Schweden macht seinen Atomausstieg rückgängig. Die zehn Atomreaktoren sollen durch Neubauten ersetzt werden. Wie ist dieser Schwenk zu bewerten?
Nicht die schwedische Regierung, sondern die konservative Regierungspartei hat diesen Schritt vollzogen. Sie hat ihrem Koalitionspartner einen Kompromiss abgerungen, der ein umfangreiches Klimaschutzpaket umfassen soll...
...mit dessen Hilfe die CO2-Emissionen stark verringert werden sollen. Kann die Rechnung aufgehen?
Ich glaube nicht. Schweden verfügt nur über Atomenergie und Wasserkraft. Das Land hat zu wenig für die Entwicklung der Erneuerbaren Energien und von Energieeffizienz getan. Das rächt sich jetzt.
Schwedens Ministerpräsident Fredrik Reinfeld sagt dennoch, die neue Energiestrategie seines Landes, sei ein Vorbild für die ganze Welt. Erleben wir jetzt eine Renaissance der Kernenergie?
Nein. Das würde großen Widerstand in der Bevölkerung hervorrufen. Atomkraft ist unflexibel und hat einen Wirkungsgrad aus dem 19. Jahrhundert. Mit einem derart alten System in die Zukunft gehen zu wollen, ist ein Irrsinn an sich. Ich bin mir sicher, dass die Anzahl der Atomkraftwerke weltweit in den kommenden Jahren abnehmen wird.
Und dennoch wertet die CDU den schwedischen Beschluss als „klares Signal“ für ein Weiterleben der Atomenergie in Deutschland. Wird der Ausstiegsbeschluss nach der kommenden Bundestagswahl rückgängig gemacht?
Das wird die CDU versuchen. Allerdings würde eine solche Entscheidung den alten Streit um die Kernenergie in Deutschland neu entfachen und unsere Glaubwürdigkeit im Ausland erschüttern. Die Debatte erinnert mich manchmal an die Finanzkrise. Man kennt die Risiken, aber verschließt die Augen davor. Der deutsche Weg darf nicht zurück in die Atomkraft, sondern muss zu den Erneuerbaren Energien führen. Da müssen wir weiter ein Vorbild sein.
Interview: Kai Doering
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