Rezension, Jochen Voit: "Ernst Busch" „Keene Molle schmeißt der Olle, wenn er Dir so sieht“

Aufbau Verlag
von Theo Meier-Ewert
Das „Lied der Arbeitslosen“, auch als „Stempellied“ bekannt, war 1930 seine erste Platte und sein erster Erfolg: Ernst Busch (1900-1980) feierte als „roter Orpheus“ mit seiner unverwechselbar metallischen Stimme und als Schauspieler Triumphe. Jochen Voit legt eine Biographie des Künstlers vor.

Nach der prächtig illustrierten, jedoch mitunter glättenden und aussparenden Biographie von Karl Siebig, die 1987 im Ostberliner Henschel Verlag erschien, schöpft Jochen Voit nun aus der Fülle des Materials, das er erschlossen hat. Ungehindert von politischer Rücksichtnahme legt er eine akribische, gleichwohl flüssig geschriebene und kurzweilig zu lesende Biographie voll überraschender Details vor und entzieht vielen Legenden um Busch den Boden.

Von der Werft ans Theater

Ein typisch proletarischer Lebenslauf, doch die Suche nach dem Ausweg beginnt früh: Am 22. Januar 1900 in Kiel geboren, arbeitet Ernst Busch als Maschinenschlosser auf der Germaniawerft. Er engagiert sich in der Arbeiterjugend, tritt der SPD bei, wechselt 1919 zur USPD. Neben der Arbeit nimmt er Schauspiel- und Gesangsunterricht. 1921 beginnt er als Volontär am Kieler Stadttheater, weitere Engagements folgen. 1927 kommt Busch nach Berlin, an die theaterrevolutionäre Bühne von Erwin Piscator.

Zugleich werden seine Songs zu Ohrwürmern: Aufmüpfiger Inhalt mit schmissiger Musik „zum Mitsingen“. Zahllose Auftritte bei Arbeiterversammlungen, mit dem Komponisten Hanns Eisler am Klavier, machen ihn populär. Der Theaterkritiker Alfred Polgar beschreibt Ernst Busch treffend als „Jung-Siegfried in der KPD“. – Auch wenn Ernst Busch tatsächlich erst 1945 der Kommunistischen Partei beitritt.

Schauspieler, Sänger, Verfolgter

Von 1930 bis 1933 spielt er in einem Dutzend Filmen mit, in neun davon singt er. 21 Lieder nimmt er auf Platte auf. Ernst Busch ist auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kommen. Vor der drohenden Verfolgung gelingt ihm die Flucht, die ihn insgesamt in zehn Länder führt. Wo es nur irgend geht singt er, nimmt Platten mit politischen Liedern auf, etwa das „Einheitsfrontlied“.

1935 erreicht Busch Moskau. Während seines sechzehnmonatigen Aufenthaltes wird er zum populärsten deutschen Sänger – gegen den Faschismus und für den Kommunismus. Er zollt den Schauprozessen gegen die alte Garde der Revolution Tribut. „Noch nie gab es ein gerechteres Urteil“, erklärt er und spricht von „trotzkistischen Strolchen“. Über welche Abgründe er dabei gegangen sein mag, lässt sich einer Notiz in Buschs Nachlaß entnehmen: „Dreimal haben mir meine sowjetischen Freunde – Michail Kolzow, Annenkowa, Maria Osten – das Leben gerettet“, notiert er. – Alle drei fielen Stalins Terror zum Opfer.

1937/38 ist Busch in Spanien. Der Republik, gegen die General Franco 1936 geputscht hat, eilen Freiwillige aus aller Welt zur Hilfe und sammeln sich in den Internationalen Brigaden. Sie sind beseelt von der Hoffnung, die Aufständischen, die von Deutschland und Italien massiv unterstützt wurden, zu besiegen – und damit den Faschismus. Busch singt im Radio und bei den Brigaden, schreibt die „Canciones de las brigadas internacionales“, arbeitet an Plattenaufnahmen.

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AutorIn: Theo Meier-Ewert  

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