NPD-Funktionär als Bürgerreporter Bürgernahes Profil

von Tomas Sager - 12.07.2010
NPD-Funktionär und Kommunalpolitiker aus Nordrhein-Westfalen schreibt für die Internetseite „Lokalkompass“ – und die hängt mit der WAZ-Gruppe zusammen.

Timo Pradel, Landesorganisationsleiter der NPD in Nordrhein-Westfalen, Kreistagsmitglied im Märkischen Kreis und Stadtrat in Iserlohn, ist seit Neuestem auch als „Bürgerreporter“ unterwegs.

„Bürgerreporter“ sucht die Westdeutsche Verlags- und Werbegesellschaft (WVW), eine Tochter der WAZ-Gruppe, die unter dem Dach der WVW die meisten ihrer Anzeigenblätter bündelt. Die Hobby-Autoren sollen eine eigens eingerichtete Internetseite kostengünstig mit lokalen Inhalten füllen. Die besten Beiträge werden dann auch im jeweiligen Anzeigenblatt nachgedruckt.

Beinahe wortgleicher Beitrag auf der NPD-Seite

Pradels erster Beitrag als „Bürgerreporter“ auf der Internetseite „Lokalkompass“ beschäftigte sich mit Graffiti, die das Stadtbild verunzieren. In seinem zweiten Text preist er sein Wirken im Stadtrat und seinen „haushaltspolitischen Sachverstand“. Dabei gibt er sich im Ton gemäßigt. Anders als in einem beinahe wortgleichen Beitrag zum selben Thema auf den lokalen Internetseiten der NPD verzichtet er in der „Bürgerreporter“-Version unter anderem darauf, SPD, CDU, FDP, Grüne, Linke und UWG als „Blockparteien“ und ihre Ratsmitglieder als „beratungsresistent“ zu beschimpfen. Die Botschaft, die er vermitteln will, ist dennoch klar: Timo Pradel als der Einzelkämpfer mit Durchblick gegen den Rest des Rates.

Der Redakteur des Iserlohner WVW-Blattes „Stadtspiegel“ findet es nicht anstößig, dass dem NPD-Funktionär ein Forum gegeben wird. „Warum müssten wir das?“, antwortete er nach dem ersten Beitrag Pradels auf die Frage, ob man sich die Leute, die als „Reporter“ aktiv werden wollen, vorher genauer anschaue. Zudem sei die NPD nicht verboten. Wenn er in Pradels Beiträgen „etwas Auffälliges“ finde, werde er eingreifen, versichert er. Ansonsten sei er der Auffassung: „Die sollen sich selbst entlarven.“

„Community für alle offen“

Auch bei der WVW-Zentrale in Essen wird darauf verwiesen, die Internetseite „Lokalkompass“ sei eine „Community, die für alle offen ist“, soweit die Autoren sich an die Nutzungsbedingungen halten würden. Pradel sei bereits angedeutet worden, dass er „sofort rausfliegt, wenn er rechtes Gedankengut verbreitet“.

In seinen Texten will der NPD-Funktionär aber weder „sich selbst entlarven“ noch durch provokatorische Sprüche seinen Rausschmiss provozieren. Wichtiger dürfte ihm die Möglichkeit sein, das Forum eines angesehenen Verlags zu nutzen, um als „bürgernaher“ und „unideologischer“, um Sachlichkeit bemühter Kommunalpolitiker zu erscheinen.

Bürgernah stellt er sich auch in seinem Profil dar: kinder- und tierlieb, heimat- und naturverbunden, fährt gerne Motorrad und Mountainbike, wandert, kocht, sauniert etc. pp. Und seine bevorzugte Lektüre? Das Grundgesetz nennt er an erster Stelle. So ganz kann er seine politische Herkunft aber dann doch nicht verleugnen: An dritter Stelle erwähnt er „Evolution und Wissen“. Autor des in Deutschland indizierten Buchs ist der österreichische Altnazi Herbert Schweiger, der in seiner Heimat mehrmals wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt worden ist.

 

Dieser Beitrag ist erschienen im Blick nach Rechts

 

Aktualisierung: Timo Pradel gehört mittlerweile nicht mehr zu den „Bürgerreportern“ der Anzeigenblätter des WAZ-Konzerns. Pradel sei auf der Internetseite „Lokalkompass.de“, auf der die Berichte der „Bürgerreporter“ veröffentlicht werden, gesperrt worden, da er gegen die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Portals verstoßen habe, hieß es heute in der WAZ-Zentrale in Essen. Sein Profil und seine Inhalte seien nicht mehr erreichbar. 

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