Leipziger Buchmesse „Eine große Sache“

von Kai Doering - 14.03.2009
Der Mauerfall und sein Jubiläum waren das bestimmende Thema des zweiten Tags auf der Leipziger Buchmesse. Am vorwärts-Stand trafen zwei ehemalige „kalte Krieger“ aufeinander. Zuvor diskutierte SPD-Chef Franz Müntefering mit dem ungarischen Historiker György Dalos über die Wendezeit – und zog daraus Lehren für die Zukunft.

„Wir haben die Mauer nicht eingerissen“, stellte Müntefering gleich zu Anfang klar, „sondern die mutigen Menschen in der damaligen DDR.“ Jedoch sei die friedliche Revolution von 1989 nicht möglich gewesen ohne die vorherigen Proteste in Ungarn und in Polen. In seinem Buch „Der Vorhang geht auf“ erzählt der ungarische Historiker György Dalos, wie der Prozess der Loslösung in Gang kam und welche Zufälle und Details eine Rolle spielten. Den Buchtitel möchte der Theaterfreund Dalos daher nicht nur auf den Fall des „Eisernen Vorhangs“ bezogen wissen. „Im Herbst 1989 ging vielmehr der Vorhang auf, damit die Vorstellung begann“, kommentierte er.

Diese dauert bis heute an. „Die Wende war eine große Sache“, sagte Franz Müntefering. Allerdings müsse die damals erkämpfte Demokratie verteidigt und immer wieder neu erstritten werden. Denn: „Demokratie allein national zu denken reicht nicht.“ In Zeiten der Globalisierung müssten die Länder füreinander einstehen. Größte Herausforderung sei die derzeitige Wirtschaftskrise. „Wenn es den baltischen Ländern schlecht geht, müssen die anderen ihnen helfen“, forderte Müntefering.

Eine Linke und zwei kalte Krieger

Gegenseitige Solidarität war auch das Thema von Franziska Drohsel. Die Vorsitzende der Jusos stellte ihr Buch „Was ist heute links?“ vor. Ihr Plädoyer: „Die Starken müssen den Schwachen helfen.“ Dann sei eine gerechtere Welt möglich. Das „Scheitern des Kapitalismus“ sieht Drohsel als Chance für einen Politikwechsel. „Den sollten gerade wir Jungen gestalten.“

Zwei „alte Hasen“ beschlossen dagegen den Tag am vorwärts-Stand. Im Gespräch mit dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, stellten Sten Nadolny und Jens Sparschuh ihr Buch „Putz- und Flickstunde“ vor. Darin erinnern sich beide an ihre Zeit bei der NVA (Sparschuh) bzw. bei der Bundeswehr (Nadolny). „Ich war überrascht, wie unterschiedlich die beiden Armeen waren“, erzählte Nadolny. „In der Bundeswehr gelten immerhin die Bürgerrechte weiter.“

„Vor der NATO hatten wir keine Angst“, gab Jens Sparschuh zu. Immerhin sei ein Aufeinandertreffen der verfeindeten Armeen nahezu ausgeschlossen gewesen. „Die atomare Abschreckung zwischen Ost und West hat einen konventionellen Krieg beinahe überflüssig gemacht“, meinte auch Thomas Oppermann. Dies sie heute anders. Die Bundeswehr werde zudem verstärkt im Ausland eingesetzt. Obwohl er selbst den Kriegsdienst verweigert hat, spricht sich Oppermann für eine Beibehaltung der Wehrpflicht aus. Dem widersprachen die „kalten Krieger“ vehement. „Wir haben den Feind nicht mehr, der eine allgemeine Wehrpflicht rechtfertigt“, so Sten Nadolny.

Das Programm am vorwärts-Stand auf der Leipziger Buchmesse finden Sie hier.

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Channel: Kultur  
AutorIn: Kai Doering  

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