Interview mit Jochen König, Ideenfinder der StudiVZ/meinVZ-Kampagne „Meine Stimme zählt!“

von Karsten Wenzlaff - 16.06.2009
Jochen König konzipierte für das Social Network StudiVZ/meinVZ die Wahl-Kampagne "Meine Stimme zählt". vorwärts.de sprach mit ihm über den Hintergrund der Kampagne und über Datenschutz im Netz.

vorwärts.de: Wie lange und wo sind Sie in der SPD aktiv?

König: Ich bin seit 2004 Mitglied im Ortsverein Besigheim. Zur SPD bin ich über ein Praktikum bei Hans-Martin Bury gekommen. 2005 war ich Wahlkampfleiter im Bundestagswahlkampf von Thorsten Majer im Wahlkreis 267 Neckar-Zaber.

Meine Mitgliedschaft bei der SPD hat jedoch nicht wirklich etwas mit der Wahl-Kampagne und meiner Tätigkeit in der VZ-Gruppe zu tun. Selbstverständlich ist die VZ-Gruppe als Betreiber von schülerVZ, studiVZ und meinVZ und Wahlzentrale absolut neutral. 

Wie kam es dazu, dass Sie für meinVZ/studiVZ die Wahlzentrale konzipiert haben?

Das Thema Online-Wahlkampf und politisch Partizipation im Web beschäftigt mich schon seit Beginn meines Studiums der Staatswissenschaften an der Universität Passau im Winter 2007.

Einen engen und guten Kontakt zu studiVZ habe ich seit Anfang 2007. Ich habe damals zusammen mit zwei Freunden schülerVZ mit aufgebaut und konnte in dieser Zeit zahlreiche Erfahrungen bezüglich sozialer Netzwerke sammeln und habe mich im Zuge dessen viel mit Politik im Web beschäftigt. Im vergangenen Oktober bekam ich dann das Angebot die Kampagne für die VZ-Gruppe zu konzipieren.

Im Herbst 2008 hat mich die VZ-Gruppe auch gebeten, mir den Obama-Wahlkampf vor Ort anzuschauen.

Was haben Sie sich genau angeguckt, als Sie zum Obama-Wahlkampf gefahren sind?

Besonders spannend war die Erkenntnis, dass das Obama-Online-Team aus hoch motivierten, professionellen jungen Menschen bestand, die ohne Ausnahme eine riesige Begeisterung ausstrahlten. Die meisten von ihnen hatten bereits an der Howard-Dean-Kampagne mitgewirkt und die e-Campaigning-Werkzeuge konsequent weiterentwickelt. 

studiVZ war in seiner Anfangszeit viel dafür kritisiert worden, den Datenschutz nicht genau zu nehmen. Wie schätzten Sie das jetzt ein?

Als größtes soziales Netzwerk in Deutschland ist Datenschutz ein zentrales und wichtiges Thema für uns. Wir bieten unseren Nutzern selbstverständlich hundertprozentigen Datenschutz nach deutschem Recht – ganz im Gegenteil zu beispielsweise amerikanischen Wettbewerbern.

Zudem bieten wir detaillierte Einstellungsmöglichkeiten zum Schutz der Privatsphäre an sowie Infos und Aufklärungsmaterialien zum richtigen und sicheren Umgang im Netz. 

Warum ist es für meinVZ/studiVZ wichtig, mit der Wahlzentrale die meinVZ/studiVZ-Nutzer für Politik zu begeistern?

Das Web – und speziell die VZ-Gruppe als größtes soziales Netzwerk in Deutschland –  hat im Superwahljahr erstmals die Chance, Millionen Jung- und Erstwähler für Politik zu begeistern und sie zum Wählen zu mobilisieren. Mit unserer Kampagne und der Wahlzentrale (www.meinvz.net/wahlzentrale) wollen wir genau das erreichen und damit gleichzeitig eine gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Unser Ziel ist,den Dialog zwischen politischen Entscheidungsträgern und den Nutzern deutlich erhöhen und zusammen mit unseren Medien- und Kooperationspartnern Politik und  politische Inhalte in neuen Formate zu vermitteln. 
 
Was macht einen guten Wahlkampf im Internet aus?

Einen guten Wahlkampf im Web machen meiner Meinung drei Dinge aus: Authentizität, die professionelle Nutzung von Online-Werkzeugen sowie die Bereitschaft sich auf neue Formen der Kommunikation einzulassen. Soziale Netzwerke spielen dabei eine Schlüsselrolle, da sie nicht nur Millionen Menschen untereinander vernetzen, sondern auch optimale Mittel für die politische Kommunikation bieten.

Voraussetzung ist  kontinuierliche Präsenz, Hintergrundinformationen zur Person, aktuelle Statusmeldungen und Nachrichten, exklusive Video- und Fotoinhalte und natürlich eine breite Vernetzung mit anderen Profilen und Gruppen. Vor allem persönliche Videobotschaften wirken informell, persönlich, authentisch und kommen bei den Nutzern sehr gut an. 

Wie gehen Sie damit um, wenn zum Beispiel NPD-Abgeordnete ein spezielles Politikerprofil anlegen wollen?

Spezielle Politiker- und Parteienprofile bieten wir im Superwahljahr allen im Bundestag vertretenden Parteien, deren Jungparteien und allen Politiker dieser Parteien an, die für die Bundestagswahl kandidieren. Extremistische Parteien und Kandidaten – egal ob rechts oder links – sind bei uns ausdrücklich unerwünscht. Dies darf man jedoch nicht mit Zensur verwechseln. Wir sind für einen offenen politischen Dialog, aber wir behalten uns genauso wie andere Medien vor, unser Angebot und die damit verbundene prominente Einbindung den im Bundestag vertretenen Parteien zur Verfügung zu stellen. 

Wie kam es damals zur Löschung der meinVZ/studivz-Gruppe der SPD und wurde die Gruppe wiederhergestellt?

Zunächst möchte ich hier nochmals die Gelegenheit wahrnehmen und mich bei dem Gruppengründer und allen Mitgliedern der Gruppe dafür zu entschuldigen. Das war ein sehr ärgerlicher technischer Fehler und selbstverständlich keine böse Absicht.

Wir freuen uns daher sehr, dass inzwischen die SPD bei uns wieder sehr aktiv ist: Die SPD hat unter www.meinvz.net/spd genauso wie die Jusos unter www.meinvz.net/jusos eigene Profile. Zudem gibt es sehr aktive SPD-Gruppe und neben Frank-Walter Steinmeier (www.meinvz.net/frank-walter-steinmeier) sind bereits zahlreiche andere SPDler bei uns Mitglied.

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Channel: Inland  
AutorIn: Karsten Wenzlaff  

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