Deutsche Bahn Datenaffäre: Druck auf Mehdorn wächst

von Karsten Wiedemann - 04.02.2009
In der Affäre um die massenhafte überprüfung von Mitarbeiterdaten gerät Bahnchef Hartmut Mehrdorn immer stärker unter Druck. SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz forderte den Mehdorns Rücktritt sollten sich Berichte bestätigen, dass die Bahn alle 220 000 Mitarbeiter überprüft habe. Unterdessen mahnte die Deutsche Bahn einen Blogger ab, der über die Datenaffäre berichtet hatte.

Wiefelspütz sagte dem "Kölner Stadtanzeiger", sollte die Bahn wirklich alle Mitarbeiter überprüft haben, müsse sich Herr Mehrdorn nach einer anderen Tätigkeit umsehen. "Wenn er es gewusst hat, ist es schlimm; wenn nicht, ist es auch schlimm", so Wiefelspütz. Der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag, Sebatian Edathy (SPD), sagte, der Vorgang sei geeignet, das Ansehen der Bahn weiter zu schädigen. Er forderte die Bahn auf, die Vorgänge restlos aufzuklären. "Und es kann nicht sein, dass sie scheibchenweise mit der Wahrheit herausrückt. Es ist höchste Zeit, dass die Bahn alle Karten auf den Tisch legt", so Edathy.

Mehorn wies Kritik an der Informationspolitik der Bahn zurück. Die Aufsichtsgremien würden regelmäßig ber den Stand der Ermittlungen informiert. "Dies ist keine Salamitaktik, sondern entspricht dem natürlichen Gang sehr schwieriger Ermittlungen."
 

Die Deutsche Bahn hatte am Dienstag mitgeteilt,  dass eine Ausweitung der Datenschutzaffäre sei möglich. Es sei noch kein Ende der Ermittlungen abzusehen. "Mögliche weitere Vorgänge" seien nicht auszuschließen, hieß es von DB-Seite.

 

Gewerkschaften fordern Entschuldigung

Der Chef der Bahngewerkschaft  ransnet, Alexander Kirchner, sagte der "Berliner Zeitung", der ganze Vorgang müsse nun  endlich "komplett auf den Tisch". Außerdem forderte er eine Entschuldigung von Hartmut Mehdorn. Klaus-Dieter Hommel, Chef der Bahngewerkschaft GDBA, betonte, Personaldiskussionen seien derzeit nicht hilfreich. Zunächst  müssten alle Fakten auf den Tisch. Dann könne über die Zukunft von Bahnchef Mehdorn entschieden werden. Auch er forderte Mehdorn auf, sich zu entschuldigen.

Blogger wird abgemahnt

 

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, das Unternehmen habe 2005 alle 220 000 Mitarbeiter überprüft. Die Agentur berief sich auf ein Schreiben aus dem Bundesverkehrsministerium. Bislang hatte die Bahn nach monatelangen Ermittlungen den Abgleich von Adress- und Kontodaten von 173.000 Mitarbeitern eingeräumt. Der Konzern hatte als Grund angegeben, man habe gegen mögliche Korruption im eigenen Unternehmen vorgehen wollen.

Die Bahn mahnte derweil den Betreiber des Blogs "Netzpolitik.org", Markus Beckedahl, ab weil dieser ein internes Memo veröffentlicht hatte, welches das Vorgehen des Konzern bei der Überprüfung von Mitarbeitern bestätigt. Es handelt sich dabei um das Protokoll eines Gespräches der DB mit dem Berliner Datenschutzbeuftragten über die Geschäftsbeziehungen der Deutschen Bahn AG mit der Network Deutschland GmbH. Letztere soll im Auftrag der Bahn die Überprüfung der Mitarbeiter durchgeführt haben. Die Network Deutschland GmbH war auch schon bei bei der Überprüfung von Mitarbietern im Auftrag der Deutschen Telekom beteiligt. Über das Memo hatten bereits verschiedene Medien berichtet.    

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AutorIn: Karsten Wiedemann  

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