Der 20. Januar 2009 ist schon jetzt wichtiger Teil der amerikanischen Geschichte. An diesem Tag wurde mit Barack Obama der 44. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt – und der erste mit einer schwarzen Hautfarbe. Wohl kein Präsident zuvor ist mit mehr Vorschusslorbeeren in sein Amt gestartet. Selten haben sich mehr Hoffnungen auf ein Staatsoberhaupt gerichtet.
Eine Gesundheitsreform, eine Ölkatastrophe und ein Klimagesetz später hat sich die Stimmung dagegen dramatisch verändert. Obama ist in der Gunst der Wähler drastisch gesunken. Die konservative „Tea-Party“-Bewegung organisiert den Protest gegen den Präsidenten. Andere verlangen Einsicht in seine Geburtsurkunde, weil sie anzweifeln, dass er überhaupt in den USA geboren wurde, also damit gar nicht die Voraussetzung erfüllt, amerikanisches Staatsoberhaupt zu sein.
Obama der Versöhner
Wie konnte es so weit kommen, dass sich die Stimmung jenseits des großen Teichs innerhalb nur eines Jahres derart ins Gegenteil verändern konnte? Der Journalist Rudolf von Waldenfels meint eine Antwort zu kennen. In seinem Buch „Der schwarze Messias“ beleuchtet er Obamas Werdegang und stellt ihn der amerikanischen Gesellschaft und ihren Überzeugungen gegenüber.
Von Waldenfels charakterisiert Barack Obama als Versöhner, der die zwei Amerikas – das der Schwarzen und das der Weißen – einen möchte. Der Präsident führe „den rassistischen Gegensatz des Landes in seiner eigenen Person zusammen“ und biete „sich dann selber als den fleischgewordenen Beweis dafür an, dass die Versöhnung dieses Gegensatzes, ‚die Vervollkommnung des Bundes’, möglich“ sei. So jedenfalls interpretiert von Waldenfels Obamas Wahlkampfreden, die im Ausruf „Yes, we can!“ kumulierten.
Die Mystifizierung der Macht
Aus Sicht des Autors hatte Obamas Auftreten „etwas von Täuschung, von Hinterslichtführen an sich oder freundlich gesagt: von Schauspielerei“. Folgt man von Waldenfels’ Argumentation, ist es diese Show, die Obama zwar den Weg ins Amt geebnet hat, ihm allerdings nun, da es darauf ankommt, Versprechen umzusetzen, zum Verhängnis wird. Jetzt zeige sich, dass er auch nur „ein ganz gewöhnlicher Politiker“ sei.
„Wer aber nun mit ausgestrecktem Zeigefinger anklägerisch auf Obama zeigt, muss sich bewusst sein, dass drei Finger auf sie oder ihn zurück zeigen; denn wir selbst sind es, die diesen Budenzauber von unseren Politiker einfordern“, gibt von Waldenfels jedoch zu bedenken und fragt: „Aber woher stammt überhaupt unser Wunsch nach der Mystifizierung der Macht?“ Leider ist da das Buch fast zu Ende und der Autor bleibt eine Antwort auf diese so entscheidende Frage schuldig.
Insgesamt ist Rudolf von Waldenfels ein ordentliches Buch gelungen, das versucht, den Mythos Obama zu entschlüsseln. Phasenweise gelingt ihm das, doch allzu oft verliert sich der Autor in unwichtigen Details, die er bis zur Unkenntlichkeit auswalzt. Welche Gefahren der „politische Messianismus“ Obamas birgt, erklärt er leider nicht – obwohl es der Klappentext verspricht. Ein großes Plus ist allerdings von Waldenfels’ emsige Quellenarbeit, die sich in einem zwölfseitigen Anhang niederschlägt. Verfasser weiterer Obama-Bücher werden es ihm danken.
Rudolf von Waldenfels: Der schwarze Messias. Barack Obama und die gefährliche Sehnsucht nach politischer Erlösung, Gütersloher Verlagshaus 2010, 17,95 Euro, ISBN 978-3579068695



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Ah ja.
die hühner
Felix Krebs