Die Studie "Mindestlöhne für Deutschland" von Claudia Weinkopf finden Sie im Anhang als PDF-Datei. Die gleichnamige Veranstaltung wurde organisiert vom Gesprächskreis Arbeit und Qualifizierung in der Friedrich-Ebert-Stiftung.
Mehr Informationen zu Markus Breitscheidel unter www.markusbreitscheidel.de. Das Buch über die gnadenlose Ausbeutung im Niedriglohnbereich "Arm durch Arbeit" ist erschienen im Econ-Verlag.
Mehr zum Thema Mindestlohn unter www.mindestlohn.de
Der Kollege aus Dänemark neben mir ist schockiert über die Schilderungen der Zustände auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Auf dem Podium der Veranstaltung von der Friedrich-Ebert-Stiftung „Mindestlöhne für Deutschland“ berichtet Journalist und Buchautor Markus Breitscheidel über seine Erlebnisse als Hartz IV-Empfänger und Arbeiter im Niedriglohnsektor.
18 Monate war er Undercover als Leiharbeiter bei namhaften Konzernen wie Opel und Bayer und in der Landwirtschaft tätig. Die Erdbeerernte in Brandenburg bringt ihm 3 Euro brutto die Stunde ein, der Job wird ihm von der Agentur für Arbeit vermittelt. Bei Ablehnung droht ihm die Kürzung seiner Bezüge um 30 Prozent.
Gnadenlose Ausbeutung im Niedriglohnbereich
Für die Dreifachschicht im Opelwerk Rüsselsheim bekommt er zwischen 650 und 700 Euro netto. Gleich drei Personalvermittlungsfirmen verdienen pro Stunde mit, am Ende der Kette die Firma Adecco, Weltmarktführer für Zeitarbeit. Möglich wird dies durch das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG). Ursprünglich zum Schutz der Leiharbeitnehmer vor Ausbeutung erlassen, wurde das Gesetz im Zuge der Hatzreformen in wesentlichen Punkten geändert. Das besondere Befristungsverbot, das Synchronisationsverbot, das Wiedereinstellungsverbot und die Beschränkung der Überlassungsdauer auf höchstens zwei Jahre wurden aufgehoben.
So ist es möglich, dass Markus Breitscheidel als Leiharbeiter die gleiche Arbeit wie der fest angestellte Opelaner für 30 Prozent weniger Gehalt und ohne Tarifschutz leistet und trotz Vollzeitbeschäftigung eine Aufstockung nach SGB II beantragen muss. Und der besser bezahlte Opelaner finanziert auf diese Weise mit den Steuerabgaben auf sein Gehalt den ausgeliehenen Kollegen an der Werkbank nebenan.
Eine inzwischen gängige Praxis auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Um das Einkommen von Leiharbeitern aufzustocken, hat die Bundesregierung allein zwischen Mai 2008 und Mai 2009 rund 531 Mio. Euro ausgegeben.
Die kalte Einführung des Kombilohns
Von der rasanten Zunahme der Beschäftigten im Niedriglohnbereich von ca. 15 Prozent im Jahr 1996 auf 21 Prozent in 2007 berichtet Claudia Weinkopf vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen. Allein von 2004 bis 2008 sei die Zahl um 650000 gestiegen, so ein Ergebnis ihrer Studie „Niedrig- und Mindestlöhne in Deutschland“. Beispiellos im OECD-Vergleich sei die Ausdehnung nach unten, sagt sie. 2007 lag der durchschnittliche Niedriglohn im Westen bei 5,77 Euro, im Osten bei 4,69 Euro. Inflationsbereinigt lag er 2007 in Westdeutschland sogar unter dem Niveau von 1995, während er in Ostdeutschland gerade einmal um 0,03 Euro gestiegen ist.
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