Deutsche im spanischen Bürgerkrieg „Sie kämpften für die Freiheit“

von Michael Berger - 18.04.2009
Vor 70 Jahren endete der Spanische Bürgerkrieg mit dem Sieg der Faschisten über die demokratisch gewählte Volksfrontregierung. Ausgelöst wurde der Krieg 1936 durch den versuchten Staatsstreich einer Offiziersjunta unter Führung des Generals Franco, die in Spanien eine faschistisch-klerikale Diktatur errichten wollte. Nach anfangs raschen Erfolgen stießen die Putschisten auf die zunehmende Gegenwehr der Regierungstruppen und Internationalen Brigaden, in denen auch viele deutsche Linke und jüdische Freiwillige kämpften.

Der spanische Bürgerkrieg zog sich bis in den späten März 1939. Große Teile des Landes wurden verwüstet, es gab zahllose Opfer, vor allem unter der Zivilbevölkerung.

Der Sieg Francos war in erster Linie auf die massive Intervention Hitlers und Mussolinis auf Seiten der Faschisten zurückzuführen. Deutschland und Frankreich schickten nicht nur Truppen sondern auch moderne Waffen in großer Zahl. Der Kriegseinsatz des deutschen Expeditionskorps diente Hitler als Generalprobe für seinen Vernichtungskrieg in Europa. Im September 1939 legten seine durch die Luftangriffe auf Guernica und andere spanische Städte geübten Luftwaffenpiloten Warschau in Schutt und Asche.

Die Spanische Republik war zunächst innerhalb der westlichen Welt recht isoliert, allein aus Mexico kamen Waffen. Erst ab Oktober 1936 lieferte die Sowjetunion Waffen in größerem Umfang und entsandte Militärberater.

Internationale Sympathie für Republikaner

Aber gerade diese wenig aussichtsreiche Lage sicherte der Republik die uneingeschränkte Anteilnahme der Weltöffentlichkeit. Wie selbstverständlich waren die Sympathien der Sozialisten, Kommunisten, Liberalen, Bürgerlichen und auch der Juden in ganz Europa auf Seiten der Republik. Sie wussten, was ein Sieg Francos und Hitlers für die freien Völker Europas bedeuten würde.

Viele von ihnen waren Deutsche, die bereits 1933 emigriert waren oder nach Ausbruch des Krieges als Freiwillige nach Spanien eilten, um für die politischen Ziele zu kämpfen, für die sie in Deutschland verfolgt wurden. Zum zahlenmäßig größten Teil der Emigranten gehörten Juden, die nach der Machtübernahme Hitlers durch die antisemitische Gesetzgebung der Nazis und die zahlreichen Pogrome physisch bedroht wurden.

Dazu kamen die Personen, die aus parteipolitischen Gründen verfolgt wurden, Kommunisten, Sozialdemokraten sowie Gruppierungen liberaler und christlicher Politiker. Die deutschen Emigranten stellten sich ohne Zögern in den Dienst der Spanischen Republik, vielfach aus der Überzeugung, dass ihr Einsatz in Spanien zugleich ein Kampf gegen Nazideutschland war.

Juden und Sozialdemokraten

Mehr als 5000 Deutsche kämpften in den Milizen, im Heer der Spanischen Republik und in den Internationalen Brigaden. Einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Emigration, der aus Österreich stammende Sozialdemokrat Julius Deutsch, Frontoffizier im Ersten Weltkrieg, nach dem Krieg zeitweilig Staatssekretär im Wiener Heeresministerium, ging als Militärberater nach Spanien, wurde dann General und Kommandeur der 3. Spanischen Division. Der sozialdemokratische Journalist Rolf Reventlow war zunächst Leiter des Sekretariats für internationale Propaganda der Sozialistischen Spanischen Arbeiterpartei (PSOE), später dann Offizier und Bataillonskommandeur.

