Befreiung der Konzentrationslager vor 65 Jahren Die Hölle auf Erden

von Heiner Lichtenstein - 18.03.2010
Buchenwald, Sachsenhausen, Theresienstadt: Im Frühjahr 1945 – vor 65 Jahren – befreiten die Alliierten die meisten Konzentrationslager. Den Befreiern boten sich die grässlichsten Bilder, sie wurden vom Entsetzen überwältigt.

In diesen Wochen gibt es Anlass, in vielen deutschen Städten zu feiern, die lange Inbegriffe des Schreckens waren. Buchenwald bei Weimar zum Beispiel oder Neuengamme bei Hamburg, Flossenbürg in Oberbayern, Sachsenhausen und Ravensbrück bei Berlin, Natzweiler im Elsass, Theresienstadt östlich von Prag, Bergen-Belsen in der Lüneburger Heide, Dora-Mittelbau nördlich von Buchenwald, Mauthausen östlich und Dachau westlich von München – um nur die wichtigsten, größten und schrecklichsten Konzentrationslager zu nennen.

Die Vernichtungslager Treblinka, Sobibor, Belzec, Auschwitz und Majdanek gehörten nicht dazu. Die Rote Armee hatte sie bereits im Sommer 1944 während ihrer großen Offensive befreit oder sie waren von den Nazis aus Furcht vor Aufständen der Häftlinge 1943 aufgelöst worden.

Vernichtungslager wurden von der SS dem Erdboden gleichgemacht

In Majdanek, einem Konzentrations- und Vernichtungslager in Südostpolen, stieß die Rote Armee bei der Befreiung am 22. Juli 1944 nur noch auf etwa 1000 Gefangene – ausgemergelt und dem Tod nahe. Die Regierung in Moskau lud Journalisten der befreundeten Staaten ein, dieses ehemalige Lager zu besichtigen und darüber weltweit zu berichten. Es war schließlich das erste befreite Vernichtungslager. Die Rote Armee war im Sommer 1944 so schnell nach Westen vorgedrungen, dass die SS keine Zeit mehr hatte, Spuren zu beseitigen. Folglich konnten sowohl die Gaskammern als auch die Krematorien gefilmt und dokumentiert werden. Insofern bildete Majdanek eine Ausnahme.

Die anderen Vernichtungslager waren von der SS dem Erdboden gleichgemacht worden. In Auschwitz war das im Winter 1945 nur unzulänglich gelungen. Auch hier war die Rote Armee schneller als die SS. Dabei sollte bedacht werden, dass die meisten anderen Lager in der kurzen Zeit zwischen April und Anfang Mai 1945 den Siegermächten übergeben werden mussten – also wenige Wochen oder gar Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Häftlinge schufteten in dichtem Steinstaub ohne Tageslicht

Am Anfang stand das Lager Mittelbau-Dora in Thüringen, das US-Truppen bereits am 9. April erreichten. Ihnen bot sich ein grässliches Bild. Das Lager bestand aus langen unterirdischen Stollen. Häftlinge aus dem benachbarten KZ Buchenwald hatten sie in die Berge treiben müssen. In bombensicheren Produktionsanlagen sind die Raketen für die Terrorangriffe auf Rotterdam und London hergestellt worden. Die Gefangenen schufteten in dichtem Steinstaub und kamen nicht ans Tageslicht.

Es war die Hölle auf Erden, die viele hundert Gefangene nicht überlebt haben. Die US-Truppen nahmen die leitenden deutschen Ingenieure mit und brachten sie im Sommer 1945 in die USA, um sie bei der US-Raumfahrtbehörde einzusetzen. Weitere Raketenspezialisten holte die Rote Armee im Spätsommer in die UdSSR, nachdem im Sommer 1945 Thüringen zum Teil der sowjetischen Besatzungszone erklärt worden war.

Das zweite befreite Lager war Ravensbrück, das einzige Frauenlager, dessen Leitung im März 1945 vom SS-Reichssicherheitshauptamt den Befehl erhalten hatte, das Lager zu evakuieren. Daraufhin mussten etwa 24 500 Häftlinge nach Mecklenburg-Vorpommern transportiert werden. Im Stammlager blieben 2500 Frauen zurück, die Delegierten des Roten Kreuzes aus Schweden und Dänemark übergeben wurden, ehe sowjetische Soldaten die Baracken und Verwaltungsgebäude in der Nacht vom 29. zum 30. April besetzten.
 


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