„Eine Biographie im eigentlichen Sinn konnte und sollte das Buch nicht werden. Dafür bin ich zu sehr Beteiligter gewesen“, schreibt Berend Hartnagel im Vorwort zu seinem Buch. Und genau diese Charakterisierung trifft den Kern des Buches. Es ist eine sehr persönliche Schilderung des gemeinsamen Lebens mit Anke Hartnagel, die von 1998 bis 2004 für Hamburg Nord im Bundestag saß.
„Hol di stief mien Deern“
Man erfährt, dass ihr die Umweltpolitik lebenslang ein wichtiges Anliegen war. In ihrer letzten Rede im Bundestag im Jahr 2003 trifft sie eine Aussage, die bis heute nicht an Aktualität verloren hat: „Die Förderung regenerativer Energien ist untrennbar mit der Armutsbekämpfung verknüpft. Wir, die Industrieländer, tragen dabei eine große Verantwortung. (…) Erst wenn es den Entwicklungsländern gelingt, ihre heimische Erneuerbare Energie zu nutzen, werden sie aus der Energie- und damit aus der Armutsfalle herauskommen. Und um auch dies klar zu sagen: Atomenergie kann hierbei nicht die Lösung sein“.
Berend Hartnagel schildert die verschiedenen Stationen des Lebens mit seiner Frau, darunter auch die gemeinsame Zeit in Afrika und Südamerika. Am Anfang und am Ende des Buches stehen zwei ungeschriebene Briefe: der erste von Anke Hartnagel an ihren Mann, der letzte von Berend Hartnagel an seine bereits verstorbene Frau. Im letzten wird deutlich, dass das Buch auch eine Form der Bewältigung des Verlusts von Anke Hartnagel darstellt: „Ich musste Dir das jetzt alles noch einmal erzählen und auch spüren, was Du vielleicht in den vielen folgenden Jahren hättest erzählen wollen. Hol di stief mien Deern, Ber.“
„Ich habe hunderte von Briefen gelesen – oftmals tief betroffen“
Die Krankheitsgeschichte von Anke Hartnagel, aber auch der Verlust eines gemeinsamen Kindes sind traurige Momente des Buches. Demgegenüber steht die Freude über die gemeinsame Zeit mit zwei gesunden Söhnen und das unermüdliche Engagement für die Politik. Berend Hartnagel, den immer wieder auch Zweifel an der Beziehung zu Anke Hartnagel plagten, hat das Buch verfasst, um seine Frau von einer – möglicherweise – neuen Seite kennen zu lernen. „So viele und so verschiedene Menschen sprechen voller Bewunderung, Respekt und Dankbarkeit von dieser Frau – sollte mir in dreißig Jahren des Zusammenlebens etwas entgangen sein? (…) Ich habe hunderte von Briefen gelesen – oftmals tief betroffen“.
Er kannte die SPD-Politikerin sicherlich am besten – der Leser aber kann sie dank des Buches tiefer, persönlicher und besser kennen lernen als es bei den meisten Bundestagsabgeordneten jemals möglich sein wird. Die Authentizität, die innere Überzeugung und die Unermüdlichkeit von Anke Hartnagel sind ein Beispiel für Engagement in der Politik, wie man es sich überall wünschen würde.
Berend Hartnagel „Ich schenke Dir eine Sommerwiese – Erinnerungen an eine tapfere Frau und authentische Politikerin Anke Hartnagel 1942-2004“, 218 Seiten, 2009, Hannover, ISBN 978-3-00-028110-5, Druck und Bindung: Buchfabrik Halle, www.buchfabrik-halle.de



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Ah ja.
die hühner
Felix Krebs