vorwärts.de: Haben Sie damit gerechnet, dass die Deutsche Bahn auf die Veröffentlichung des Memos auf netzpolitik.org reagiert? Im Prinzip stand ja in dem Memo nichts Neues.
Markus Beckedahl: Ich hab nicht damit gerechnet, dass die Deutsche Bahn AG so reagieren wird. Das Memo geisterte schon durch die Redaktionen und die meisten relevanten News waren schon woanders geschrieben. Ich hab es trotzdem online gestellt, weil ich denke, dass jeder sich selbst eine Meinung bilden können soll. Und bis zur Abmahnung interessierte das Memo relativ wenig Menschen. Das hat sich jetzt geändert.
Zeigt die Reaktion der Bahn eine Unsicherheit im Umgang mit einer neuen Art von Berichterstattern jenseits der klassischen Medien, nämlich den Bloggern?
Die Presseabteilung der Deutschen Bahn AG hat erst spät davon mitbekommen, als erste Journalisten anriefen. Da war die Welle im Netz schon riesig. Die Abmahnung ging ja auch von der Rechtsabteilung aus und war sicher nicht mit der Presseabteilung koordiniert.
Ich bin mal gespannt, wie jetzt reagiert wird. Von mir aus kann ruhig von Seiten der
Deutschen Bahn AG auf die Forderungen in der Abmahnung verzichtet werden
und gut ist es.
Werden Sie es auf einen Rechtstreit ankommen lassen?
Ich werde es auf einen Rechtsstreit ankommen lassen. Meine Anwälte haben
mir gute Chancen signalisiert und meinem Empfinden nach sollte das
Veröffentlichen eines solchen Dokumentes von der Pressefreiheit
geschützt sein.
Werden Sie in Zukunft vorsichtiger agieren?
Ich werde auch zukünftig relevante Dokumente weiter veröffentlichen, wenn sie mir zugespielt werden. Eventuell werde ich dazu ggf auf Server im Ausland ausweichen, wie z.B. Wikileaks.org, um mir unnötigen Stress mit den Rechtsabteilungen von großen Konzernen zu ersparen.
Interview: Karsten Wiedemann
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