Junge Modeschöpfer erobern die Berliner Modewoche Eine Chance für den Nachwuchs

Die Vergabe von Preisen ist ein probates Mittel, um den Nachwuchs unter den Modeschöpfern zu fördern. Auf vielen Veranstaltungen der Berliner Modewoche machten junge Modeschöpfer auf sich aufmerksam.

Nachdem die Berliner Modewoche mit der Absolventenmodenschau der Modeschule „ESMOD“ am 6. Juli 2010 begonnen hatte, zog die MEDIADESIGN HOCHSCHULE FÜR DESIGN UND INFORMATIK GMBH mit ihrer Modenschau „MD.H CATWALK 2010“am 8. Juli 2010 im Club „WMF“ nach. Die Modenschauen der Hochschulen und Modeschulen waren auch denjenigen zugänglich, die nicht zum Fachpublikum oder zur Presse gehörten. Noch am gleichen Tage eröffneten die Modeschöpfer Marlene Scheffel und Iskander Porodjuk mit der aktuellen Kollektion „parfum du soleil“ ihrer Marke „LUXXUS FASHION“ die Modenschau „RAMAZZOTTI Runway AWARD“ im Modezentrum „Labels 2“, da sie aus der gleichnamigen Veranstaltung in der letzten Berliner Modewoche als Sieger hervorgegangen waren. Danach warben sechs „aufstrebende Stars am Modehimmel“ um die Gunst der Jury, deren Vorsitzende die Fernsehmoderatorin und Schauspielerin Caroline Beil war. Zur Freude der Anwesenden ging der Preis diesmal an Juliane Werdin aus Berlin.

Am 9. Juli 2010 suchte der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit das Veranstaltungszelt neben der Staatsoper Unter den Linden auf, um sich die Modenschau „DESIGNER for TOMORROW“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Mercedes-Benz FASHIONWEEK BERLIN spring/summer 2011“ anzuschauen. Dort zeigten acht von der Peek&Cloppenburg KG Düsseldorf ausgewählte Modeschöpfer ihre Kollektion. Die Jury kürte den in Berlin arbeitenden Parsival Cserer mit seiner Kollektion „Good morning Miss Obama“ zum Sieger. Doch blieb der Kunstgenuß nicht auf das Fachpublikum beschränkt. Alle Interessierten konnten die Modenschau „online“ mitverfolgen und durch eine „Online“-Wahl ihren eigenen Kandidaten auszeichnen; es traf die Berlinerin Cora Isabel David mit ihrer Kollektion „For safety reasons“. Nebenbei war eines erstaunlich: beide Sieger studierten an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee.

Nachher stand eine weitere Preisvergabe auf der Modenschau „Start your Fashion Business“ im Club „WMF“ an. Zu dieser neuen Initiative der Standortförderung des Landes Berlin unter dem Motto „projektzukunft“ hieß es: „Berlin hat aufgrund seiner Dichte an Modeschulen ein enormes Potential an Designnachwuchs und Talenten. Die Qualität der Kollektionen der Absolventen/Absolventinnen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen … Mit den Auszeichnungen und Preisgeld wollen wir drei talentierten und in Berlin ansässigen Modedesignern/-designerinnen den Start in die Selbständigkeit … erleichtern und dazu beitragen, dass wir Talente in Berlin halten und die Infrastruktur am Standort verdichten.“ Sechs Finalisten, die aus über einhundert Bewerben ausgewählt worden waren, zeigten ihre Kollektion. Den ersten Platz wies die Jury dem in Berlin arbeitenden Michael Sontag zu, dessen vorletzte Kollektion schon von der international bekannten Modekritikerin Suzy Menkes in der Zeitung „INTERNATIONAL Herald Tribune” gelobt worden war. Den zweiten Platz belegten Johanna Perret und Tutia Schaad mit ihrer Marke „PERRET SCHAAD“. Den dritten Platz erreichte Vladimir Karaleev. Sie durften sich auf ein Preisgeld in Höhe von 10.000,00 EUR bis 25.000,00 EUR wie auch Sachleistungen, beispielsweise Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit sowie Teilnahme bei Messen und renommierten Modenschauen, freuen. Weitere zehn Kandidaten werden die Gelegenheit erhalten, an unentgeltlichen „Workshops“ zur Unternehmensgründung, zu Rechtsfragen und zur Öffentlichkeitsarbeit teilzunehmen. Bei allen Fördermaßnahmen war von der einstmals vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien Bernd Neumann angekündigten Beteiligung an der Förderung des Modestandortes Berlin nichts zu sehen. Indessen machte angesichts der vielen Berliner Sieger bei Hintergrundgesprächen das Wort „Berlin Connection“ die Runde.

