Volker Koop: "Hitlers fünfte Kolonne" Die Auslandsorganisation als Bindeglied zum deutschen Reich

von Doreen Tiepke
Absolute Kontrolle und unbedingte Loyalität sind wesentliche Bestandteile einer Diktatur. Die Nationalsozialisten beherrschten die Indoktrinierung des deutschen Volkes perfekt. Doch nicht nur im deutschen Reich sollte das Gedankengut der Nazis verbreitet werden. Volker Koop beschäftigt sich in "Hitlers fünfte Kolonne" mit der Auslandsorganisation der NSDAP, einem bisher wenig beachteten Thema.

Auf Privatinitiative eines deutschen Arztes entstand bereits 1928 in Brasilien ein erster Stützpunkt von hitlertreuen Deutschen. Diese Art der Gemeinschaft wurde als Vorbild für die künftige Auslandsorganisation übernommen, die offiziell im Mai 1931 von Gregor Strasser gegründet wurde. Nicht nur, dass sämtliche Auslandsdeutsche erfasst wurden, das gesellschaftliche Leben sollte – wie in Deutschland – durchorganisiert werden. So gab es im brasilianischen Bendeicto Timbo, die Hitlerjugend ebenso wie den Bund deutscher Mädel. „Dass die Mitglieder den Rasse-Anforderungen entsprachen, war für die NSDAP eine Selbstverständlichkeit.“

Ein Beispiel für eine Ortsgruppe im Ausland, das gleichzeitig auch die Kontrollsucht und den Bürokratismus der Nazis zeigt, ist der Hamburger Zirkus Hagenbeck. Dieser hielt sich für mehr als drei Monate im Jahr nicht in Deutschland auf und wurde mit Herbert Hagenbeck als Ortsgruppenführer systematisiert.

Aggressive Öffentlichkeitsarbeit
Volker Koop führt eine „aggressive Öffentlichkeitsarbeit“ der Nazis als Grund an, warum sich viele so genannte Volksdeutsche im Ausland in der NSDAP-AO engagierten. Mit Hilfe von Zeitungen und Zeitschriften, Flugblättern und Plakaten, aber auch deutschen Kurzwellensendern und Filmvorführgeräten wurde das nationalsozialistische Gedankengut in alle Welt transportiert. Reden von Hitler wurden auf Schallplatten weitergereicht. So genannte Stoßtruppredner hielten Vorträge selbst im chinesischen Canton. Einheimische Verlage wurden bewusst manipuliert oder ganz aufgekauft.

Immer wieder Widerstand
Das Vorgehen so regimetreuer Deutscher führte zu Konflikten. Vielen Deutschstämmigen, die schon länger in den jeweiligen so genannten Gastländern lebten, gefiel das Machtgehabe der neuen Ortsgruppenleiter nicht. Sie waren zwar nicht immer Gegner des Hitlerregimes, verneinten jedoch das Einheitsvorgehen der NSDAP-AO. Es kam zu Spaltungen innerhalb der Gruppen, meist behielten allerdings die Ortsgruppen die Oberhand.

Einige Regierungen leisteten Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Die Regierung der Südafrikanischen Union wies 1934 einige Landesgruppenleiter aus und verbot die Einrichtungen der NSDAP. In Europa verboten Länder wie die Schweiz oder Österreich die NS Organisationen relativ früh, da sie als Nachbarländer die Gefahr, die von Deutschland aus ging,  erkannten. Dazu trugen vor allem die vielen Emigranten seit 1933 bei, denn sie klärten die Länder die sie aufnahmen über die Verfolgungen und die Willkür der Nazis auf.

In Belgien standen die Ortsgruppen infolge kritischer Berichterstattung der Presse unter besonderem Druck. Nationalsozialistische Rädelsführer wurden ausgewiesen. Noch am Tag des Überfalls auf Belgien, verhaftete die belgische Polizei 2000 Hitleranhänger und lieferte diese nach Deutschland aus. Während der Besetzung der jeweiligen Länder erstarkten die Organisationen zumeist auf Druck der Wehrmacht wieder.

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