Die Kampfgruppe „Thälmann“, im Juli 1936 als erste internationale Einheit aufgestellt, wurde von dem deutschen Juden Max Friedemann geführt. Erster Kommandeur der XI. Internationalen Brigade war der österreichische Jude Manfred Stern, Mitglied der KP seit 1920. Das 3. Bataillon der Brigade, das Bataillon „Ernst Thälmann“, stand unter dem Befehl des Schriftstellers Ludwig Renn. Renn hatte im Ersten Weltkrieg unter seinem Geburtsnamen Arnold Vieth von Golssenau als königlich-sächsischer Gardeoffizier gedient und war Ende der zwanziger Jahre der KPD beigetreten. Ein weiterer Weltkriegsoffizier, der KPD-Funktionär Wilhelm Zaisser, Kommandeur der XIII. Brigade, wurde später Minister für Staatssicherheit in der DDR.

Auch Richard Staimer und Heiner Rau, beide Kommandeure der XI. Brigade, stiegen in der DDR in Führungsfunktionen auf. Der aus München stammende Hans Beimler, KPD-Vertreter in Spanien, zuständig für die Betreuung der deutschen Freiwilligen, erlangte durch seinen Tod an der Front – Beimler fiel am 1. Dezember 1936 am Stadtrand von Madrid – eine symbolische Bedeutung für den Einsatz deutscher Freiwilliger im Bürgerkrieg.

Brandt als Journalist an der Front

Auch in den anarchistischen Milizen kämpften circa 200 Deutsche, bekannt ist der Namen einer kleinen Einheit, die „Centuria Erich Mühsam“.

Hunderte waren in Dienststellen der Republik, in den Büros ihrer Parteien und Gewerkschaften eingesetzt, als Berater, Verbindungsleute, Propagandisten und Journalisten. Max Diamant, Peter Blachstein und Willy Brandt arbeiteten als Verbindungsleute der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) im deutschen Büro der Arbeiterpartei der marxistischen Einigung (POUM), Diamant und Brandt leiteten das Büro von Herbst 1936 bis Juni 1937. Willy Brandt wurde als journalistischer Beobachter zugleich Zeuge der wichtigsten Phase des spanischen Bürgerkriegs.

Wie am Beispiel der von Mitgliedern linker Parteien und christlicher Kreise gebildeten Widerstandsgruppen in Deutschland, die im Vergleich zum militärischen Widerstand gegen Hitler in der nationalen Erinnerungskultur stets eine untergeordnete Rolle spielten, mussten auch die ehemaligen Spanienkämpfer in der Bundesrepublik jahrzehntelang um ihre Anerkennung kämpfen.

"Rote Söldner" wenig geliebt in Adenauer-Zeit

Während in der DDR die Geschichte der Spanienkämpfer in die Tradition des antifaschistischen Widerstandes einbezogen wurde, stießen sie in der Bundesrepublik als „Bolschewisten und rote Söldner“ auf Ablehnung, zumal die Adenauer-Regierung zum Franco-Regime gute Beziehungen unterhielt. Erst 1972 wurden die ehemaligen Interbrigadisten hinsichtlich ihrer Versorgungsansprüche den Condor-Legionären gleichgestellt; diese längst überfällige sozialpolitische Korrektur konnte offensichtlich erst unter einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung umgesetzt werden.

Verbrechen der Legion Condor ungesühnt

Die von der Legion Condor an der Zivilbevölkerung verübten Kriegsverbrechen – dem Luftangriff auf Guernica fielen hunderte Zivilisten zum Opfer - sind bis heute ungesühnt. Auch blieben die Einsätze der Legion Condor in der Bundesrepublik Deutschland vielfach Gegenstand unreflektierter Verehrung. Dies führte zu zahlreichen Benennungen sowohl außer- als auch innerhalb der Bundeswehr, unter anderem mit dem Traditionsnamen Mölders.

Diesem Spuk setzte der damalige Bundesminister der Verteidigung Peter Struck im Jahre 2005 auf Grundlage eines Bundestagsbeschlusses vom April 1998 sowie eines im August 2004 vorgelegten Gutachtens des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes mit der Umbenennung des nach dem Legion Condor Jagdflieger Werner Mölders benannten Jagdgeschwaders ein energisches und endgültiges Ende.

Michael Thomas Berger arbeit beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam.

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Channel: Geschichte  
AutorIn: Michael Berger  

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