"Im Zuge einer umfassenden Prozessdigitalisierung der öffentlichen Hand und auf Grund der katastrophalen Wahlbeteiligung 2009, hat sich die Bundesregierung entschlossen, die Bundestagswahl 2013 teilweise zu digitalisieren." heißt es weiter in der Pressemitteilung.
Aus Sicht der Verfasser kommt dafür natürlich nur amiando in Frage, "Europas führendes Tool für Online-Registrierung". Das 2006 gegründete Unternehmen stellt Veranstaltern Registrierungs- und Teilnehmermanagement-Systeme im Netz zu Verfügung.
Der April-Scherz wird ausgiebig zur Selbstdarstellung des CEO Felix Haas genutzt: "Auf dem diesjährigen World Economic Forum in Davos sind führende Politiker der Bundesregierung an Felix Haas, CEO von amiando, herangetreten, um ihm ein überraschendes Angebot zu unterbreiten. amiando, in Davos als Technology Pioneer 2010 ausgezeichnet, soll die Bundesregierung unterstützen, die Bundestagswahl zu revolutionieren."
Auch die technischen Möglichkeiten von amiando werden ausgiebig in der April-Pressemitteilung dargestellt, unter anderem Verknüpfung in Social Networks, Barcode-Registrierung und Stimmverifizierung. Mit dem Tools soll auch der soziale Druck auf Nichtwähler ausgeübt werden und somit die Wahlbeteiligung erhöht werden.
Wahrscheinlich würde aber eher der Anteil der Wähler der Piratenpartei erhöht werden, wenn das Vorhaben wirklich von der Bundesregierung geplant sei - denn es gibt schon jetzt erhebliche Kritik in der Netzcommunity zu möglichen Formen der elektronischen Stimmabgabe bei Wahlen.
Amiando beweist mit der Aktion aber Sinn für Humor und Gespür für ungewöhnliche Öffentlichkeitsarbeit. Schon nach dem Erdbeben in Haiti hatte amiando die deutsche Internetwirtschaft zusammengetrommelt, um Spenden für Haiti einzusammeln, mit der Aussicht, kostenlose Premiummitgliedschaften bei den Online-Anbietern zu erhalten - eine für die verschiedenen Anbieter nicht sehr teuere, aber umso wirksamere Form neue Mitglieder zur Registrierung zu bewegen. amiando war bei der Aktion eines der wenigen Unternehmen, die "echte" Gewinne anboten, nämlich 10 ipod Shuffle.
Unter den Neuwählern für die Bundestagswahl 2013 sollen keine Preise verlost werden - und über Preise an der Teilnahme an der Bundestagswahlen schweigt sich der Aprilscherz auch aus. Wahrscheinlich wurde der Grundgesetz-Artikel von der freien und geheimen Wahl doch etwas ernster genommen.
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