Eine vernünftige Zuwanderungspolitik, so erinnerte Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) bei der Eröffnung der Ausstellung, wurde erst 1998 mit der rot-grünen Bundesregierung begonnen. "Vierzig Jahre wurde eine falsche Politik gemacht." Christian Hanke begrüßte, dass die Ausstellung in seinem Bezirk gezeigt werde. Illegaler Aufenthalt in Deutschland sei ein Problem, mit dem er auch als Kommunalpolitiker direkt zu tun habe.
Leben in Abchiebehaft
In acht Porträts berichtet die Ausstellung "Auf gepackten Koffern“ vom Leben in der Abschiebehaft. Die Ausstellung zeigt Hoffnungen und Erwartungen der Flüchtlinge, die aus ganz unterschiedlichen Motiven nach Deutschland gekommen sind oder auch hier aufwuchsen. Der staatenlose Tischler Farid Abad zum Beispiel kam in Abschiebehaft, weil er über Griechenland eingereist war und sich dort bereits in einem sicheren EU-Land befunden hatte. In Berlin allerdings leben seine Kinder und Enkelkinder. Seine Ehefrau wurde in ihr Heimatland Libanon abgeschoben. Statt der erhofften Zusammenführung in Deutschland wurde die Familie ganz auseinandergerissen, klagt Farid Abad. In Abschiebehaft kamen auch Ruth Fernando, die vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka geflohen war und hier als Altenpflegerin arbeitete, oder die Germanistin Oxana Mironowa aus Russland. Drei der im September 2007 Porträtierten sind heute noch in Deutschland, fünf wurden inzwischen abgeschoben.
Politik und Einzelschicksale
Auch Politiker müssten die Einzelschicksale im Blick behalten, betonte die SPD-Abgeordnete Canan Bayram, die auch in ihrem Beruf als Rechtsanwältin in Friedrichshain-Kreuzberg immer wieder mit Fragen des Aufenthaltsstatus befasst ist. Sie verwies auf die positive Rolle, die Berlin spiele: In vielen Härtefällen sei es gelungen, gemeinsam mit Innensenator Körting zu positiven Entscheidungen zu kommen. Das macht auch der jüngste Bericht der Härtefallkommission deutlich. Immer wieder werde auch im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses über Einzelschicksale beraten, erläuterte Canan Bayram. "Hier ist die Politik ganz nah bei den Menschen."
Eine notwendige Diskussion möchte das August-Bebel-Institut (ABI) anregen, sagt ABI-Geschäftsführer Ingo Siebert. Die gezeigten Biographien geben Einblicke in die Lebenssituation der Flüchtlinge. Als Einrichtung der politischen Bildung wünsche man sich, dass sich daraus auch politische Aktivitäten entwickeln. Ein Wunsch, den er mit den Ausstellungsmachern Jens-Uwe Thomas vom Flüchtlingsrat Berlin und Bernhard Fricke, Seelsorger in der Abschiebungshaft, gemeinsam hat.
Ulrich Horb
Ausstellung in der Galerie im Kurt-Schumacher-Haus, Müllerstr. 163, 13353 Berlin-Wedding, zu sehen bis zum 12. März 2009, Öffnungszeiten: Mi 11-13 Uhr, Fr 15-18 Uhr sowie nach telefonischer Terminvereinbarung unter 030/4692-123
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