vorwärts.de: Das Bundeskabinett hat kürzlich ein Gesetz zur unterirdischen Einlagerung von Kohlendioxid verabschiedet. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?
Damian Müller: Vattenfall begrüßt, dass das Kabinett den Weg für den weiteren parlamentarischen Prozess frei gemacht hat. Wir hoffen und gehen davon aus, dass der vorliegende Gesetzesentwurf jetzt zügig und konstruktiv in Bundestag und Bundesrat beraten wird und noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden kann.
Für unsere weitere Entwicklungsarbeit an der neuen innovativen Technologie und speziell zum Aufbau und Betrieb von Transport- und Speicherinfrastruktur für Kohlendioxid benötigen wir dringend Rechtsicherheit. Davon hängen künftige Planungen und Investitionen ab.
Vattenfall betreibt seit letztem Jahr eine CCS-Pilotanlage in Brandenburg. Wann rechnen Sie mit der Serienreife?
Der Fahrplan ist klar definiert: Die 30 Megawatt-Pilotanlage am Standort "Schwarze Pumpe" in der Lausitz hat Ende 2008 planmäßig ihren auf bis zu fünf Jahre ausgelegten Forschungsbetrieb aufgenommen. Bereits die ersten Ergebnisse bestätigen uns auf unserem Kurs. Bis spätestens 2015 wollen wir am Standort Jänschwalde - ebenfalls in der brandenburgischen Lausitz - ein CCS-Demonstrationskraftwerk in einer Größenordnung von 350 und 500 Megawatt errichten.
Die Kosten hierfür veranschlagen wir zum jetzigen Zeitpunkt mit etwa einer Milliarde Euro. Vattenfall ist als Pionier auf dem Gebiet der CCS-Technologie seit 2005 mit einer Investitionssumme von 215 Milionen Euro allein in den neuen Ländern in Vorleistung gegangen. Für den Bau des Demonstrationskraftwerkes, das den letzen Schritt auf dem Weg zur konventionellen Verfügbarket der neuen Technologie darstellt, ist das Unternehmen auf Unterstützung durch die EU angewiesen.
Dazu ist unter anderem das Instrument des CO2-Zertifikatehandels vorgesehen. Wir gehen davon aus, dass die CCS-Technologie serienreif ab 2020 verfügbar sein wird und sich dann wettbewerbsfähig auf einem subventionsbereinigten Energiemarkt behaupten kann. Für diesen ehrgeizigen Zeitplan ist die Verabschiedung des CCS-Gesetzes noch in dieser Legislaturperiode jedoch unabdingbar.
Die Stromerzeugung mit CCS ist energieintensiv. Wird durch CCS sogar mehr CO2 produziert?
Durch den Eigenbedarf an Energie von zusätzlichen technologischen Komponenten in CCS-Anlagen verringert sich in der Tat deren Wirkungsgrad. Der Rohstoffbedarf und damit die Menge an produziertem Kohlendioxid wird größer.
Parallel zur Entwicklung der CCS-Technologie arbeiten jedoch ausnahmslos alle Kraftwerksbbetreiber kontinuierlich an der Wirkungsgradsteigerung im konventionellen Bereich. Wir gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2015 die Wirkungsgradverluste durch diese zusätzlichen CCS-Komponenten ausgeglichen werden können.
Dazu werden im wesentlich zwei technologische Verfahren weiter voran getrieben: Die so genannte Kohlevortrocknung und die Anhebung der Dampfparameter von heute 600 auf 700 Grad Celsius.
Steigt der Strompreis, weil Kosten für die Abscheidung, den Transport und die Einlagerung des CO2 anfallen?
Zum jetzigen Zeitpunkt über den Strompreis und dessen Einflussfaktoren im Jahr 2015 oder gar 2020 zu spekulieren wäre grob fahrlässig und unseriös. Die wichtigste Rolle wird dabei spielen, ob es einen weltweiten Preis für CO2 beziehunsgweise dessen Vermeidung gibt und wie hoch dieser sein wird.
Ganz konkret bedeutet dies, dass es eine verbindliche Nachfolgeregelung für das Kioto-Protokoll ab 2012 unter Beteiligung der Hauptemittenten USA, China und Indien geben wird. Dazu laufen die nächsten Verhandlungen beim Weltklimagipfel im Herbst in Kopenhagen. Die CCS-Technologie muss sich im aufgezeichneten Zeitraum als wettbewerbsfähig erweisen.
CCS-Kritiker bemängeln, das sich das CO2 nicht sicher im Boden einlagern lasse. Können Sie alle Bedenken ausräumen?
Weltweit wird Kohlendioxid seit Jahren und Jahrzehnten sicher in geeigneten geologischen Formationen gespeichert. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um poröse Sandsteinschichten in einer Tiefe von mehr als 800 Metern Tiefe. Überlagert werden diese Schichten von gasundurchlässigen Barriereschichten aus Salzstein oder Ton.
Seit Jahrmillionen lagert in vergleichbaren Speicherformationen Erdöl und das wesentlich flüchtigere und brennbare Erdgas. Ausgeförderte Erdgas- und Erdölfelder kommen daher ebenfalls als potenzielle CO2-Speicherstätten in Frage und werden dementsprechend erkundet und teilweise bereits genutzt. Vattenfall wird keinen Kohlendioxid-Speicher erschließen und nutzen von dem eine Gefährdung für Mensch oder Natur ausgeht.
Damian Müller ist Leiter Projektkommunikation CCS bei Vattenfall.
Interview: Karsten Wiedemann
Verlinken Sie auf diesen Beitrag:
- 1523 Aufrufe
Druckversion
Artikel verschicken


