimagase müssen die Industrieländer laut Klimaexperten bis 2050 einsparen, um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten. Bei den Finanzhilfen geht es um 100 Milliarden Euro jährlich ab 2020 sowie kurzfristig Hilfen in zweistelliger Milliarden-Höhe.
Dem dramatischen Ende in Kopenhagen waren zähe Verhandlungen voraus gegangen: Bundesumweltminister Norbert Röttgen berichtete von einer Konferenz in der Nacht zu Freitag, in der zu weiche Vorgaben unter anderem von deutscher Seite zu Fall gebracht wurde. Anschließend erarbeitete eine Gruppe von 25 Regierungsvertretern einen neuen Text, laut Röttgen eine „substanzielle Verbesserung“ gegenüber dem alten Entwurf. Freitagmittag war das Textstück ausformuliert – am Nachmittag war es bereits Geschichte. Das Papier wurde abgelehnt.
China als Blockierer
Wie in einer Seifenoper erlebten die Delegierten beteiligten Nationen gute und schlechte Zeiten in immer schnellerem Wechsel, je mehr die Konferenz auf ihr Ende zulief. Für Presse und NGOs beschränkte sich die Klimakonferenz derweil auf schlechte Zeiten. Während Vertretern von Umweltschutzorganisationen der Zugang zum Kopenhagener Bella Center in den letzten Tagen fast komplett versperrt blieb, eilten Journalisten vergebens zu angekündigten Pressekonferenzen, die ein ums andere Mal verschoben wurden.
Blickt man auf die komplette Verhandlungszeit zurück, tat sich vor allem China als Blockierer hervor. Die Volksrepublik ist nicht nur größter Luftverschmutzer der Welt, sondern gehört auch zu den stärksten Wirtschaftsmächten. Gleichwohl pochte Regierungschef Wen Jiabao auf den Status als Entwicklungsland – um den einschneidenden Reduktionsvorgaben der Industrieländer zu entgehen.
Vor allem aber lehnt die chinesische Regierung es ab, dass die Umsetzung der angekündigten Reduktionen kontrolliert wird.
Obama kann nicht helfen
Präsident Obama reiste am Freitag, dem letzten offizillen Verhandlungstag, an. Am Tag zuvor hatte sich das Gerücht verbreitet, er habe seine Teilnahme abgesagt – wegen mangelnder Erfolgsaussichten. Auf ihn fokussierten sich die größten Erwartungen der Konferenzteilnehmer zu einem Zeitpunkt, als kaum noch jemand an einen befriedigenden Ausgang der Verhandlungen glaubte. Vor den Bildschirmen, die die Verhandlungen im grossen Saal widergaben, versammelten sich Filmteams aus aller Welt.
Die Konferenz hielt den Atem an. Doch bei den Klimagas-Reduktionen konnte er nur das bekannte, magere Ziel von 17 Prozent Reduktion gegenüber 2005 präsentieren. Und selbst das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Denn: Ein entsprechendes Klimagesetz muss noch den Senat passieren. Neu war immerhin eine Zusage, sich an den finanziellen Hilfen für Entwicklungsländer zu beteiligen.
Genützt hat auch dieses Zugeständnis nichts. In Kopenhagen konnten sich die Teilnehmer nicht einig werden. Die Entscheidung ist vertagt. Der Klimawandel wartet jedoch nicht auf eine Einigung.
Nicole Weinhold ist stellvertretende Chefredakteurin der neue energie (www.neueenergie.net). Lesen Sie im Januarheft der neue energie eine ausführlich Analyse der Klimakonferenz in Kopenhagen.
Verlinken Sie auf diesen Beitrag:
- Kommentieren
- 1293 Aufrufe
Druckversion
Artikel verschicken



Auf beta.vorwaerts.de können Sie sich schon mal die neue Seite von vorwaerts.de anschauen.