Darauf folgte die Modenschau der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Der große Konferenzsaal des Hauses der Kulturen der Welt war die Bühne, wo die Absolventen mit ihren eigenwilligen Kreationen hervorstachen. Daneben war den Kollektionen der Studenten des Grund- und Hauptstudiums anzusehen, welches kreative Potential dort bereits in den Startlöchern steckt. Beispielsweise wurde das Thema „Uniform“ in eine Stellungnahme gegen jeglichen Krieg umgesetzt, indem den Kleidungsstücken – grauer Flanell herrschte vor – durch Übertreibungen in die Längs- und Querrichtung die militärische Strenge auf ironische Weise genommen wurde; sie ließen vielmehr an futuristische Bühnendekorationen denken. Beim Thema „Großtante Gabi“ war ebenso eine Übertreibung sichtbar. So war die aktuelle einseitige, asymmetrische Trägermode an Kleidern durch eine nochmalige Überdrehung verstärkt; es fehlte sogar ein halbes Schulterteil, wobei der Kragen noch ganz konventionell um den Hals gelegt war. Beim Thema „Gegenspieler“ waren Drei- und Vierecke bunt in knalligen Farben kombiniert. Die Geometrie wurde weitergeführt in der Choreographie, bei der die Modelle von links und rechts aufeinander zuliefen, um sich in der Mitte des Laufsteges zu treffen und dann ihren Weg zum jeweils anderen Ende fortzusetzen. Das Thema „Freie Formfindung“ hatte zu einer Beschäftigung mit Antagonismen in der Mode geführt. So wurden Gestricktes und Gehäkeltes, Eleganz und Praktikabilität, Sommer und Winter, Folklore und Phantasie, „hohe Hacke“ und Barfüßigkeit gegenübergestellt. Übrigens war auch hier Parsival Cserer mit seiner aktuellen Kollektion vertreten.

Der Tag endete mit der Modenschau der Universität der Künste Berlin, die ebenfalls den Laufsteg im Club „WMF“ nutzte, um ihren Absolventen und Studenten eine Spielwiese zum kreativen Austoben zu geben. Besonders fiel der Kopfputz in Gestalt eines Schwanes, Hahnenkammes oder riesigen Hammers auf. Eine unangenehme Begleiterscheinung war die Folge der hohen Außentemperaturen. Dem Betongebäude fehlte eine Klimaanlage, weshalb die Räumlichkeiten äußerst schnell die Hitze eines Treibhauses annahmen. Hier mußten sich die Zuschauer, Journalisten und Photographen einer harten Prüfung unterziehen; ihnen lief der Schweiß regelrecht am Körper herunter. Dies tat der Begeisterung über die Kunstwerke jedoch keinen Abbruch. Womöglich brauchen die jungen Pflanzen in der Modewelt die Hitze, um prächtig zu gedeihen.

Am 10. Juli 2010 beendete die Modenschau der Marke „30 paar haende“ den Veranstaltungsreigen. Bei dieser Marke handelt es sich um ein interdisziplinäres Studienprojekt an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin; Studenten aus den Fachgebieten Gestaltung, Technik und Wirtschaft haben die Möglichkeit in Form eines Übungsunternehmens, eine Kollektion von der Idee bis zur Vermarktung zu begleiten. Unter der Leitung des Hochschullehrers Prof. Uwe Janssen war wieder eine an praktischen Bedürfnissen ausgerichtete, tragbare Kollektion in dezenten Farben entworfen worden.

 

 

Medien

Verlinken Sie auf diesen Beitrag:

http://www.vorwaerts.de/trackback/10940

Channel: Kultur  

Mit Kachingle und Flattr können Sie den Online-Journalismus auf vorwaerts.de unterstützen (wie das funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel).

Das Aktuellste aus der Sozialdemokratie - der vorwaerts-Newsletter

Advertising