Politische Lesereise von Günter Grass Auf Tour für die SPD

von Gero Fischer - 08.09.2009
Auch nach über 40 Jahren Engagement für die SPD ist er noch nicht müde. Ein gut aufgelegter Günter Grass hat heute in Berlin-Kreuzberg seine politische Lesereise begonnen. Zusammen mit dem Vorsitzenden des SPD-Kulturforums, Wolfgang Thierse, und dem Kreuzberger Bundestagskandidaten, Björn Böhning, stellte Grass das Programm der Reise vor. Sie führt ihn in den nächsten zehn Tagen durch fünf ostdeutsche Städte.

Es sei ihm eine besondere Freude, seine Tour in Berlin-Kreuzberg beginnen zu können und damit einen jungen Kandidaten wie Björn Böhning zu unterstützen, sagte der Nobelpreisträger über den Auftakt seiner Reise. Nicht nur weil sie mit Lübeck die gleiche Heimatstadt hätten, hoffe er, Björn Böhning mit seiner erfrischenden Herangehensweise bald im Bundestag sehen zu können.

Wahlkampf als Notwendigkeit

Die Reise ist keine gewöhnliche Lesereise des Autors Grass, sondern sie ist vor allem „Wahlkampf für die SPD“, wie Günter Grass ausdrücklich betont. Für ihn ist sein Engagement im SPD-Wahlkampf eine Notwendigkeit, die sich nicht zuletzt aus der Geschichte der Sozialdemokratie ergibt: „Die SPD war mit all ihren Stärken und Fehlern immer der Garant für die demokratische Entwicklung in Deutschland.“ Um Deutschland wäre es daher schlecht bestellt mit einer schwachen Sozialdemokratie.

SPD ist gut aufgestellt

Der geschichtsversessene Schriftsteller richtet seinen Blick aber auch auf die Gegenwart. Hier sieht er die SPD im Wahlkampf gut aufgestellt. Vor allem Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Finanzminister Peer Steinbrück hätten in der Krise ihre Führungsqualitäten bewiesen und Schlimmeres verhindert. Beide vergleicht er mit einem sozialdemokratischen Erfolgsduo aus früheren Zeiten, Willy Brandt und Karl Schiller. Damit erinnert Grass gleichzeitig daran, dass es 1969 schon einmal der Außenminister einer großen Koalition ins Kanzleramt geschafft hat. „Ein gutes Omen“, wie Grass meint.

Demagoge Westerwelle

Zornig und keineswegs altersmilde zeigt sich der Autor, wenn er auf den politischen Gegner zu sprechen kommt. Es sei eine Schande, wenn die FDP ausgerechnet in der Zeit einen Aufschwung erfahre, in der sie abgestraft gehöre. Herr Westerwelle entpuppe sich mit seinen Steuersenkungsversprechen als Schaumschläger und Demagoge. „Als hätte er beim Meister der Demagogie, Oskar Lafontaine, persönlich gelernt.“ Der Nobelpreisträger appelliert an den Verstand der Wähler: „Dies bitte ich zu durchschauen, wenn man seine Wahlentscheidung trifft!“

Mit seiner Lesereise will Grass den bisher „viel zu laschen“ Wahlkampf  ein bisschen aufmischen und beleben: „Einen Herbert Wehner kann ich zwar nicht ersetzen, aber ich werde es versuchen!“

 

 

Die Reise führt den Autor der "Blechtrommel" in den nächsten Tagen über Neuenhagen, Eberswalde, Stralsund, Halle, Dresden zurück nach Berlin. Die genauen Termine erfahren Sie hier.
 

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