Wieso streiten Generationen um so etwas Harmloses wie ein Spa? Steckt da nicht viel mehr dahinter? Kenntnisreich und so manches Mal durchaus überspitzt entführt Michal Zamir in die Welt der Alten und die der Jungen. Sie spielt mit Klischees und nutzt zudem den Hintergrund ihrer Biographie – sie wuchs in einer Wohnsiedlung als Tochter eines berühmten Geheimdienstmitglieds des Mossad, Tür an Tür mit Ariel Scharon und Yitzhak Rabin auf.
Ringen der Generationen
Früher schien das Leben noch etwas wert zu sein. Man kämpfte um das Land Israel und wusste um seinen Platz. Das jedenfalls denken die Alteingesessenen der Siedlung Newe Chanit. Heute scheint alles schlecht. Die jungen Leute haben kein Gewissen mehr.
Gabi Chayek, Held der Geschichte und Immobilienmakler, versucht – notfalls auch mit unlauteren Mitteln – sich die Wohnsiedlung unter den Nagel zu reißen. Die Grundstücke verscherbelt er an reiche übersättigte Männer mit jungen Frauen – natürlich mit Blick auf seine eigene finanzielle Zukunft. So nimmt er sogar den Selbstmord eines alten Ehepaares in Kauf, um dessen Grundstück veräußern zu können. Er ist ein Macho, ein geldgieriger Mann. Aus unteren Verhältnissen kommend hat er sich an die Spitze dieser Gesellschaft gebracht. Seine Schwäche sind Frauen, ungeachtet dessen, dass er verheiratet ist und Kinder hat. Seine Frau weiß von den Affären, doch eine gute Ehefrau hält sich zurück. So kann er es sich leisten, sich zu verlieben. Ausgerechnet in die Frau, der er vor ewiger Zeit die Unschuld raubte. Die wiederum lässt sich auf die Affäre ein, um finanzielle Unabhängigkeit für sich und ihren Sohn zu erlangen. Alles dreht sich nur um Geld und Macht.
Den Alteingesessenen, immerhin alle um die 80 Jahre alt, wird ein Leben vorgeführt, mit dem sie nichts anfangen können. Das Spa allerdings kann nur mit Zustimmung der Ratsgemeinde der Wohnsiedlung gebaut werden kann. Und da wiederum haben die Alten die Fäden in der Hand, denn über die Hälfte der Mitglieder sind über 80, allesamt verdiente Veteranen dieses und jenes Israel-Konfliktes. Um Gabi Chayek und seine Geliebte Hilali spinnt die Autorin die Geschichte vom Kampf der Generationen.
Kampf der Geschlechter?
Während Zamirs männliche Protagonisten sehr potent und reich an Erfahrungen und Wissen daher kommen, sind die Frauen entweder müde Hausfrauen mit Kochrezepten und Babys im Kopf oder dümmliche Models, die sich einen reichen Kerl geangelt haben und von einer Cocktailparty zur nächsten schweben. Das Buch lebt von überspitzen Szenen und Situationen. Es bedient jede Menge Klischees.
Zamir beschreibt eine zerklüftete Gesellschaft, ein noch junges Land Israel auf der Suche nach einer gewissen Normalität. Die großen Kämpfe sind vorbei, Wehrdienst- und Politikverdruss gebären eine liberalere Generation. Die alten Militärs und Gestalter des Landes werden abgelöst. Was bleibt, ist eine Gesellschaft zwischen sozialer Gemeinschaft und knallhartem Kapitalismus. „Die Siedlung“ liest sich wie ein kleiner Roadmovie, allerdings mit dem Gefühl, dass die Autorin polarisiert.
Doreen Tiepke
Michal Zamir: Die Siedlung, Atrium Verlag, Zürich 2009, 220 Seiten, 19,90 Euro
ISBN 3-85535-825-7



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Ah ja.
die hühner
Felix Krebs