Interview mit Kontakt-Jongleur Kelvin Kalvus „Ich könnte auch mit Seifenblasen jonglieren“

von Kai Doering - 28.12.2009

Informationen und Kontakt:

www.kelvin-kalvus.de

Er macht „Bildungs-Entertainment“ und ist ein wahrer „Meister der Künste“. Der Dresdner Kelvin Kalvus ist einer der wenigen Kontakt-Jongleure in Deutschland. Im Interview mit vorwärts.de erklärt er, worauf es beim Jonglieren mit Glaskugeln ankommt – und wie die SPD im kommenden Jahr wieder in die Erfolgsspur findet.

vorwärts.de:  Herr Kalvus, Sie sind Kontaktjongleur. Wie sind Sie dazu gekommen?

Kelvin Kalvus: Mein Aha-Erlebnis hatte ich vor zwölf Jahren. In Turin habe ich Kontaktjonglage zum ersten Mal gesehen. Ich war überwältigt, wie jemand auf ganz andere Art jongliert, als ich es gewohnt war. Nach der ersten Begeisterung blieb eine Restgier übrig, die Details genauer nachzuvollziehen. Ein klassisches Kugelvirus hat meinen gesamten Körper befallen und es hat schließlich sogar zu Entzugserscheinungen geführt, wenn ich mal nicht kugeln durfte.

Jongliert haben Sie also schon eher?

Ja, ich war früher ein ganz mieser Jongleur. Gekriegt hätte ich dafür nichts außer Prügel. Heute ist das zum Glück anders.

Woher kommt die Kontaktjonglage?

Sie ist die Erfindung eines amerikanischen Jongleurs, Michael Motion, hat aber auch Einflüsse aus dem Qi Gong und der rhythmischen Sportgymnastik. Kampfsportübungen haben auch eine Rolle gespielt.

Seit 2003 verdienen Sie als Kontaktjongleur ihr Geld. Was haben Sie vorher gemacht?

Studiert. Geschichte und Mediävistik. Am Ende bekommt man da den schönen Titel „Magister Artium“, was ja „Meister der Künste“ bedeutet. Diesen Titel bringe ich in meinem jetzigen Beruf auf die Bühne.

Gibt es eine Verbindung zwischen Ihrem Studium und Ihrem Beruf?

Nicht direkt, aber als ich die Zeit des Mittelalters im Studium behandelt habe, konnte ich diesen mittelalterlichen Märkten, die es ja an vielen Orten gibt, nicht sehr viel abgewinnen. Das hat sich geändert, als ich meine Straßenkunst immer weiter verfeinert habe. Irgendwann habe ich mich dann entschlossen, eben auf diesen Märkten Unterhaltung und Bildung zu verbinden, um den Zuschauern etwas mitzugeben. Seither mache ich „Bildungs-Entertainment“ und vermittle den Leuten bei meinen Vorführungen manchmal auch etwas über Mystik und Alchimie. Wenn ich gebucht werde, interessieren sich die Zuschauer aber meistens leider nicht dafür.

Am 17. Dezember sind Sie bei der Weihnachtsfeier im Willy-Brandt-Haus aufgetreten. Wo kann man Sie sonst sehen?

Bei vielen Gelegenheiten. Normalerweise trete ich bei Sport-Galas, auf Kulturfestivals, Mittelaltermärkten oder bei Firmenfeiern auf. In diesem Jahr war ich mit meinem Programm in zwölf Ländern unterwegs. Es gibt kaum eine Veranstaltung, die nicht geht.

Wenn man Ihnen zusieht, wirkt die Jonglage mit den Glaskugeln sehr leicht. Worauf kommt es dabei am meisten an?

Auf Balance und innere Ruhe. Herkömmliche Jongleure haben immer ein geometrisches Muster, das wie ein Raster auf ihren Augen liegt. Dann schmeißen sie und schmeißen und schmeißen – meistens noch nach einem bestimmten Rhythmus. Das wird alles vom Kopf gesteuert. Beim Jonglieren mit Glaskugeln braucht man dagegen Ruhe, um ihnen nicht ständig einen Balanceakt entgegenbringen zu müssen. Wenn man die Kugeln einfach machen lässt, ist es am besten. Eigentlich versetze ich ihnen bloß einen Stoß und sie bewegen sich auf einer Linie. Die Kunst ist, die minimalen Schwingungen mitzubekommen, wenn sie diese Linie verlassen. Das geht nicht über den Kopf, das muss man fühlen. Mir hat da sicher auch meine Erfahrung aus dem Freiklettern geholfen. Da lernt man, die Ruhe zu bewahren und sich langsam zu bewegen. Natürlich ist aber jahrelanges Üben die Grundvoraussetzung, wenn man als Kontaktjongleur erfolgreich sein will.

Worauf kommt es bei den Kugeln an?

Je schwerer sie sind, desto einfacher ist die Jonglage. Ich könnte auch mit Seifenblasen jonglieren. Es gibt welche, die nicht so leicht kaputt gehen, aber das wäre viel schwieriger. Mit schweren, großen Kugeln ist man beim Jonglieren auf der sicheren Seite.

Wahrsagerei ist nicht ganz Ihr Bereich, aber wenn Sie einen Blick in eine ihrer Kugeln werfen: Was sehen Sie für die SPD im kommenden Jahr?

Wenn man weit unten startet, ist es leicht, wieder nach oben zu kommen. Es wird also vorwärts gehen. Wenn man sich den aktuellen Streit um die Steuersenkungen der Regierung ansieht, ist das eine gute Grundlage für die SPD als Oppositionspartei, da wieder anzugreifen.

Und was wünschen Sie sich für sich?

Wenn 2010 nur halb so gut wird wie 2009, wird es ein Super-Jahr. Natürlich wünsche ich mir, dass meine Kinder eine gute Zukunft haben und wir gesund bleiben. In jedem Fall habe ich schon wieder viele Pläne, bin aber noch nicht ausgebucht. Insofern freue ich mich sehr auf meine nächsten Auftritte.

Interview: Kai Doering

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