Zum Geburtstag von Rosa Luxemburg Die Dynamik des Denkens

Suhrkamp Verlag
von Birgit Güll
„Das letzte Wort ist nicht gesprochen“, heißt es in Dietmar Daths Biografie zu Rosa Luxemburg. Ganz in diesem Sinne widmet er sich der streitbaren Frau: Er macht die Theoretikerin stark, bejubelt nicht die Märtyrerin. So trägt er einem bedeutenden Werk Rechnung und unterstreicht die Aktualität der Denkerin.

Geboren ist sie als Rosalie Luksenburg am 5. März 1871 im damals russischen Zamosc. Die Tochter eines jüdischen Holzhändlers studiert in Zürich Nationalökonomie und öffentliches Recht. 1898 zieht sie nach Berlin und agitiert für die SPD. Bald kommt Rosa Luxemburg in Kontakt mit führenden Parteimitgliedern wie Karl Kautsky, August Bebel, Franz Mehring und Clara Zetkin. Sie schreibt für die SPD-Zeitungen „Sächsische Arbeiterzeitung“, „Leipziger Volkszeitung“ und für den „Vorwärts“.

Sozialistische Revolution
1914 formiert sich in der Auseinandersetzung um die Kriegskredite eine linke Opposition innerhalb der SPD, der Rosa Luxemburg angehört. 1916 geht daraus der Spartakusbund hervor. Luxemburg publiziert die Schrift „Die Krise der Sozialdemokratie“: Eine Auseinandersetzung mit der Theorie und Strategie der SPD, die eine Zurechtweisung darstellte und nicht den Bruch wollte, wie Dath betont.

Im selben Jahr wird Luxemburg als „Wehrkraftzersetzerin“ in „Sicherheitshaft“ genommen. Als sie 1918 freikommt, stellt sie sich, gemeinsam mit Karl Liebknecht, an die Spitze der revolutionären Bewegung, die mit dem Aufstand der Matrosen in Kiel ihren Anfang genommen hatte. Ihr erklärtes Ziel ist die sozialistische Revolution. Im Dezember 1918 gründet sie die Kommunistischen Partei Deutschlands mit.

Die Revolution wird blutig niedergeschlagen. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht werden am 15. Januar 1919 von Regierungstruppen gelyncht. Ob Reichspräsidenten Friedrich Ebert (SPD) persönlich dem befehlsgebenden Offizier Waldemar Pabst seine Zustimmung gab, bleibt ungeklärt. Bedeutsam ist, dass die Mörder sich der Bestrafung entziehen können. Gegen Waldemar Pabst wird noch nicht einmal Anklage erhoben. Als NPD-Sympathisant stirbt er 1970 unbehelligt in der BRD.

Prozess und Bewegung
Dietmar Daths Luxemburg-Biographie richtet sich in erster Linie gegen jene denkfaule Gesinnung " ... die ihre liebe Rosa so gern hat wie tote Linke ganz allgemein, am besten gewaltsam aus dem Leben gerissene ...“. Der Autor identifiziert drei Hauptstränge in Luxemburgs Werk: den Antirevisionismus, die Kapitalismustheorie und die Untersuchung der Bedingungen einer sozialistischen Revolution. Mit diesen setzt er sich auseinander und unterstreicht, dass alle Aussagen Luxemburgs Teil einer Kette „von Begründungen, Belegen, Herleitungen“ seien.

Axiome, wie das viel zitierte, dass Freiheit immer die Freiheit des Andersdenkenden sei, stellen für Dath eine Verkürzung ihres Denkens dar. Abgesehen davon, dass er sicher ist, dass Luxemburg damit die Freiheit sich zu äußern meint, unterstreicht der Autor die Bedeutung von Prozess und Bewegung für das marxistische Denken: Er betont, dass „ ... für Marxisten wie sie alle Ideen, auch die richtigsten und schönsten, Momente eines dynamischen Prozesses sind, nicht Gebote vom Berg Horeb.“

In dem knapp 150-seitigen Band aus der Suhrkamp Reihe BasisBiographien versucht Dietmar Dath, das Denken Rosa Luxemburgs für die Gegenwart fruchtbar zu machen. Er interpretiert ihr Werk und äußert seine Meinung, ohne Objektivität vorzutäuschen – eine erfrischende Tatsache. So setzt dieser knappe Abriss zwar Einiges voraus, ist aber gleichzeitig Aufforderung und Anreiz zu einer Wiederentdeckung der Theoretikerin.

Dietmar Dath: „Rosa Luxemburg“, Suhrkamp BasisBiographie, Suhrkamp Verlag, Berlin, 2010, 150 Seiten, 8,90 Euro, ISBN 978-3-518-18235-2

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Richtigstellung 

Wir hatten in dem obigen Beitrag unter Bezugnahme auf die im Suhrkamp Verlag erschienene Biographie Rosa Luxemburgs von Dietmar Dath geschrieben, dass Waldemar Pabst NPD-Mitglied gewesen sei, als er starb. Diese Information war leider falsch und die NPD legt Wert auf die Feststellung, dass Waldemar Pabst niemals NPD Mitglied gewesen ist.

In dem Schreiben ihrer Anwältin Gisa Pahl, die für die NPD sowohl gegen uns als auch gegen den Suhrkamp Verlag div. Ansprüche geltend macht, heißt es, die unwahre Behauptung, Waldemar Pabst sei NPD-Mitglied gewesen, verletze die Ehre der NPD, da diese „mit Gewalttätern und Mördern, die ihre politischen Gegner einfach umgelegt haben“ nicht zu tun haben wolle. Die Behauptung sei geeignet, die NPD als „Dulderin und Sympathisantin von Gesetzesbrechern und sogar Mördern hinzustellen“.

Diese Mitteilung hat uns etwas überrascht, hatte doch die NPD-Fraktion 2007 noch beantragt, einen Platz in Berlin nach Waldemar Pabst zu benennen. In seiner Rede zur Begründung dieses Antrags hatte der damalige Landesvorsitzende der Berliner NPD, Jörg Hähnel, die Ermordung Rosa Luxemburgs und Karl Liebknechts öffentlich als „entschlossene Tat, die politisch geboten und von der deutschen Geschichte als förderlich legitimiert sei“ bezeichnet. Für diese Äußerungen wurde Jörg Hähnel 2009 in zweiter Instanz wegen der Billigung einer Straftat verurteilt. 

 

 

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Mich wundert, dass Daths

Bild von Guido

Mich wundert, dass Daths beinharter Leninismus hier gar keine Erwähnung geschweige denn
Kritik erfährt. Ergänzend daher meine kleine Einlassung:
http://principien.de/auf-ein-wort-genosse-dath/

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