Ralf Bachmann zum 80. Geburtstag Ein aufrichtiger, knorriger Sozialist

von Helmut Lölhöffel - 29.12.2009
In der Rückschau auf sein Journalistenleben bekennt Ralf Bachmann mit dem ihm eigenen Humor, er habe im geteilten und im vereinten Deutschland „alles doppelt gesehen“: als forscher Klassenkämpfer und als lebenserfahrener Beobachter, als linientreues SED-Mitglied und als gereifter Demokrat, als Deutscher und als Jude.

Sein Weg führte ihn „vom überzeugten, dogmengläubigen FDJler zum tolerierenden linken Demokraten, der Marx zwar nicht abgeschworen hat, ihn jedoch nun auch durch die Brille Willy Brandts zu sehen lernte“ – so hat er sich selbst beschrieben. Im Laufe seines Lebens suchte er „in dem Wort Sozialist einen neuen Sinn“ und fand ihn: als  „Verpflichtung zum Handeln, wofür das leider abgenutzte und missbrauchte Wort Solidarität steht“

Diese Haltung führte ihn nach 1989 in den Freundeskreis um Wolfgang Thierse, ins Kulturforum der SPD und in den Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten, und er wurde Autor des im Vorwärts-Verlag erscheinenden „Blick nach rechts“ (bnr.de). In seinen Büchern „Ich bin der Herr. Und wer bist du?“ (Berlin 1995) und „Ich habe alles doppelt gesehen“ (Beucha 2009) hat Bachmann seine Erkenntnisse und Einsichten selbstkritisch, aber nicht selbstanklagend dargestellt. „Ich habe ihn als aufrichtigen, knorrigen Menschen kennengelernt, der mit seiner und unserer Geschichte ehrlich und selbstbewusst umgeht“, würdigte Wolfgang Thierse ihn zum 80. Geburtstag.

Ein Journalistenleben

Bachmann ist am 29. Dezember 1929 in Crimmitschau (Sachsen) geboren. Er war Journalist bei den "Nachrichten für Grimma", der "Leipziger Volkszeitung" und der Zeitung "Neuer Tag" in Frankfurt/Oder. Danach gelangte er ins Presseamt beim Ministerpräsidenten der DDR. 30 Jahre lang arbeitete er dann als Redakteur, Korrespondent, unter anderem in Prag und in Bonn, sowie in Leitungsfunktionen bei der staatlichen DDR-Nachrichtenagentur Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN).

1989/90 war er den DDR-Regierungen unter Hans Modrow und Lothar de Maiziere  stellvertretender Regierungssprecher bzw. Abteilungsleiter im Ministerium für Medienpolitik. Jetzt lebt der vergnügte und fußballbegeisterte Achtziger mit seiner Frau Inge als Autor in Berlin.

 

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AutorIn: Helmut Lölhöffel  

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