Den Blick nicht abwenden – Zivilcourage gegen Rechts

Sebastian Krumbiegel und Maren Kroymann zeigen Gesicht. Im Deutschen Theater in Berlin erklären der Sänger und die Schauspielerin bei der Auftaktveranstaltung der bundesweiten Aktionswoche gegen Rassismus (10. bis 23. März), warum sie sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Mit zahlreichen Veranstaltungen tritt der Verein Gesicht zeigen! gegen rechte Gewalt und für ein weltoffenes Deutschland ein. Anlass ist der Internationale Tag zur Überwindung des Rassismus, den die Vereinten Nationen 1967 ins Leben gerufen haben.

Ethnische Säuberung

Dass der Rassismus längst nicht überwunden ist, belegen aktuelle Zahlen der Bundesregierung. 599 Personen waren 2007 Opfer von rechter Gewalt, das sind 77 mehr als im Jahr zuvor. „Die Gewalt gegen Migranten nimmt nicht ab, sie hat zu genommen“, unterstreicht auch Uwe-Karsten Heye, Vorstandsvorsitzender von Gesicht zeigen! und Vorwärts-Chefredakteur. In Sachsen und in Sachsen-Anhalt sei ein deutlicher Zuwachs rechtsextremer Taten zu verzeichnen. In Brandenburg habe die Bedrohung Gewerbetreibender Ausländer zugenommen. Diese Strategie ist zielgerichtet. Es werde versucht Existenzen zu vernichten, Migranten zu vertreiben und dabei eine regelrechte ethnische Säuberung zu vollziehen.

Wasser auf die Mühlen

Seit der Wiedervereinigung Deutschlands gab es 130 Tote, die aufgrund rechter Gewalt ums Leben gekommen sind. Wer spricht über sie? In der öffentlichen Debatte geht es vielmehr um eine schnellere Inhaftierung ausländischer Kriminelle, wie sie jüngst der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) forderte. Ministerpräsident Sachsens, Georg Milbradt (CDU), verharmloste die ausländerfeindliche und brutale Hetzjagd auf acht Inder in der 5000-Seelen Gemeinde Mügeln. Dieser wies den schwarzen Peter den Medien zu: Er fühlte sich von ihnen stigmatisiert, weil sie angeblich eine regelrechte Hetzjagd auf Mügeln unternommen hätten. „Diese Verharmlosung ist Wasser auf die Mühlen rechter Agitatoren“, betont Uwe-Karsten Heye. Koch und Milbradt stärkten die Ansicht rechtsextremer Täter. Rechte Straftaten müssten zum Alltagsthema werden.

Auf dem rechen Auge blind

Nicht nur Politik, sondern auch Justiz und Polizei seien rechten Gewalttätern zunächst nicht mit der nötigen Konsequenz begegnet. Die Wachsamkeit der beiden Staatsorgane habe aber mit den Jahren zugenommen. „Polizei und Justiz waren auf dem rechten Auge blind“, stellt Sebastian Krumbiegel, Sänger der Prinzen, fest. Er sei aber ein „Positivdenker“ und müsse die erfreuliche Entwicklung beim Namen nennen. Unerfreulich sei, dass er im Juni 2003 selbst Opfer von rechter Gewalt geworden sei. Krumbiegel wurde in einem Leipziger Park von Neo-Nazis zusammen geschlagen. Seine Wunde musste anschließend genäht werden.

Nur kleine, hellhäutige Lesbe

Dieser Überfall hält ihn aber nicht davon ab, weiter gegen Rechts einzutreten. Ganz im Gegenteil: „Ich bin zur Anständigkeit erzogen worden“, erklärt der Sänger sein Engagement gegen die Neuen Rechten. Seine Oma habe erzählt, wie die Juden aus Leipzig vertrieben worden seien. Das präge. Und sie habe das Bedürfnis etwas zu tun, so die Schauspielerin Maren Kroymann. „Ich bin nur eine kleine, hellhäutige Lesbe“, hebt sie hervor. Sie wolle sich dicht neben die Menschen stellen, die in dieser Gesellschaft „Opfer“ seien. Die bekennende Feministin fordert Zivilcourage. Wenn der Taxifahrer mit Nazi-Parolen um sich werfe, dann solle man konsequent sein und aussteigen.

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