Über den Konflikt im Nahen Osten ist schon viel geredet und geschrieben worden. Zu einer Beilegung des Streits um das Territorium zwischen Jordan und dem Mittelmeer, dessen Anfänge bis in das späte 19. Jahrhundert zurückreichen, hat all dies bis dato nicht führen können. „Das Knäuel von Motiven demographischer, ethno-nationaler und religiöser Natur ist bis heute nicht entwirrt; sein Gewaltpotenzial bricht sich periodisch immer wieder Bahn“, heißt es dazu im Friedensgutachten 2009. Als Grund wird unter anderem genannt: „Für beide Seiten war der bisher zu entrichtende Preis für den jahrzehntelange Konflikt tragbar. Israel musste ihn nicht gewinnen und die Palästinenser konnten ihn unter diesen Umständen nicht verlieren.“
Anwar Sadat kämpft für den Frieden
Einer, der sich – vielleicht wie kein zweiter – um die Lösung dieses Konflekts verdient gemacht hat, ist Anwar Sadat, ehemaliger Staatschef Ägyptens. Sein Leben war von dem einen Wunsch beseelt: Frieden im Nahen Osten. Die verschiedenen Völker sollten dort in Eintracht miteinander leben können. In ihrem neuen Buch „Meine Hoffnung auf Frieden“ schreibt Jehan Sadat über ihren Ehegatten: „Frieden stand für ihn an oberster Stelle und war ihm wichtiger als sein politisches Amt, seine Popularität, seine Sicherheit oder seine Beziehungen zu anderen Staatsoberhäupten.“ Für seinen beherzten und unermüdlichen Einsatz als Friedensstifter musste er jedoch einen hohen Preis zahlen. Am 6. Oktober 1981 wurde Anwar Sadat bei einer Militärparade von Fundamentalisten erschossen. Sein Kampf für den Frieden war in der ganzen Welt auf breite Zustimmung gestoßen. So gesteht Helmut Schmidt im Vorwort zu Jehans Buch: „Denn immer, wenn ich gefragt werde, welchen Staatsmann mir im Laufe meines politischen Lebens als bedeutendster erschienen sei, so antworte ich ohne zu zögern: Anwar Sadat.“
Der Frieden überlebt
„Ja, gewiss, er wurde am 6. Oktober 1981 von Terroristen ermordet, doch sie haben ihr Ziel verfehlt. Der Frieden, für den er gestorben ist, hat überlebt (...).“ Die 1933 als drittes Kind eines Ägypters und einer Engländerin geborene Jehan Sadat entscheidet sich, das Lebenswerk ihres Ehemannes mit aller Kraft fortzusetzen. Hat sie sich zuvor in erster Linie für die Rechte muslimischer Frauen eingesetzt, gilt ihr größtes Engagement fortan dem Frieden in Nahost. „Für ihn ist dieser Traum vorbei“, bedauert sie. „Doch sein Traum ist jetzt der meine.“
Den 30. Jahrestag der historischen Reise Anwars nach Jerusalem nimmt Jehan zum Anlass, um in ihrem Buch sowohl an die ehrwürdigen Taten ihres verstorbenen Ehegatten zu erinnern als auch den Israel-Palästina-Konflikt aus ihrer Sicht zu schildern. Und sie schlägt vor, wie er zu lösen ist. Dass ein Frieden im Nahen Osten weit verbreitet als innerer Widerspruch oder „Oxymoron“ betrachtet werde, habe weniger mit dem Islam – wie in der nicht-islamischen Welt irrtümlich angenommen wird – zu tun. Als die wirklichen Feinde nennt Jehan „Bildungsmangel, Armut“ und „Vorurteile“.
Vorurteile und Irrtümer abbauen
Vorurteile existieren aber nicht nur zwischen den verfeindeten Völkern im Nahen Osten. Auch die nicht-muslimische Welt unterliegt „Vorurteilen und Irrtümern“ gerade über den Islam. In ihrem Werk setzt sich die Dozentin am Anwar-Sadat-Lehrstuhl für Frieden und Entwicklung an der Maryland Universität mit ihnen näher auseinander. Es sind vor allem drei Aussagen: „Der Islam ist monolithisch“, „Der Islam stiftet zum Terrorismus an und ist ein militanter Glaube“ sowie „Der Islam ist demokratiefeindlich“, die sie zu entkräften versucht. Bereits in ihren einführenden Worte verweist die praktizierende Muslimin daher auf die etymologische darauf, dass die beiden Worte „Islam“ und „Salam“, das arabische Wort für „Frieden“,denselben Wortstamm besäßen. „Die meisten Muslime wissen um diese Beziehung und bemühen sich um eine entsprechende Lebensführung“, so die Autorin weiter.
Obwohl der Konflikt zwischen Israel und der arabischen Welt über die Jahre nicht weniger komplex geworden ist, gelingt es Jehan, mit stellenweise sehr persönlichen Schilderungen, die historische Entwicklung anschaulich zu skizzieren, ohne sich in verwirrenden Details zu verlieren. Um zu einer „eine zufrieden stellende Übereinkunft“ zu gelangen, mahnt sie, müssen „drei wesentliche Punkte“ geklärt werden: „ das Problem der Siedlungen, das Rückkehrrecht der Palästinenser und der Status von Jerusalem“.
Wer den Nahost-Konflikt und die Rolle der Frau im Islam besser verstehen will, dem sei „Meine Hoffnung auf Frieden“ als Pflichtlektüre zu empfehlen.
Jehan Sadat: „Meine Hoffnung auf Frieden“, Hoffmann und Campe Verlag, 224 Seiten, 20.00 Euro, ISBN 978-3-455-50126-1



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Ah ja.
die hühner
Felix Krebs