Antworten sucht die Studie in den fünf Themenfeldern „Bildung und Erziehung“, „Arbeitsmarkt“, „Migration“, „Behindertenhilfe und Psychiatrie“ sowie „Altenhilfe“. Aus der Zustandsanalyse leiten sich jeweils politische Forderungen der AWO ab. „Der Zugang zu Bildung ist der entscheidende Hebel, um Chancengleichheit zu verwirklichen. Doch unsere separaten und stark selektiv wirkenden Bildungseinrichtungen verstärken immer noch die soziale Benachteiligung von viel zu vielen Kindern und Jugendlichen“, stellt der Sozialbericht fest. Vor allem beim Übergang von der Schule in den Beruf wirke sich diese Benachteiligung aus. Auffangmaßnahmen gebe es zwar, die seien aber schlecht verzahnt und kaum wirksam. Die Bedeutung der frühkindlichen Erziehung habe die Politik zwar mittlerweile erkannt, reagiere aber nur halbherzig. Die AWO fordert kostenfreie Bildung, eine Grundsicherung für Kinder, Ganztagsangebote und die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems.
Mindestlöhne gegen Lohndumping
Im Feld Arbeit würden von Behördenseite die Lebensumstände der Betroffenen häufig zu wenig berücksichtigt. Alleinerziehende und Arbeitslose, die von psychischen Erkrankungen wie Depression oder Sucht betroffen seien, müsste mit individuellen Maßnahmen geholfen werden. Generell fordert die AWO eine bessere Anerkennung von Bildungs-, Eltern- und Pflegephasen, die Einführung von flexibleren Arbeitszeiten und Arbeitszeitkonten, die schließlich auch den Übergang in den Ruhestand erleichtern sollen. Mindestlöhne sollen die angemessene Vergütung von Arbeit garantieren.
Ausländische Qualifikationen besser anerkennen
Der Sozialbericht stellt weiter fest, dass die Leistung angeworbener Arbeitskräfte beim Aufbau der Bundesrepublik zu wenig gewürdigt werde. Es sei erforderlich, ausländische Qualifikationen besser anzuerkennen. Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft sollten, so die AWO, nicht gezwungen werden, sich bei Volljährigkeit für eine der beiden Nationalitäten zu entscheiden.
Im Bereich Behindertenhilfe dürften sich die Anstrengungen nicht auf die Einführung integrativer Kindergärten und Grundschulen beschränken. Die AWO plädiert für weniger Sonderschulen und mehr Integration. Wohngruppen seien der Isolation von Heimen vorzuziehen, mehr Eingliederungshilfe müsse geleistet werden. Die gleiche Forderung gilt auch für die Altenhilfe. Auch da müsse das Motto „ambulant statt stationär“ lauten. Einem Mangel an Fachkräften müsse entgegengewirkt werden.
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