„Das Buch führt uns ein in den Zusammenhang zwischen der Art wie wir Erziehung und Bildung verstehen, und der Art wie wir die Gesellschaft und Politik im allgemeinen verstehen“, so Gesine Schwan. Dabei rehabilitiere es den Begriff des Menschenbildes. „Die Frage, ob ich andere Menschen als Freunde oder Feinde begreife, ist eine fundamentale.“ Wer selbst Angst vor anderen habe, versuche auch seine Kinder so zu erziehen, dass sie sich gegen die Feinde durchsetzen. Es besteht also ein enger Zusammenhang zwischen der Erziehung und dem generellen Menschenbild.
Für die Historikerin Miriam Gebhardt gibt es keine allgemein gültigen Regeln für die Erziehung, entscheidend sei das Menschenbild. Die Erziehung, die ein harmonisches Bild von der Welt zeichnet, könne letztlich die Gesellschaft voranbringen. Nur so sei die Mitgestaltung des Einzelnen an der Gesellschaft möglich. Derzeit finde so etwas wie ein Roll-Back in der Erziehungsberatung statt. „Man bekommt erzählt, dass Erziehung nach 1968 schwieriger geworden ist und nur noch „Weicheier“ aufgezogen wurden. Diesem Mythos wollte ich etwas entgegensetzen.“ Der große Verdienst der 68er Generation sei die Einführung der Selbstzweifel und der Selbstreflexion der Erziehenden. Vor 68 hätten Eltern zu sehr versucht, den Normen der Gesellschaft zu entsprechen. Erst das Nachdenken und die in Frage Stellung der eigenen Erziehung habe neue Optionen für die Erziehung der Kinder ermöglicht.
Für Gesine Schwan geht es dabei um den „Kulturkampf um die Folgen von 68“. „Die anti-autoritäre Haltung der 68er war ja keine kindliche Abneigung gegen jegliche Art von Autorität, sondern das Hinterfragen von diesen Autoritäten“, so Schwan. Bei der Kindererziehung gehe es darum, einen gesunden Mittelweg zwischen autoritärer und grenzenloser Erziehung zu finden. Denn jeder, der Kinder habe, wisse: „Kinder können manipulieren.“
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“Entscheidend ist das Menschenbild”
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