Rezension, Marita Krauss: „Hope" Ein Frauenleben: Trotz alledem

Volk Verlag
von André Weikard
Frauen dürfen um 1900 nicht wählen, nicht studieren, nicht einmal ohne die Erlaubnis ihrer Männer arbeiten. Hope Bridges Adams Lehmann macht das alles trotzdem. Die Ärztin und Sozialistin glaubt an eine bessere Zukunft und wirkt daran mit, dass sie bald Realität wird. Marita Krauss hat die außergewöhnliche Frau porträtiert.

Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts Frauen begannen, sich immer vehementer für ihre Rechte einzusetzen, hielten die Männer mit pseudowissenschaftlicher Argumentation dagegen. Sie wogen und befanden das Gewicht der Frauenhirne für zu leicht. Der Arzt Paul Möbius attestiert gar einen „physiologischer Schwachsinn des Weibes“. In dieser Zeit wollte Hope Bridges Adams Lehmann nicht nur studieren, sondern gar Ärztin werden. Und es gelang ihr. Sie besuchte die Seminare ohne Immatrikulation und erbat sich bei den Professoren, die Prüfungen ablegen zu dürfen, die dann freilich nicht anerkannt wurden. Erst 1904 durfte sie nach wiederholten Eingaben den Titel führen, für den sie 1880 ihre Eignung unter Beweis gestellt hatte: Die Ärztin wurde zur Frau Doktor.

Kampf gegen das Korsett

Zu diesem Zeitpunkt führte sie schon lange eine Gemeinschaftspraxis mit ihrem Ehemann. Sie verfasste „Das Frauenbuch“, einen Ratgeber, der über Verhütung und die Übertragung von Geschlechtskrankheiten aufklärte und sich 40000 Mal verkaufte. Sie kämpfte gegen das Korsett, das eine „empfindliche Beeinträchtigung der Körpergestalt“ hervorrufe, Organe abschnüre und die Rippen eindrücke. Sie nahm aber auch Schwangerschaftsabbrüche vor, womit sie sich starker Kritik aussetzte und zwischenzeitlich sogar eine Anklage wegen „fortgesetzter Verbrechen wider das Leben“ abwehren musste.

Hier, wie in allen Dingen des Lebens, gab sie sich idealistisch: „Der Arzt darf einem Patienten, der sich ihm anvertraut, die Hilfe nicht versagen, weil ihm persönliche Unannehmlichkeiten daraus erwachsen könnten, so wenig als er den Besuch bei einem Infektionskranken unterlassen darf, weil er selbst daran sterben könnte.“ Hope starb schließlich an Tuberkulose, die sie sich vermutlich bei ihren Patienten zugezogen hatte. Die Krankheit ereilte damals vor allem jene, die in einfachen Verhältnissen lebten. Und eben die wussten, dass sie bei der Ärztin Hope genauso behandelt wurden, wie die betuchtere Kundschaft, auch wenn sie weniger oder gar nicht zahlen konnten.

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