Das Neue Jahrzehnt Die Politik und der Politiker der Zukunft

von Michelle Schumann - 19.02.2009
Über die Politik des Neuen Jahrzehnts sprach Franz Müntefering am Mittwoch im Berliner Kosmos-Kino – und traf im Anschluss die Krankenschwester Viktoria Schirazi-Rad und den Studenten Björn Stecher. Beide Berliner hatten durch ihre Diskussionsbeiträge auf vorwärts.de das „Meet and Greet“ mit dem Parteivorsitzenden der SPD gewonnen.

Zuvor hatte Müntefering die millionenschweren Boni-Zahlungen an erfolglose Bankmanager scharf kritisiert. Wenn es bei Gewinnen Boni gebe, „dann müsste es bei Verlusten auch Mali geben“, sagte er. Es gebe Menschen, die mit sittenwidrig niedrigen Löhnen auskommen müssten. Die würden sich zu Recht empören über die Manager, die sich an Steuergeldern noch zusätzlich bereichern würden.
Die Politik im neuen Jahrzehnt bräuchte das Soziale und das Demokratische, das Prinzip „Menschen für Menschen“, so Müntefering. Außerdem betonte er, Bildung sei Menschenrecht und müsse deshalb beitragsfrei sein – von der Kita bis zur Universität. Die Politik dürfe die Probleme in der Bildungspolitik nicht auf Zuständigkeiten von Bund oder Land schieben, sagte Müntefering weiter.

Städte gewinnen an Bedeutung

Viktoria Schirazi-Rad, die als Krankenschwester auch dem Personalrat der Berliner Charitè angehört, interessierte die Gesundheitspolitik und die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Der demografische Wandel würde den Städten in Zukunft ein noch stärkeres Gewicht geben, sagte Müntefering. Doch auch im ländlichen Raum müsse die medizinische Qualität halten. „Nicht nur Ärzte, auch Pflegekräfte werden da gebraucht“, sagte Müntefering. Es lohne darüber nachzudenken, diese Arbeit auch über die Bezahlung attraktiv zu machen.

Tipps für den Parteinachwuchs

Björn Stecher nutzte die Gelegenheit im Foyer des Kino Kosmos und fragte den Parteivorsitzenden, „wie sieht der Politiker der Zukunft aus?“ Gute Politiker müssen „rausgehen, in die Vereine, mit den Menschen reden“, antwortete Müntefering. „Und im Ortsverein am besten Schriftführer werden. Da hat man Einfluss auf die Themen und wann was auf die Tagesordnung kommt“, so sein Tipp an den Parteinachwuchs. Kommunalpolitik sei nicht zu unterschätzen, das wisse er aus eigener Erfahrung. „Die Kenntnis der Örtlichkeit ist die Seele des Dienstes,“ sagte Müntefering. Und da sprach übrigens nicht die Erfahrung des Parteisoldaten, sondern Freiherr von Stein - der Begründer der kommunalen Selbstverwaltung in Preußen.

 

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Channel: Inland  
Bundesland: Berlin  
AutorIn: Michelle Schumann  

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