Hip Hop trifft Straßensozialarbeit Berlin Bronx Connection

von Olad Aden - 17.03.2010

Mehr Informationen über die Projekte von Gangway e.V. finden Sie unter www.gangway.de

Jugendliche auf Berliner Straßen sehen sich mit einer Menge Probleme konfrontiert, die von der Öffentlichkeit oft nicht wahrgenommen, den Medien pauschalisiert und von Politikern als Futter für ihre diversen Wahlkämpfe benutzt werden. Über Angebote zur konkreten Verbesserung ihrer Lebensumstände berichtet Olad Aden vom Verein Gangway e.V.

Seit  20 Jahren arbeitet der Berliner Verein Gangway e.V. mit sozial benachteiligten Jugendlichen auf den Straßen der Hauptstadt. Durch die Nutzung des Internets hat sich die Straßensozialarbeit in dieser Zeit zwar verändert, die Probleme der Jugendlichen sind jedoch weitestgehend die gleichen geblieben.

Alltägliche Themen unserer Jugendlichen sind (immer noch) Armut, schlechte Bildung und schlechte Bildungschancen, keine oder zu wenige Ausbildungsplätze sowie keinen oder zu geringen Kontakt zur Erwachsenenwelt. Hinzu kommt, dass es immer weniger sinnvolle Freizeitangebote und Jugendeinrichtungen gibt und damit Lücken entstehen, die von Dritten gefüllt werden. In westlichen Bezirken können die z.B. als organisiertes Verbrechen (oder Gangs) bezeichnet werden, in östlichen Stadtteilen auch als rechtsradikale Organisationen.

Natürlich kann beides auch andersherum der Fall sein. Ihr Ziel ist jedoch in beiden Fällen das gleiche: Jugendliche, die zum Teil sehr zornig und/oder sich nicht dazu gehörig fühlen, für ihre Zwecke zu rekrutieren.

Breakdance statt Messerstechereien

Obwohl nicht jeder in dieser Stadt lebende Jugendliche als „Hip Hopper“ oder Hip Hop-Hörender zu bezeichnen ist, kann man Hip Hop als die heute bei weitem populärste und gleichzeitig fehlverstandenste Jugendkultur der Welt bezeichnen. Einst eine Kultur als Alternative zur Gewalt („Breakdance statt Messerstechereien“) ins Leben gerufen, die in ihrem Uhrsprung nie homophob oder frauenfeindlich und nur von Gewalt als Reaktion und/oder Sprachrohr auf die sozialen Umstände derer, die sie erschufen, geprägt, stellt sie heute größtenteils eine Möglichkeit für Industrie dar jede Menge Jeans, Sportgetränke und eine Reihe andere „Produkte“ zu verkaufen.

Was vor 35 Jahren als Kultur „sozial Ausgegrenzter“ begann, hat sich über Jahre in eine Milliardenindustrie entwickelt und somit sehen ihre heutigen „Stars“ eher wie Charaktere aus Hollywood-Action-Filmen aus, als die Künstler die es einst begannen oder die vielen Künstler die sich heute immer noch in der Szene tummeln.

So haben wir es auf den Straßen mit Jugendlichen zu tun, die in großem Maße Hip Hop Musik konsumieren, zum Teil selbst Texte verfassen, von der Kultur begeistert sind und sich ihr zu gehörig fühlen. Trotzdem haben die meisten von ihnen ein sehr begrenztes oder nicht vorhandenes Wissen über die Entstehungsgeschichte und ihrer eigentlichen Philosophie. Durch das, was ihnen von Morgens bis Abends durch die Massenmedien als „Hip Hop“ aufgetischt wird, fühlen viele Jugendliche sich in bereits bestehenden Vorurteilen bestätigt.

Positive Vorbilder setzen Trends

Das Projekt GangwayBeatzBerlin samt ihrer Folgeprojekte, der „BronxBerlinConnection“ und dem bald beginnenden „Rap District“ setzt sich mit vielen Fragen auseinander. Unsere Erfahrungen zeigen, dass Hip Hop die perfekte Plattform darstellt, um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, die es nicht gewöhnt über ihre Gefühle zu diskutieren. Alternativ zu bilden (denn nach einer Stunde im Hip Hop Workshop redet man meist über Dinge die weit über Hip Hop hinausgehen). Türen für andere Gesprächsthemen zu öffnen. Bedarfe zu ermitteln. Vertrauensverhältnisse zu stärken/zu schaffen. Stärken und Talente Jugendlicher zu fördern/Selbstvertrauen zu stärken. Freizeit sinnvoll zu gestalten. Jugendliche als Multiplikatoren auszubilden, damit sie Fähigkeiten an andere Jugendliche weitergeben (positive Vorbilder, Trends setzen), ganz nach dem Motto: Each one, teach one.

Zur Zeit läuft der zweite, dieses Mal transnationale Durchgang von GangwayBeatBerlin/NYC  und das fertige Album ist im September 2010 zu erwarten. Seit bereits einem Jahr wurden ca. 60 jugendliche Nachwuchstalente (männlich und weiblich) von den Straßen dieser Hauptstadt in Workshop settings (gleich drei an der Zahl die parallel zueinander durchgeführt wurden) auf dieses Projekt vorbereitet. Wir gestalten es so, dass sie ihre Geschichte jenseits von Klischees und/oder Ghetto Märchen erzählen können und mit „realness“ ein Erfolgserlebnis haben und sich in diesem Prozess neu erleben.

Nun stehen diese Jugendlichen auf beiden Seiten des Atlantiks (Berlin und New York City) bis zum 31 März mit Szenengrößen und Künstlern aus der Musikwelt im Studio, um das Album aufzunehmen. Am Ende werden junge Menschen und MC´s aus Berlin und New York City uns auf dem Album aus ihren Leben in ihren Städten berichten.

Zur Record Release Party im September dürfen wir uns dann auf die Jugendlichen aus New York City freuen, die zu diesem Ereignis anreisen und mit uns auf der Bühne feiern werden.

Die Partnerstadt die in diesem Jahr New York City heißt, könnte in folgenden Jahren Paris, Istanbul oder Bagdad sein. Die Idee ist, Jugendliche aus urbanen Lebensräumen zusammen bringen, die Situationen zu vergleichen und zu analysieren, um auf internationaler Ebene, gemeinsam Lösungen zu finden.

Wie so häufig sind tolle Projektideen nur dann umsetzbar, wenn sie finanziell adäquat gefördert werden. Das Netzwerk steht, unsere Projekte haben begonnen. Jedoch gibt es „Problemkieze“ in jedem Stadtteil Berlins, in jeder großen und kleinen Stadt Deutschlands. Wir können also in der Tat jegliche Unterstützung gebrauchen.

Mehr Informationen zum Spenden und zur Projektförderung können Leser bei www.gangway.de finden.

 

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Channel: Kultur  
AutorIn: Olad Aden  

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