„Du wirst das Feindesland besuchen?“, so lautete die Frage eines Freundes, als Najem Wali von seinem Vorhaben berichtete, nach Israel zu fahren. Ein solcher Besuch ist für einen Moslem keine Selbstverständlichkeit. In den meisten arabischen Staaten gilt Israel seit der Gründung 1948 als Feind „Nummer eins“. Damit ist das Buch des Exilirakers, der heute in Berlin lebt, für viele Menschen in der arabischen Welt ein Skandal und ein Akt des Verrats.
Der 1956 im irakischen Basra geborene Autor wagte es dennoch, in das unbekannte Land zu reisen. Entstanden ist ein eindrucksvoller Reisebericht, der ein Novum und zugleich ein Tabubruch in der Geschichte der arabischen Literatur ist.
Verbindungen suchen
Gewidmet hat der Autor sein Buch seinem ehemaligen jüdischen Kinderarzt Dawud Gabbay. Anfand der sechziger Jahre hatte er Najem Wali nach einer Vergiftung das Leben gerettet. Zu dieser Zeit war der Arzt hoch angesehen bei den muslimischen Nachbarn. Die religiösen Unterschiede spielten keine Rolle.
Auf seiner Reise durch Israel findet Najem Wali viel Verbindendes: Angefangen von der Ablehnung des Schweinefleischs bis zu religiösen Gemeinsamkeiten und der Hoffnung auf Frieden auf beiden Seiten.
Najem Wali besuchte auf seiner Rundreise historische Ausgrabungsstätten, einen Kibbuz, Jerusalem und Tel Aviv. Dabei begegneten ihm irakischen Juden, hochrangige Politiker und ganz einfache Menschen. Sie erzählten von ihrem Leben. Anhand ihrer Geschichten zeichnet der Autor die einzelnen Etappen des Nahost-Konflikts nach. Kritisch hinterfragt er das Verhältnis seiner Heimat zu Israel und die Verantwortlichkeiten.
Brücke bauen
„Reise in das Herz des Feindes“ möchte eine Brücke bauen. Es wendet sich gegen Feindbilder und Klischees. Der Leser kann dem Autor leicht auf seiner Reise folgen. Er spürt dessen Ängste, Überraschungen, teilt Erkenntnisse und Erfahrungen. Najem Wali vermittelt in seinem Buch die Angst der Israelis genauso wie die Verbundenheit irakischer Juden mit ihrer Heimat.
Haifa ist für Najem Wali eine beispiellos demokratische Stadt: Hier werden die Rechte der arabischen Minderheit garantiert. Juden und Araber leben miteinander. Jüdische, muslimische und christliche Jugendliche sind im Straßenbild nicht voneinander zu unterscheiden. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Lebensstandard und die Freiheitsrechte in dieser Stadt am größten seien.
„Reise in das Herz des Feindes“ ist ein äußerst engagiertes, informatives und kritisches Buch. Najem Wali wertet die von Generationen geprägte Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Juden und Arabern sehr hoch. Dieser Band ist ein einmaliges Plädoyer für Frieden und Demokratie. Empfehlenswert!




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Ah ja.
die hühner
Felix Krebs