Integration durch Dialog Bildungsziel ist der freie Geist

von Harald Sawatzki - 12.05.2010

Dieser Beitrag erscheint mit freundlicher Genehmigung der DEMO - die Monatszeitschrift für Kommunalpolitik

Man spricht deutsch. Das wird einer der wichtigsten Grundsätze im ersten muslimischen Kindergarten Mannheims sein, dessen Realisierung so sicher wie das Amen in der Kirche ist, nachdem der Gemeinderat das Projekt im Frühjahr mit großer Mehrheit – nur die CDU-Vertreter stimmten dagegen – auf den Weg gebracht hat.

Erleichterung also bei Claus Preißler, dem städtischen Migrationsbeauftragten, und der zuständigen Dezernentin Gabriele Warminski-Leitheußer, SPD, die sich beide seit langem für diese Kindertagesstätte engagieren. Mit Rückendeckung des OB Dr. Peter Kurz (SPD), der in einer erfolgreichen Integrationspolitik der Zuwanderer Mannheims den Schlüssel für die „Zukunftsfähigkeit der Stadtgesellschaft“ sieht.

Für Schulbürgermeisterin Warminski-Leitheußer steht außer Frage, dass diese Einrichtung einen wesentlichen Beitrag „zur Gestaltung eines gelingenden Gemeinwesens“ leisten kann. Trägerverein wird die Türkisch-Islamische Anstalt für Religion e.V. (Ditib) und „Ditib hat ein Interesse daran, dass der Kindergarten ein Erfolg wird“. Diese vom Trägerverein „gelebte Integration“ ab dem Kindergartenalter wäre auch ganz im Sinne der Dezernentin, die als Absicht der Kommune formuliert: „Unser Bildungsziel ist der freie Geist."

„Gelebte Integration“

Teilhabe am Leben der Mehrheitsgesellschaft, so wie sie der muslimische Kindergarten eröffnen soll, können Vertreter von rd. 80 Migrantenvereinen auf einer anderen Ebene fortsetzen: Nachdem die Stadt strukturelle Veränderungen durchsetzte, formiert sich dieser Tage ein neuer Migrationsbeirat, der 20 Migranten umfassen wird. Sie wurden von einem Expertenforum aus über 100 Bewerbern ausgewählt und sollen die Kommunalpolitik als sachkundige Bürger beraten, da sie die migrationsspezifischen Interessen am besten kennen.

Diese Entwicklungen passen in eine Stadt, in der 37 Prozent der 325 000 Einwohner einen Migrationshintergrund besitzen. OB Kurz wird denn auch nicht müde darauf hinzuweisen, „dass Zuwanderung die Stadt geprägt hat“, und dies seit ihrer Gründung 1607. Das Zusammenleben von Menschen „mit unterschiedlichen kulturellen, sozialen, religiösen und weltanschaulichen Hintergründen“ sorgt bis heute für „fortdauernde Veränderungsprozesse der Stadtgesellschaft“. „Teilhabe“, ein vielleicht sperriger Begriff, befördert die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, sich mit dem Gemeinwesen identifizieren zu können.

Integration bedeutet mehr als Politik für Migranten

Wer der Pluralität das Wort redet, der darf freilich neben den nur zu oft im abseits stehenden Zuwanderern auch jene Gruppe der Bevölkerung nicht aus den Augen verlieren, die aus ganz anderen Gründen am Rande der Gesellschaft stehen: Behinderte etwa, arbeitslose Jugendliche oder all die Empfänger von Transferleistungen, die oft unverschuldet in Not geraten sind und für die es ohne fremde Hilfe vielleicht kein Leben in Würde mehr gibt.

Am Beispiel der Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger exerziert Mannheim seit Jahren mit seinem Job-Center, wie effektive Hilfen organisiert werden können. Während Ratsuchende anderswo von Pontius zu Pilatus geschickt werden, ehe Unterstützung geboten wird, organisiert die Stadt Hilfe aus einer Hand. Mit ermutigenden Erfolgen: Bei den Langzeitarbeitslosen halbierte Mannheim die Schlange der Jobsuchenden innerhalb weniger Jahre.

"Gerechte Verteilung der Lebenschancen“

Ein weiteres integratives Gremium rief die Stadtmütter und -väter vor drei Jahren ins Leben: Damals richtete man das Behindertenforum ein. Peter Kurz versprach bei der Gründung, die Stadt werde bei ihren kommunalen Planungen „die Belange der Menschen mit Behinderungen berücksichtigen“. Ein Beauftragter für diese Personengruppe fungiert als Koordinationspartner zwischen Betroffenen, Verwaltung und Öffentlichkeit. Berichte zur Lage der Behinderten zeigen Erfolge und Schwachstellen der Anstrengungen, die für die Behinderten unternommen werden.

Ob und wie die Städte die Zukunft meistern, das hängt nach der Einschätzung von Peter Kurz sehr wesentlich davon ab, ob die „Mehrheitsgesellschaft“ die Pluralität ihrer Bewohner akzeptiert. Dabei, ist Kurz überzeugt, „können wir in Mannheim zufrieden sein“. Diese Erkenntnis gelte aber noch nicht für die objektiven Integrationserfolge und für eine „gerechte Verteilung der Lebenschancen“. Bei der Verfolgung dieses Ziels mochte man sich in Mannheim nicht auf Zufälle verlassen: Formuliert wurden „Ziele und Grundsätze einer Integrationspolitik“, die in eine Art kommunale Verfassung gegossen wurden.

 

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Channel: Inland  Bildung  
AutorIn: Harald Sawatzki  

Integration

Bild von JFranzot

Ich halte jede Art der Ghetto-Bildung für gefährlich. Wer wohnte vor 1941 in den Ghettos und was geschah mit ihnen nach Wannsee?
Wenn man einander kennt, dann kann man auch mehr Verständnis für die Anderen aufbringen. Das Unbekannte kommt einem bedrohlich vor. Wer sich bedroht fühlt, der schießt. Wir sind immer noch die Erben der Jäger.
Nur die Integration kann dem Rasismus Einhalt gebieten.

Muslimischer Kindergarten in Mannheim

Bild von Lars Detmers

Meines Erachtens sind muslimische Kindergärten genau der falsche Weg.

Wir haben an der Alfred Delp Schule (Mannheim-Gartenstadt - nicht unbedingt DER soziale Brennpunkt) 2 Grundschulförderklassen, davon eine Klasse ausschliesslich mit "Migrationshintergrund". (Zur Erklärung: Kinder, die nicht eingeschult werden - z.B. wegen Entwicklungsverzögerung oder mangelnder Sprachkenntnisse besuchen die Grundschulförderklasse).

Auch in der Kindergartengruppe unseres Sohnes sind mehrere türkische Kinder, die miteinander türkisch sprechen - wenn sie alleine sind - dies wird jedoch von der Erzieherin normalerweise unterbunden...

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die türkischen Kinder im muslimischen Kindergarten zum Sprechen der deutschen Sprache angehalten werden. Wenn dann zu Hause auch nur türkisch gesprochen wird, wie sollen diese Kinder die deutsche Sprache lernen? Wie überall gibt es auch rühmliche Ausnahmen... in der Gruppe unserers Sohnes oder unserer Tochter war ein türkisches Mädchen... die Mutter beklagte sich, dass ihre 3jährige Tochter noch Probleme mit der Vergangenheitsform hätte.... meine Frau hatte sie dann beruhigt, das wäre in dem Alter normal... :)

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